Ich hab' hier zwei Rüden, die zur gleichen Rasse gehören, aber was Wach- und Schutztrieb (bis zu einem gewissen Grad rassetypisch und gewollt) angeht ziemlich unterschiedlich sind.
Myrddin ist so, wie ein Aussie m.M.n. sein sollte: er meldet, wenn fremde Menschen das Grundstück betreten, grollt auch schon mal laut und deutlich, wenn ich mit ihm nach der Nachtschicht über den stockdunklen Mitarbeiterparkplatz muss und uns ein paar angetrunkene Leute entgegenwanken, aber einen ernsthaften (Gegen-)Angriff oder entschiedenes Zubeißen kann ich mir bei ihm nur sehr, sehr schwer vorstellen. Auch in wirklich brenzligen Situationen würde er wohl eher Radau machen und Verbellen, als zuzulangen – wofür ich, auch in seinem Interesse, wirklich dankbar bin. Zum Glück musste ich das noch nie testen.
Shawnee ist da anders, der hat bei der Verteilung von Wach- und Schutztrieb ganz laut 'Hier!' geschrien und die doppelte Portion abbekommen. Und wie hier schon geschrieben wurde: das ist nix, was ich in irgendeiner Art wünschens- oder erstrebenswert finde.
Ich hatte vor Jahren mal die Situation, dass ich im Wald von jemandem, der nach einem kurzen Gespräch völlig ausgeflippt ist, mit einem armdicken Ast angegriffen wurde. Shawnee ist dazwischen gegangen und am bemerkenswertesten finde ich dabei, dass er in so einer ehrlich kritischen Situation völlig ruhig vorgeht – er guckt sich die Lage an, trifft eine Entscheidung und handelt entsprechend, ohne dabei Rücksicht auf seine eigene Unversehrtheit zu nehmen. Kein Bellen, keine Hektik, kein kopfloses Herumhüpfen, stattdessen wirklich gezieltes Zubeißen und voller Körpereinsatz.
Mir wär's lieber, er wäre in dieser Hinsicht mehr wie Myrddin. Zum einen, weil er sich durch so ein Verhalten selbst in Gefahr bringt, zum anderen, weil eben auch immer die Möglichkeit bestünde, dass er etwas falsch einschätzt und überreagiert. In Situationen, die ich nicht 100%ig überblicken kann und die Nähe zu fremden Menschen erfordern bzw. bei denen ich weiß, dass sie für ihn leicht misszudeuten wären, trägt er deswegen auch grundsätzlich einen Maulkorb.
Insofern: ein Hund, der verbellt und dann lieber irgendwann den Rückwärtsgang einlegt, ist mir deutlich lieber als einer, der wirklich zubeißen würde. Und für's Sicherheitsgefühl reicht mir die bloße Anwesenheit des Hundes und mein Handy in der Jackentasche, um den Rest kümmere ich mich dann lieber selbst.