Mal ganz vorsichtig gesagt: Wo ist der Unterschied, ob man mit dem Hund nicht mehr glücklich ist, weil er als Familienhund nicht mehr taugt oder, weil er nicht mehr als Sporthund eingesetzt werden kann?
Das finde ich wirklich schwierig zu sagen, weil bei mir Sport einfach nicht den großen Stellenwert hat. Wie weiter vorne schon geschrieben: Alltag ist immer, Training ist nur ein paar Mal die Woche für begrenzte Zeit. Ich find's unglaublich schwierig, mich in eine Lage hineinzuversetzen, in der eine Nicht-Sporteignung genauso schlimm und einschränkend wäre wie eine heftige, tägliche Alltagsproblematik. Oder anders gesagt: ich mache Sport, weil ich eine Beschäftigung mit meinem Hund machen möchte. Was das genau ist, ist nebensächlich. Ich will damit nicht sagen, dass das der "einzig richtige" Weg ist oder "moralisch besser" oder dass alle das so machen müssen – wie gesagt, ich kann irgendwie auch verstehen, wenn jemand komplett Feuer und Flamme für eine bestimmte Sportart ist –, aber ich kann mich schlecht in jemanden hineinversetzen, der einen Hund ein, zwei Jahre ausbildet, mit ihm als Team zusammenwächst, den Hund mit all seinen Ecken und Kanten liebgewinnt und dann den gewünschten Sport nicht ausüben kann und über Abgabe nachdenkt. Mag sein, dass ich da zu emotional verklärt rangehe, aber ich geb' mir Mühe, es zu verstehen
– und finde die Beiträge dazu hier auch wirklich spannend, gerade weil sie teilweise völlig außerhalb meiner Überlegungen und Erfahrungen liegen.
Macht es wirklich Sinn mit einem Hund 10 Jahre lange einen Sport zu betreiben, den ich ätzend finde, zu dem ich zwingen muss, weil alles andere nicht geht? Oder ist es nicht auch dann fairer jemanden zu suchen, der dem Hund bieten kann was er braucht und selbst Spaß daran hat?
Wenn man das mal als Ausgangssituation annimmt – also "Hund ist für die heiß ersehnte Sportart überhaupt nicht einsetzbar, Frust auf beiden Seiten ist vorprogrammiert" – finde ich eine Abgabe überhaupt nicht schlimm.
Lieber ein Besitzerwechsel zu jemandem, der dem Hund das geben kann, was er braucht und möchte, als dauerhaft als "Anhängsel" mitzulaufen. Aber die vorgeschobenen Gründe dabei sind doch teilweise wirklich seltsam – da will der Hund lieber bei jemandem anders wohnen, hat sich das "ausgesucht", man "trennt sich schweren Herzens, aber der Hund will das so", ... Ja, klar. Warum können viele Leute da nicht so ehrlich sein und sagen "Mit diesem Hund werde ich die Ziele, die ich mir gesteckt habe, nicht erreichen, also gebe ich ihn in ein weniger sportorientiertes Zuhause ab?" (Wobei das vermutlich sportartenspezifisch ist – besonders negative Erfahrungen habe ich in der Hinsicht mit Agilityleuten gemacht, die IPO-Sportler scheinen da pragmatischer und ehrlicher zu sein.) Da muss ich als watteweicher Mein-Hund-ist-ein-Familienmitglied-Mensch zwar kurz schlucken
, aber das ist wenigstens 'ne klare Ansage und zeigt, dass man reflektiert und überlegt vorgeht.