Hallo,
...wer von Euch macht mit dem Hund / den Hunden die Morgenrunde?
Ist die normal? Oder benehmen sich Eure Pelzigen da anders als gewöhnlich?
Unsere jedenfalls, sind morgens bekloppt. Total. Ich schildere mal...
Mühsam schäl' ich mich kurz nach sechs Uhr aus der gemütlichen Koje.
Geschlossenen Auges sammle ich meine sieben Sachen zusammen und schlurfe ins Badezimmer.
Als Morgenmuffel-Schwarzgurtträger vermeide ich sowohl jeglich An- als auch Aussprache und
trete nach vollbrachter Grundreinigung recht Wortkarg in den Hausflur.
'Jimmy! Verona! Pippi!'
Jimmy -im Ehebett unter der Bettdecke auf Fraules Seite liegend- vernimmt meine knappe
Ansprache und zieht die Beine ein, die unter der Zudecke hervorlugen.
Solcherart nun vollständig getarnt, hofft er auf weiterführende Nachtruhe.
Verona hingegen drückt sich -im Wohnzimmer auf dem grossen Hundekissen hinter dem
Sofa liegend- tiefer ins Kissen und täuscht seufzend eine Tiefschlafphase vor.
'Kamele! Auf! Piiiipppiii! -Anziehen!'
Ich nehme die Geschirre, Halsbänder und Leinen vom Haken und rassle damit.
Daraufhin, setzt Jimmy sich auf und beginnt sich hinterm rechten Ohr zu jucken.
Verona ahmt ein Schnarchen nach.
'Auf jetzt! Hopp!'
Jimmy steigt vom Bett. Aber nur vorne. Hinten bleibt er oben, biegt sich durch, wie
eine Billigbanane vom Diskonter und gähnt herzhaft. Manchmal furzt er auch ver-
nehmlich. Wahrscheinlich zur Abwehr.
Verona indess gibt vor zu kooperieren. Sie trottet an mir vorbei, ohne aufzusehen
und inspiziert erstmal den Katzen-Fressplatz.
'Vero! Komm her. Leine dran. Pippi!'
Geschickt weicht sie dem Halsband aus, geht in die Küche, beschnüffelt bald den
Tisch, bald die Arbeitsplatte, auf der Suche nach Essen.
Rütter würde sie frech und respektlos nennen.
Rütter hätte Recht.
Derweil hat Jimmy das Bett gänzlich verlassen. Er starrt die Leine an, während er
sich den Bauch kratzt.
Verona rast an mir vorbei, wirft den Plüschelch im Wohnzimmer umher und legt sich
ins Körbchen.
Jimmy erhält einen Anschiss und kratzt sich daraufhin die andere Bauchseite.
Verona legt sich im Körbchen auf den Rücken.
Ich habe inzwischen bereits ein Auge geöffnet und sehe, dass das was ich sehe,
mir nicht gefällt.
'Auf jetzt! Saubande! Anziiiiiiiiiiehen!'
Jimmy schlurft heran, lässt sich widerwillig bekleiden. Geschirr geht schwer anzuziehen,
weil er sich unter den Achseln kratzt.
Dann rüttle ich am Körbchen.
Verona schwingt herum. Schaut mich an. Ich will nicht wissen, was sie gerade über mich
denkt.
Urplötzlich täuscht sie Aktionismus vor, rennt los, springt an die Leinengarderobe, hopst
an der Türe hoch und dreht sich im Kreis.
Ich kriege sie zu fassen und ziehe sie an, während sie das Maulvoll Katzen-Trofu mampft,
dass sie -wie auch immer- bei dieser Aktion gemopst hat.
Geschirr geht schwer anzuziehen, weil sie sich dabei hinsetzt und ein unschuldiges Gesicht
macht.
'Ich geh dann.'
...mache die Tür auf, beide Leinen in der linken Hand.
Verona saust los. Es ruckt, die Finger knirschen. Sternchen steigen auf.
Jimmy ist nämlich sitzen geblieben, kratzt sich das Kinn, während Véro bereits halb an der
Aussentüre ist.
Jimmy erhält nun einen Ruck nach vorne, Verona einen nach hinten. (Nicht im DF sagen!)
So gelingte es uns, geschlossen auf die Strasse zu treten.
'Und los geht's!'
Denkste.
Jimmy muss erstmal den Busch gleich am Trottoir giessen, während Verona das Gleiche mit
dem Kirschbaum am Strassenrand vor hat.
Ich stehe dazwischen, in jeder Hand eine Leine und sehe gekreuzigt aus, fast wie Jesus.
Nachdem ich meine Schultern wieder eingerenkt habe, traben wir los.
Mal ruckt es links, weil Jimmy die Buschzeitung lesen will, bald rechts, weil Verona eine
Schnecke beschnüffeln muss oder eine Mirabelle.
Trotzdem gelingt es mir, mit beiden Pappnasen die nächste Strassenkreuzung zu erreichen.
Kurzer Blick nach links, nach rechts und nix wie rüber...
Schlagartig werden wir gebremst. Jimmy sitzt auf dem Mittelstreifen und kratzt sich überm
Auge.
Ich fluche, zerre ihn vorwärts, was er mit einem vorgetäuschten Hinken kommentiert und
versuche dabei geschickt Schulbussen und Berufspendlern in schlaftrunkenen Autos auszu-
weichen.
Etwas zittrig erreichen wir die Ampelanlage an der B3. Wie jeden Morgen versucht Jimmy
den Schaltkasten zu markieren, Verona gibt mir aber gut Schwung mit um ihn wegzu-
ziehen, weil sie dringend den Siedlungszaun anzustrullen gedenkt und darob Gas gibt.
Den Wirtschaftsweg entlang, wird nun jeder Grashalm persönlich begrüsst. Der eine oder
andere wird angeknabbert, angepinkelt oder gar inhaliert.
Da es pressiert, treibe ich die Sackgesichter zur Eile an.
'Auf ihr Kamele! Laufschritt! Saubande!'
Das hilft und sie verfallen in einen recht brauchbaren Trab.
So biegen wir in die Danziger Strasse ein.
Dort treffen wir Tajo, den weissen Wuschel. Gemeinsames Schnüffeln, kurzer Plausch mit
dem Tajo-Fraule und dann links rum, Richtung Kindergarten.
Auf dem Schotterfeld vorm Kindergarten dreht sich Verona ein, zwei, drei Mal und kackt.
Und dreht sich... kackt... dreht sich...
Ich sammle das dann auf, während Jimmy und Véro gleichzeitig in verschiedene Richtungen
ziehen und erneut der linken Leinenhand zusetzen.
Dann geht's weiter hinter der Siedlung vorbei.
Hier steht anscheinend das Beste Gras worldwide, denn nun grasen die Kamele, als wenn
es Kühe wären. Natürlich einer ganz links, der andere ganz rechts vom Weg.
Jesus lässt grüssen.
Jimmy nutzt die Gelegenheit gerne, sich dann im Gras nieder zu legen und ausgiebig bissle
zu kotzen. Verona putzt ihn dann und mein Blutdruck errreicht Spitzenwerte, weil ich ja
eigentlich vor der Arbeit noch zu frühstücken gedenke, während die beiden Holzköpfe da
rumblödeln.
Ich treibe beide erneut zur Eile an.
Sie nehmen es zur Kenntnis. Oder auch nicht. Doch irgendwie erreichen wir das alte
Hochhaus an der B3.
Ich muss nicht erwähnen, dass Jimmy mich auf dem bisherigen Weg mindestens 20 Mal
versucht hat von hinten zu überholen und dabei jedes mal die Seite gewechselt hat, so
dass ich umgreifen muss.
Auch nicht, dass er ständig versucht alles was höher ist als ein aufgestellter Igelhaufen
zu markieren. Ich sage versucht, und meine versucht.
Das geht so:
Er stellt sich an das zu markierende Objekt.
Hebt das linke Bein.
Macht einen Schritt zurück.
Hebt das Rechte Bein.
Macht einen Schritt vor.
Dreht sich.
Schnüffelt.
Linkes Bein... vor
Rechtes Bein... zurück
Wippt im ganzen vor und zurück und vor...
Dreht sich...
Entweder er lässt irgendwann ein Tröpfchen fallen und scharrt dann mit allen
Vieren, als wolle er den Suez-Kanal auffüllen, oder er gibt auf und geht einfach
weiter.
Beides nervt.
Kurz vorm Hochhaus kackt dann auch der Jimmy. Also manchmal.
Manchmal tut er auch nur so.
Kreist und kreist... und nix.
Ein Dödel.
Egal. So erreichen wir jedenfalls wieder unsere Strasse.
Verona hat Hunger und beginnt zu ziehen.
Jimmy täuscht erneut ein Hinken vor, vertut sich aber zumeist mit dem Bein.
Zu Hause bettelt er dann ein Rädle Wurst. Vero auch. Vorher hat diese aber schon die
Hunde- und Katzen-Näpfe abgecheckt, die Arbeitsfläche und den Küchentisch unter-
sucht und beim Saufen den Küchenboden unter Wasser gesetzt.
Ausziehen ist ähnlich wie Anziehen. Nur umgekehrt.
Den Kaffee jedenfalls habe ich mir verdient. :coffee2:
liebe Grüsse ... Patrick *der-es-morgends-nicht-leicht-hat*