Der Inspecteur raste los, als gälte es den Weltrekord im Sprint zu brechen.
Wie ein geölter Blitz sauste er durch den Korridor, ins Treppenhaus.
Patienten, Besucher, die Schwerkraft und sämtliche Vorsicht ignorierend
flitzte er die Treppen hinunter, durchquerte die Eingangshalle, das Portal
und rannte pumpend und keuchend wie eine Dampfmaschine zu dem
Taxistand.
Als er auf dem Weg dorthin am staunenden Hermann vorbeikam, konnte
er diesem gerade noch einen 'Hornochse' zurufen.
Zu mehr Lob reichte der Atem nicht mehr.
Le Jazz baute sich vor der Gruppe der feixenden Taxler auf und hielt
diesen den Polizeiausweis unter die Triefnasen.
'Frau - roter Jogging-Anzug - Kopfverband - weg mit Taxi - *keuch*
- welcher Fahrer - wohin - *zisch* - Antwort - flott - *schnapp* :x !'
'Tscha, das war wohl der Schumacher Ralf, ne' ...sagte einer der Taxler
zu seinen Kollegen. 'Ja ja' ...bsetätigten diese nickend. 'Der Ralf.'
'Hä?' *schnauf*
'Tscha, der Ralf. Der fährt einen 200er Diesel. Das entspricht mehr seinem
Tempo, als mit die Boliden. Hö-hö-hö...'
'Wollt ihr mich verarschen?' ...begann le Jazz zu schimpfen.
'Nee Chef', fiel ihm ein anderer Taxler ins Wort. 'Der heisst wirklich so.
Ralf Schumacher. Kann er ja nix für. Hat nix mit die Kerperner Schumachers
zu tun.
Könnt' aber sicherlich schneller Auto fahren als der andere Ralf. 
Der fährt schon zwanzig Jahre für Beutelschneider und Raff in der
Piratengasse. Wagen 49, wenn's hilft.
Aber wohin der mit der Mumie gezischt ist...
...keine Ahnung Chef.'
'Nö' sagte der erste Taxler. 'Null Scheckung, allerdings Richtung Innenstadt'.
'Merci' keuchte le Jazz und steuerte die Ente an.
'Hermann, steig ein, los los der Busch brennt.'
Le Jazz zwängte sich hinters Lenkrad, wobei er die junge Frau am Steuer
etwas unsanft auf den Beifahrersitz ruckelte.
Enten-üblich stiess er sich dabei den rechten Oberschenkel am Sitzgestell,
während die haltlose Fahrertüre ihm gegen die Schulter schlug.
Fluchend startete er das Autochen, während sich Hermann mit Chicco auf
die Rücksitzbank quetschte, wo er hockte wie ein Affe auf dem Schleifstein.
Das Zweizylindermotörchen hüstelte, dann heulte es schnatternd auf.
Die Ventile brüllten um Hilfe. Das Getriebe krachte, als der Inspecteur
ratschend den Gang einlegte. Das ganze Autochen vibrierte und ächzte,
als es sich mit aller Kraft seiner 28 PS aufbäumte um sich dann furzend
und hustend in Bewegung zu setzen.
'Putain de Merde' ...fluchte le Jazz. 'Der beste Wein, die schönsten Frauen.
Frankreich! Das Land gemacht für Gott. Aber Autos bauen wie die Vandalen! Mon dieu!'
Was hätte er in diesem Moment für ein italienisches Auto gegeben!
'Hermann' ...legte er los, jetzt wo er wieder atmen konnte. 'Die B. ist Dir
schon wieder entwischt! Ist an Dir vorbeigekommen! Direkt! Zwei Mal!
Auf Armeslänge!
Und Du hast nix Besseres zu tun, als zu flirten mit dieser.... ööhm, äh
Mademoiselle! Excusé moi, mein Fräulein. Ich bin etwas aufgebracht.
Sie können da nichts dafür. Dieser Knallkopp da hinten.'
Das Mademoiselle reagierte jedoch nicht auf die Ansprache des Inspecteurs.
Sie war viel zu sehr damit beschäftigt zu beten, da le Jazz gerade eben
im Begriff war, die zweite Ampel in Folge bei Rot zu passieren.
'So jetzt Hermann, Du Geige. Nimm's Händie und ruf' die Taxi-Zentrale an.
Die sollen feststellen wohin Wagen 49, Schumacher unterwegs ist.
Und dann Augen auf! Mercedes W124. 200D. Taxibeige. Mit Mumie!' :mumie2:
Die Ente erbebte in ihren Grundfesten, als le Jazz sie in Richtung Innen-
stadt prügelte. Mademoiselle kicherte leicht hysterisch, das Vater-Unser
im Geiste rückwärts auf Altrussisch rezitierend.
Hermann telefonierte, hielt gleichzeitig Ausschau und kämpfte mit seinem
Magen, der den hohen Seegang einer 2CV-Federung nicht gewöhnt war.
Der Einzige, der die Fahrt zu geniessen schien, war Chicco, der schwanz-
wedelnd den nachfolgenden Verkehr durch das Heckfenster anbellte.
Unterdessen war die B. schon längst dem Taxi entstiegen.
Als der Wagen am Rattenweg an einer Ampel halten musste, sprang sie
hinaus. Natürlich ohne zu bezahlen, da sie ja eh kein Geld bei sich hatte.
Schumacher rannte ihr zwar nach, aber in der Verfolgergasse konnte sie
ihn abhängen.
Ein kurzes Stück ging sie durch die Fussgängerzone und verschwand dann
in der U-Bahn-Station am Vagantenplatz in der Menge.
Wohin wird die B. sich als nächstes wenden?
Wird die Ente heil bleiben?
Wird Mademoiselle ihr Gelübde ins 'Kloster zur ewigen Schweigsamkeit'
einzutreten wenn sie diese Fahrt überlebt, einlösen?
Und nimmt sie Chicco mit?
Wie findet le Jazz die Spur der B. wieder?
Und wird Schumacher jemals sein Fahrtgeld bekommen?
...bewegende Fragen.
Die Antworten demnächst hier.
vollgasgebende Grüsse ... Patrick :^^: