Ich muss sagen, dass sich mein Mitleid für "die Positivler" gerade irgendwie schwer in Grenzen hält 
Wenn ich heute sage, ich löse etwas mit Zeigen und Benennen, Entspannungssignal und sonstigen (zumindest angestrebt..) rein netten Dingen, dann ist idR das schlimmste was ich mir anhören kann, dass es nicht funktioniert.
Sage ich, der Hund kassiert auch mal eine Ansage in der Situation oder noch schlimmer, ich wirke auch körperlich auf den Hund Ein und zwar so, dass es für ihn wirklich unangenehm ist, nimmt das Drama seinen lauf. Das "netteste" ist dann noch, dass ich wohl einfach keine Hunde ausbilden kann, wenn ich das nötig habe... geht weiter über "oh Gott Fehlverknüpfungen" bis hin zu Vorwürfen und Drohungen der schlimmsten Sorte. Da ist dann irgendwie vorbei mit der Prämisse Positiv ist am besten.
Im Endeffekt ist das natürlich irgendwo auch nachvollziehbar, wenn man sich mal anschaut wie das in diesem "Lager" meistens abläuft.Wenn ich vielleicht eh eine gewisse Vorstellung vom Hund habe und mir dann noch eingebläut wird, dass ein Hund schwere Traumata davon trägt wenn man ihm mal etwas unangenehm macht, dass ein Nein was nicht über maximal Leckerchen Entzug hinaus aufgebaut wurde auch schon Gewalt ist, ein Hund niemals nicht einfach auch seinen Vorteil und eine möglichst gute Stellung in der Gruppe anstrebt (den angeblich existenten wissenschaftlichen Beweis dafür hat mir noch keiner erbracht...) und wenn ich dann mal irgendwas nicht so nett gelöst habe, dann hat der Hund ja automatisch Angst vor Flugzeugen (BTW kenne ich eine Menge Hunde, an denen sicher nicht immer absolut perfekt und durchdacht korrigiert wurde, aber wirklich keinen einzigen, der Angst vor Flugzeugen oder sonstigem hat.. ).. dann ist mir schon klar, dass ich mir dann schwer damit tue, sowas zu akzeptieren. Ist ja ganz schlimm böse.
Der Knackpunkt an der ganzen Geschichte ist für mich aber halt, ob ich auch mal über den Tellerrand gucke und Dinge kritisch hinterfrage. Das ist natürlich nicht gewollt und ich denke, dieses extreme Verteufeln (getarnt als "nach Wissenschaftlichen Erkenntnissen", die entweder noch keiner gesehen hat oder die dann doch nicht so sind wie man das behauptet) ist schon auch einfach Verkaufsstrategie. Verhindert ja sehr wirksam das die Leute ihr Geld nur zu Seminaren von einem selber tragen. Sehr putzig finde ich da auch die altbekannte Facebook Gruppe zu dem Thema, die verbietet jemanden der ein Problem mit seinem Malinois hat ihn an einen entsprechenden Fachmann zu verweisen, weil man ja nicht garantieren kann, dass der nur Tips im Sinne der Gruppe gibt..
(ja, das stand da ziemlich genau so)
Versuche ich da wirklich zu verifizieren (sei es eben durch Prüfen der wissenschaftlichen Quellen und auch einfach durch Erfahrung), bleibt für mich nicht mehr gar so viel Ideologie übrig.
Meiner Meinung nach gehören Grenzen und gewisse Hemmungen für ein Lebewesen einfach dazu. Kein Tier lernt natürlicher Weise ohne und sie sind auch einfach überlebenswichtig. ich muss auch sagen, dass die Hunde, die ich jetzt kenne bei denen einige Sachen aus der "positiven Werkzeugkiste" funktioniert haben explizit nicht die sind, die von Grund auf so aufgezogen wurden und/oder bei Leuten leben, die streng nach dieser Ideologie arbeiten... meistens sind das Hunde, die schon wer anders entsprechend erzogen hat oder eben Leute, die dem Hund durchaus einen festen Rahmen stecken und innerhalb dieses Rahmens dann überwiegend positiv arbeiten.
Beim Rest ist das für mich einfach ein Auf und ab, mal besser mal schlechter, wie der Hund gerade will und nicht wenige wirken auf mich auch einfach ein wenig verloren. Viele Hunde brauchen auch jemanden, den sie als stark empfinden, der den Eindruck macht ihnen den Weg vorgeben zu können und der das auch durchaus mal demonstriert in dem er klare Grenzen zieht.
Wenn ein Hund dann ungerichtetes Meiden zeigt, dann liegt das eigentlich nicht an der Einwirkung an sich, sondern daran das entweder Intensität und Zeitpunkt nicht gestimmt oder auch schlicht und ergreifend daran, dass man den Druck nicht passend wieder weg genommen hat. Das heißt aber auch noch lange nicht, dass es für den Hund immer und überall besser ohne ist.
Ob es einem Hund lieber ist, lebenslang einfach allem auszuweichen und im Prinzip nur gemanaged zu werden oder ob er lieber eine klare Grenze und dann weniger Stress hätte.... ist wohl fast eine philosophische Frage, man wird ja keine wirkliche Antwort bekommen. Ich tendiere aber zu zweiterem, allein weil ich damit weniger Stress habe. Und ja, auch ich habe ein Recht darauf mich mit meinem Hund wohlzufühlen.
Lustig finde ich im übrigen, dass ich @dragonwog da auch nur zustimmen kann, dass bei vielen "positivlern" die ich bisher so kennengelernt habe real nicht mehr viel übrig bleibt. Sei es, weil die Sachen dann doch nicht so toll funktionieren (jedenfalls nach dem Maßstab den ich als funktionieren ansetze) oder weil dann eben doch ziemlich viel ungerichtet dem Hund gegenüber ausgeflippt wird...
Aber das wurde ja auch hier (oder wars in dem andern zeitgleich laufenden Thread?) dann gerne damit begründet, dass das ja jetzt "nur Management" wäre und kein Training. Erstmal finde ich ist unfaires Verhalten dem Hund gegenüber mal wirklich schlimm und zum zweiten bezweifle ich ganz stark, dass sich der Hund denkt "ja kein Problem, dass war ja jetzt kein Training". Dann meidet der Hund am Ende wirklich und es heisst "siehste, dass ist alles ganz böse".