Apropros kontrollierendes Verhalten: was ist denn alles kontrollierendes Verhalten? Vorauslaufen beim Gassi gehen (?), in der Wohnung nachlaufen, immer in der Nähe liegen, auf dem Platz mit der besten Übersicht liegen? Wo ist da die Grenze zu "ist halt gerne beim sozialen Verband"? Oder gibt es das garnicht?
Ich kann nur darauf eingehen, weil meine Hündin eigentlich all diese Verhaltensweisen zeigt. Sie hat Verlustängste, basierend auf einer zu frühen Trennung von der Mutter und eine leider unsichere, aber trotzdem starke Bindung zu mir. Da habe ich die ersten Jahre viele Kleinigkeiten falsch gemacht und irgendwann waren wir in einer Art blödem Kreislauf festgehangen.
Die Verlustangst äußert sich stark beim alleine bleiben, sie heult zum Beispiel herzergreifend, wie man eben heult, wenn man seinen sozialen Verband verliert und denkt, er kehrt nie mehr zurück. In Kombination mit nervösem Suchen und Hecheln, also wirklich Stress
Zuhause verfolgt sie mich gerne auf Schritt und Tritt, wenn ich sie lasse und liegt immer bei mir, am liebsten direkt danaben. Einen Platz 'abseits' wählt sie nicht von alleine, dann könnte sie mich ja aus den Augen verlieren und ich verschwinde zufällig. Da muss ich sie schon oft wegschicken und finde es tatsächlich schwierig, bei Verlustangst die richtige Balance zwischen Abstand und Nähe zu finden. Vor allem, weil ich außer am Wochenende nicht sehr viel Zeit daheim verbringe.
Beim Gassi lief sie schon immer voraus, schnüffelt, macht Hundedinge. Was eigentlich die meisten Hunde tun, die ich kenne. Sie hält aber immer mal wieder Rücksprache oder geht phasenweise neben mir. Das würde ich jetzt mal total unäbhing sehen von Verlustangst oder Kontrollwahn.
Sie geht auch als erste zur Haustür raus, weil sie sich wahnsinnig auf Spaziergänge freut. Ich könnte sie auch ohne Probleme vorher platzieren und sie erst nachträglich holen.
An strategisch wichtigen Plätzen wie z. B. vor der Terrassentüre mit Blick zum Hof liegt sie immer mal wieder, wenn sie sich sicher sein kann, dass ich in der Nähe bin, Hausarbeit nachgehe etc. Denn fernab ihrer Verlustängste kann sie auch sehr territorial sein und wacht gerne, wenn man sie nicht davon abhält.
Hier wird quasi kontrolliert wohin ich gehe und wo ich mich aufhalte und dass ich nicht verschwinde. Und dieses Kontrollieren basiert m. M. nach auf der Verlustangst.
Deswegen denke ich, dass das eine das andere nicht ausschließt.
Im normalen Alltag, egal bei was oder wo wir sind, ist meine Hündin absolut unkompliziert. Auch mit Artgenossen oder ihrer Umwelt.
Einen Hund mit einer sicheren Bindung (ohne Kontrollzwang oder Verlustangst) erkenne ich einfach daran, dass er erst mal kein grundlegendes Problem damit hat, entspannt alleine zu bleiben, wenn er es muss.
Ob er nun deshalb Zuhause lieber in der Nähe seiner Menschen ist, wenn er wählen darf, als erstes zur Tür rausgeht oder beim Gassi vorne läuft, hat damit für mich nichts zu tun.
Die Gene versch. Rassen tun sicher auch ihren Teil dazu, aber eben genauso die Aufzucht und Erziehung.