Beiträge von straalster

    Meine Oma!

    Man stelle sich bitte eine zierliche Frau vor, die schon Schränke von Männern in die Flucht geschlagen hat, mit ihrer Handtasche... Nein, das ist kein Witz. Sondern so passiert, circa 1990 auf dem Leipziger Marktplatz. Fluchen und laut werden liegt ihr auch nicht fern.

    Blut sehen? Pff. Tiere ausweiden - ja mei.

    Würde ich blutend mit offenem Bruch auf dem Boden liegen, käme "steh auf und hab dich nicht so". Hab ich als Kind vor irgendwas begründet(!) Angst gehabt - naja... hab dich nicht so! Horrorfilme anschauen als Kind auch kein Ding.

    Telefonat im hiesigen Dialekt (im Hintergrund dudelt The Walking Dead)

    Oma: Was guggstn du da?

    The Walking Dead

    Oma: Se WalkinK Däd lässt du de Hunde guggn???

    Ja, Oma, läuft nebenbei.

    Oma: Un die Kleene lässte das och schon guggn?! Da kriescht die doch Albdräume von! Die is doch noch viel zu kleen dafür!

    Mach der ma was Vernünftsches an!

    Weiß jetzt nicht, was ich bemerkenswerter finden soll. Dass meine Oma The Walking Dead kennt oder aber, dass bei dem Unterhaltungsprogramm "für die Hunde" deutlich bedachter vorgegangen wird... Sie dürfen jetzt noch Zoo-Sendungen, Paw Patrol und Bob der Baumeister, später gegebenenfalls Rote Rosen. :lol: :rollsmile:

    Welche Seiten denn jetzt schon wieder?

    Welcher Aufriss?

    Es wurde gefragt, wie man zu dem Wort steht, und dann haben halt Leute geschrieben, nutze ich, nutze ich nicht, hat für mich diese oder jene Konnotation usw.

    Ich habe den Thread hier gestartet, weil es mich gestört hat, dass in anderen Threads jedesmal wenn jemand das Wort "adoptieren" benutzt hat, mindestens drei Kommentare kamen, warum man Hunde kauft und immer der mehr oder minder unterschwellige Vorwurf der Vermenschlichung und einer gewissen Geisteshaltung (Hunde nur aus dem Tierschutz/alle Züchter sind böse). Mag auf manche zutreffen, nicht auf alle.

    Eingangs hatte ich ja bereits darauf hingewiesen, dass ich das ähnlich empfinde wie "Veganer/Vegetarier". Daher danke für diesen Thread!

    Mit 11 Jahren wurde ich Vegetarier. Weil ICH das wollte. Nicht, weil ich ein wahnsinniges Aufklärungsbedürfnis gehabt hätte und alle anderen bekehren wollte. Das war lange Zeit, bevor das Wort "Vegetarier" überhaupt jedem ein Begriff war. Jetzt ist es schick, modern und gesund, pflanzlich basiert zu essen - ich wurde zum Arzt geschliffen, damit der mir erklären soll, dass das ganz furchtbar schrecklich schlimm ist und mich töten wird. Mir wurde sofort unterstellt, ich will jetzt alle anderen bekehren und halte mich für was Besseres. Jedes Mal. Bilde ich mir jetzt ein, ich bewege damit irgendwas? Dürfen die anderen jetzt kein Fleisch mehr in meiner Gegenwart? Blablabla


    Bei dem Thema Adopt, don't shop geht es mir ähnlich. Ich bin also auch "eine von denen" (weil ich adoptieren sage oder meine Tiere als Familienmitglieder bezeichne). Und bestimmt bin ich gegen Züchter. Oder(!) kann mir einfach keinen vom Züchter leisten. Klar, kann mir keine vom Züchter leisten aber das Geld und die Zeit für das Aufpäppeln (sowohl physisch als auch psychisch) von den Wegwerf-Tieren mit 93.000 Baustellen hab ich. Ergibt keinen Sinn. Damit wird man jedoch konfrontiert und das immer wieder.

    Obwohl man definitiv nicht jedem zum Tier aus dem TS rät oder vom Züchter oder überhaupt zu einem Tier. Das Endergebnis hat man nämlich selbst oft genug erlebt und da viel Kraft, Zeit und Geld reingesteckt.


    Betonung auf das "ich", also du.

    Denn ein Großteil der Leute da draußen muss bei dem Wort Stuhl erstmal nachdenken wenn es im Kontext um Scheiße geht. Kot hingegen wissen fast alle.

    Nein, wenn du Korpuslinguistik bemühst, ist das Bild eindeutig "Kot = Tier" "Stuhl(gang) gleich Mensch"

    Oh nein, straalsi! Das heißt doch glaub ich "Klauen", deshalb haben die auch keinen Equidenpass - oder? Weil Equiden sind doch Hufe!

    :fear: Ich meinte die Dinger, auf denen sie stehen :tropf:  xD Maaaann, Momo, das wäre bestimmt keinem aufgefallen :see_no_evil_monkey: (außer allen)

    Nochmal einfach zu der im Volksmund gängigen Unterscheidung Kot - Stuhl. Es gibt haufenweise Leute, die kennen Losung, Guano etc. nicht. Vielleicht noch Köttel beim Kaninchen, Kuhfladen und Pferdeapfel. Weil das Fachausdrücke sind. Diese Fachausdrücke sind häufig deskriptiv und haben einen Sinn: das Beschreiben und Unterscheiden (zu anderen Hinterlassenschaften). Unterscheide ich aber Kot (alle Tiere) und Stuhl (nur der Mensch) ist das sprachlich und in der Auswirkung psychologisch betrachtet etwas anderes.

    Aber, wird zu komplex.

    Sprache hat nun einmal einen Einfluss darauf, wie etwas wahrgenommen wird. Und wie etwas wahrgenommen wird, hat Einfluss auf die Sprache. Das heißt nicht, dass jemand superduper informiert ist, nur, weil er "adoptiert" statt "kauft" und sich über die Verantwortung im Klaren ist oder ein besserer Hundehalter, weil er sich selbst als "Hundemutti" oder "Hundevati" bezeichnet.

    Die jeweiligen Begriffe können aber durchaus zum Nachdenken anregen. Und nee, adopt, don't shop wird das zugrundeliegende Problem genauso wenig lösen wie das Gendern der Sprache plötzlich den Sexismus hat verpuffen lassen. Eine Diskussion hat es aber angeregt. Einige nehmen daraus etwas mit. Andere haben daraus verschiedene Perspektiven kennengelernt. Der Austausch ist da. Find ich gut.

    Die Anzeige ist schon weg. War das das Foto mit Mensch sitzt hinter Welpen und hält die Ohrenspitze mit zwei Fingen nach oben? (Iserlohn)

    Ich denke aber das sich viele Vokabeln deshalb so ergeben haben, weil Menschen die über ihre Hinterlassenschaften sprechen peinlich berührt sind man also Umschreibungen brauchte. Nicht um menschlichen Kot von tierischem zu unterscheiden.

    Außerdem sind wir eben die einzigen die sich seit einigen Generationen auf einen Stuhl setzen um sich Erleichterung zu verschaffen. Da bietet sich "Stuhlgang" als Wort für eine nette Umschreibung halt auch an. Bei einem Hund würde das schon gar keinen Sinn mehr machen.

    Ich finde es jetzt auch kein Zeichen von Abwertung, dass ich für einen Hund anderes Vokabular verwende als für einen Menschen. Für einen Eisvogel verwende ich ja auch anderes Vokabular als für ein Wildschwein oder für eine Waldameise. Das liegt einfach daran, dass die meisten Menschen gerne kategorisieren, denke ich.

    Ausscheidung aus dem Darm ist aber Ausscheidung aus dem Darm. Da gibt es keine grundlegenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Spezies, der eine andere Bezeichnung rechtfertigt - außer, und das war mein Punkt, der eigene Eitel. Der Mensch ist was besseres, der braucht ein anderes Vokabular.

    Für einen Eisvogel anders als für ein Wildschwein - ja, klar, Wildschweine haben für gewöhnlich keine Flügel und keinen Schnabel, dafür aber Hufe. Das ist deskriptiv, beschreibend.

    Es zeigt sich auch ansonsten aber in der Sprache, dass Tiere bzw. auf Tiere bezogene Begriffe häufig beleidigend und abwertend eingesetzt werden. Das wandelt sich. Wie alles in der Sprache. Aber eben allmählich. Wie schon immer. Dennoch ist der Grundgedanke eine klare, wertende Differenzierung.

    Dumme Kuh, blöde Sau, bitch, Zicke, Schaf, dog, falsche Schlange, Bärendienst, fressen, saufen... Das ist so in der Sprache integriert, das es kaum auffällt bzw. als gegeben hingenommen wird. Aber die Konnotation ist vollkommen klar und häufig nicht positiv.

    Thema Geburt: Ist bei Tieren keine Geburt. Das ist hecken, werfen, fohlen etc. Exakt gleicher Vorgang wie beim Menschen. Warum also anderer Begriff?

    Bei der Adoption ist das für mich persönlich ganz genauso. Hab ich nicht auf die Welt gebracht. Aber ich habe ein Lebewesen in mein Leben aufgenommen (adoptiert), für das ich rundum verantwortlich bin. Ob ich das auf dem Müll gefunden, dafür 5 oder 2.500 Euro bezahlt, aus dem TS oder vom Züchter habe ist langfristig für dieses Individuum vollkommen egal. Langfristig zählt, dass ich mich darum kümmere.

    Für mich ist das vor allem ein "Problem", das in der Sprache und deren Wandlung sowie dem Zusammenspiel mit Konnotation besteht.

    Im nicht näher begrenzten Früher waren Tiere (und das sind sie auch heute noch) Objekte, Ware, Besitz oder aber Lebewesen geringeren Grades. Also wird entsprechend abwertend über sie gesprochen.

    Zeigt sich auch darin, dass ich nach wie vor korrigiert werde, wenn ich Begriffe wie Essen und Trinken statt Fressen/Futter und Saufen verwende. Es muss halt für manche ganz klar unterschieden werden, ansonsten "vermenschlicht" man die Tiere oder hebt sie auf ein Level, auf das sie nicht gehören.

    Ein Großteil dieses Vokabulars stammt aus eben einer Zeit, als Tiere eine Sache waren. "Gebäude" z.B. - das ist ein Objekt. Ebenso könnte ja Körperbau oder Bewegungsapparat gesagt werden und damit anerkannt, dass es sich um ein Lebewesen handelt.

    Das zieht sich durch unheimlich viele Bereiche. Bei Menschen ist es eine Autopsie, bei Tieren eine Nekropsie. Warum diese Unterscheidung? Bei Tieren ist es Kot, bei Menschen Stuhl. Beides ist Kacke - ein Stoffwechselendprodukt. Aber sogar dabei wird eine ganz klare Linie gezogen, um das zu distanzieren. Für mich ergibt das keinen Sinn.

    Ich mag es auch nicht, wenn jemand sagt "Deine Hunde sind dein Hobby". Nein, sind sie nicht. Sie sind Familienmitglieder, mit denen ich gemeinsame Hobbies habe. Die sind kein Puzzle, das ich mal mache, wenn ich Lust darauf habe. Oder ein Instrument, das ich in die Ecke stellen kann, wenn ich gerade keine Zeit habe.

    Adopt, don't shop macht für mich auf vielen verschiedenen Wegen Sinn. Als Ursprung, um darauf hinzuweisen, dass auch in den Sheltern/Heimen viele Tiere sitzen (und in einem Heim adoptiert man nun mal - ebenso wie bei Kindern). Um von Shops Abstand zu nehmen, in denen man shoppt/kauft. Beides kann absolut unüberlegt sein. Keine Frage.

    Aber der Ursprung ist nun einmal: Viele unüberlegte Käufe, die dann zu einem großen Teil im Shelter landen und dort eingeschläfert werden, weil der Platz nicht reicht, während "Züchter" (Puppymills) lustig nachproduzieren unter extrem widrigen Umständen für die Tiere und sich dabei ne goldene Nase verdienen. Es war und ist ein Versuch, Leid und Tod zu vermeiden.

    Wird es die absolute Lösung sein? Vermutlich nicht. Aber ein bisschen Bewusstsein hat es doch geweckt.