Ich finde sowohl VK als auch und vor allem unangekündigte NK sinnvoll. Da gibt es mit Sicherheit Optimierungsmöglichkeiten und vielleicht gäbe es eine bessere Möglichkeit aber ich finde die Kontrollen aus mehreren Punkten gut.
1. Sie sieben aus: Ob der potentielle Halter keine Kontrolle will, weil er das als Eingriff empfindet, schlechte Erfahrungen damit gemacht hat oder was verbergen will
keine Ahnung und mir tatsächlich auch ein wenig egal. Wenn die Kontrollen dazu gehören und sie abgelehnt werden, wird schon mal ausgesiebt.
2. Es gibt ein runderes Bild und lässt manches auffliegen: Hey, Bewerber können bei mir im Wohnzimmer sitzen und mir das Blaue vom Himmel runterlügen. Manche machen das richtig, richtig gut. Superfreundliche Gegend, total tolle Wohnung, Garten vor der Tür etc. Natürlich können diese dann mal eben für einen Tag ein Haus leihen, wenn es ne VK gibt. Bei uangemeldeter NK fliegt sowas auf. Sowas fliegt auch auf, wenn ich mal im Einwohnermeldeamt die gemeldete Adresse überprüfe oder mir schlicht und einfach einen Perso zeigen lasse. Und ja, soweit bin ich schon gegangen.
Aber selbst bei wirklich tollen neuen Haltern - das Bild wird runder. Manche sind total begeistert, wenn sie zeigen können, was sie schon für das Tier vorbereitet haben. Oder bei einer NK sieht man direkt, dass das Tier den 6er im Halterlotto gewonnen hat - nicht, weil alles blitzeblank ist und alles so hübsch ordentlich und mit Designer-Tiermöbeln bestückt. Sondern, weil man sieht, wie der Mensch mit dem Tier umgeht, wie sich vielleicht auch die Wohnung geändert hat und auf das Tier angepasst wurde usw.
Andererseits kann eben auch auffallen, dass das Tier mit angeblich stetigem Gartenzugang, das in jedes Zimmer darf, auf einem Flur haust, gestresst ist, vernachlässigt wirkt und keine Bindung zu den Menschen hat.
3. Man kann nochmal Ratschläge geben: Ich hab da noch dieses wirklich niedliche Beispiel im Kopf - das neue Tierchen fing an, den Lieblingssessel zu zerlegen. Das neue Halterchen hing wahnsinnig an diesem Sessel, traute sich aber nicht, der Fellnase auch mal "nein" zu sagen - weil die Fellnase ne bescheidene Vergangenheit hatte und es war doch jetzt auch sein Zuhause und überhaupt. Da kann ich nochmal helfen und vermitteln, sodass es für beide Seiten noch ne Ecke besser passt.
Natürlich hängt das auch davon ab, wie dabei vorgegangen wird und das gewisse Grenzen respektiert werden. Ich muss nicht jedes Zimmer sehen und ich würde den Teufel tun und einfach ohne zu fragen irgendwo reinspazieren. Aber auch aus der Bereitschaft, mir etwas zu zeigen lässt sich gelegentlich was ablesen.
Nur so zum Beispiel: Paar, kinderlos (das war wichtig, weil das Tier nicht gut auf kleine Kinder reagierte), die wären bei mir im Wohnzimmer mit wehenden Fahnen durchgekommen. Bei der Vorkontrolle: Super Wohnung, gemütlich, ruhige Lage - alles schön und tiersicher. Wäre da nicht hier und da ein Kinderspielzeug gewesen. Kinderbücher im Regal, und die Aufkleber auf der einen Zimmertür. Das Paar hatte ihr Kind verheimlicht, weil es unbedingt diesen Vierbeiner haben wollte, der ausdrücklich nicht mit kleinen Kindern klar kam.
Natürlich meinten auch die nachdem es aufflog "wir hätten das schon hinbekommen, wir hätten schon aufgepasst, wir hätten schon für Sicherheit gesorgt, wir wissen am besten, ob wir die Verantwortung übernehmen können".
Nope. Sowas mach ich nicht mit. Ich will nicht in ein paar Wochen oder Monaten lesen: "Kind lebenslang durch Hund entstellt - Hund nachweislich kinderunverträglich. Warum, oh warum wurde der denn an diese armen unschuldigen Menschen vermittelt???".
Ich hab genug Lügen, schauspielerische Meisterleistungen und vollkommene Selbstüberschätzung erlebt, um mittlerweile auf dem Stand zu sein: Vertrauen und Bauchgefühl sind Klasse. Kontrollen sind trotzdem besser.