Beiträge von straalster

    Ich musste so viel Geld haben, weil mein Hund die Variante "Welche Krankheit hatte ich eigentlich noch nicht? Ach ja, dann nehm ich die mal noch mit" war.

    Drei Jobs waren bei mir Usus. Wenn es ging auch mehr.

    Schlaf bestand aus drei bis vier Stunden plus Wegnicken in Bus und Straßenbahn.

    Meine Schilderung war lediglich so gemeint, dass ich unheimlich viel Geld verdienen und aufwenden musste und in vielerlei Hinsicht eingeschränkt war. Während andere gemault haben, weil sie vielleicht länger auf die neue Hose sparen müssen, hatte ich Sorgen, wie ich die nächste Tierarztrechnung bezahle.

    Und beim Tierarzt stehen und sagen: "Nee, die Behandlung kann ich mir nicht leisten" - war bei mir nie eine Option.

    Ich wusste aber auch, worauf ich mich potenziell einlasse und hatte da keine blumige Vorstellung.

    Schon ein gesunder, braver, wenig Aufwand, bleibt bei jedem problemlos Hund bringt Einschränkungen mit sich. Das ist einfach so bei Lebewesen. Aber das Bewusstsein dafür fehlt eben, wenn man das noch nie selbst erlebt hat. Sei es die finanzielle Belastung, der zusätzliche Aufwand oder einfach die Verpflichtung und die Verantwortung. Oder das Drumherum planen.

    Das geht alles. Wenn man denn will und die passenden Voraussetzungen geschaffen hat. Die sehe ich in diesem Fall aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

    Ganz ehrlich wenn es nur ums Anstoßen geht und ne Kleinigkeit gegessen wird geht ja auch im Zweifel ein Sekt (mit O) - selbst bei mir als halbe Person die kein Alk gewöhnt ist.

    Dazu wollte ich was sagen: ich finde sowas immer schwierig, vielleicht ist jemand schwanger, chronisch krank, trockener Alkoholiker… und mags nicht sagen. Deshalb flnde ich, man sollte ne Alternative parat haben. Und wenns nur schnöde O-Saft ist.

    Ein mittlerweile verstorbener Bekannter war trocken und hat alkoholfreien Sekt, Wein und alkoholfreies Bier strikt abgelehnt - weil allein der Geschmack ihn getriggert hat.

    Leute haben immer gut gemeint extra für ihn die "guten" (geschmacklich nah am Original) Produkte besorgt, damit er mit anstoßen/-trinken kann. War bei ihm aber eben kontraproduktiv. Er war besser mit Ginger Ale beraten.

    Auch wenn der Frust jetzt groß ist, Quito , versuche, die positiven Seiten ebenfalls zu sehen.

    Ich bin mit Tieren aufgewachsen, Immer von ihnen umgeben und sehr sehr früh selbst verantwortlich für sie gewesen.

    Andere sind kurz vor der Schule/Uni aufgestanden, ging bei mir nicht. Am Wochenende ausschlafen? Nee, im nächsten Leben vielleicht. Denn den Hunden ist es egal, ob Samstag oder Sonntag ist.

    Mal eben spontan wegfahren, wie alle anderen auch? Geht nicht, ich brauche davor Zeit, um die Tierbetreuung zu organisieren. Finde ich keine, hab ich Pech gehabt.

    Spontan mit Freunden treffen, fiel sehr oft aus, weil Hund krank.

    Party bis sonstwann? Geht nicht, muss immer die Tiere im Hinterkopf haben.

    Hätte ich das Geld, das ich allein für meinen ersten offiziell eigenen Hund beim Tierarzt gelassen habe, für mich ausgegeben - ich hätte schon im Studium ein richtig hübsches Auto gehabt, eine größere Wohnung und hätte locker zwei-, dreimal im Jahr Urlaub machen können.

    Und ich war daran gewöhnt, solange ich denken kann. Du weißt noch gar nicht, wie Alltag mit Hund überhaupt ist und wie anstrengend du das empfindest. Geschweige denn, was es für dich für eine Umstellung wird, wenn das Studium losgeht.

    Also genieß erstmal deine Freiheit und, dass du spontan sein kannst - zu einer Zeit in deinem Leben, wo du haufenweise neue Menschen kennenlernst, eine Feier die nächste jagt und sich vielleicht auch noch das eine oder andere Hobby findet, das nicht ganz so hundekompatibel ist.

    Zu den "ich hab viele Freunde, die den Hund auf jeden Fall nehmen" - hmhm. Die hat jeder, bevor er einen Hund hat. Die hat auch noch jeder, wenn es ein kleiner putziger Welpe ist. Seltsamer Weise hat man die ganz oft nicht mehr, wenn man wirklich mal jemanden zum Aufpassen bräuchte - da haben die immer alle schon was vor.

    Aber vielleicht kannst du dieser Freund sein, bis zu einen eigenen Hund hast. Hundesitter, auch, wenn es dir vielleicht gerade nicht so richtig in den Zeitplan passt. Dabei könntest du praktische Erfahrungen sammeln.

    Quito

    Vieles wurde ja schon gesagt. Was ich dir noch vorschlagen würde: einen Perspektivwechsel.

    Du bist der Züchter. Warst von der ersten Sekunde an dabei. Du hängst an den Tieren, willst nur das Beste für sie. Hattest durchwachte Nächte, Sorgen und Angst, hast sie gepflegt.

    Jetzt geht es an die Vermittlung. Jemand stellt sich bei dir vor und bringt mit:

    - keine Erfahrung mit Hunden in eigener Verantwortung (Ersthundehalter)

    - keine Erfahrung mit irgendeinem Tier in eigener, voller Verantwortung

    - keine Ahnung, wo und was genau studiert werden soll, geschweige denn, wie der Alltag im Studium aussieht

    - noch nie alleine gelebt (also auch noch nie vollständig Verantwortung für sich selbst übernommen)

    - noch keine Ahnung wo und wie die künftige Wohnstätte aussieht

    - kein eigenes Einkommen

    - etwas Erspartes, das für Secondhand reicht und eventuell für 500 Euro TA-Kosten pro Jahr

    - das "Versprechen", dass sich ganz viele andere im Fall der Fälle um den Hund kümmern würden, wenn xy... obwohl noch nicht einmal klar ist, wie weit dieses vermeintlich existente Netz vom künftigen Wohnort entfernt ist. (Stichworte Fahrtzeit, Fahrtkosten, überhaupt Option, den Hund dort hinzubringen und betreuen zu lassen)

    Würdest du den Hund mit gutem Gewissen mitgeben?