Hallo nochmal Caro1993
ich würde das nicht als "kampfloses Aufgeben" sehen. Du kümmerst dich doch. Nur, wenn es nicht klappt, musst du das eben auch eingestehen und die richtige Wahl für euch beide treffen.
Und jetzt das Konkrete:
Meine Hunde - würden viele andere so empfinden oder bezeichnen - tanzen mir auf der Nase herum. Sie haben kaum Regeln. Liegen auf dem Bücherregal, dürfen auf Couch, ins Bett und gelegentlich sitzt auch einer auf dem Tisch oder liegt auf dem Wäscheständer
Komplette Anarchie hier.
ABER, die Regeln, die ich habe und die Grenzen, die ich ziehe, werden eingehalten. Bei allem, was gefährlich ist, verstehe ich keinen Spaß mehr. Daher dürfen sie meinetwegen gerne auf dem Fensterbrett liegen, aber an Waschmaschine und Backofen haben sie absolut nichts zu suchen. Versucht es doch einer, weil beispielsweise gerade Plüschtiere gewaschen werden oder der Braten im Ofen so gut duftet, NEIN! AB!!! Hund in den Rückwärtsgang bewegen. Ich kann ihnen nicht erklären, dass das gefährlich ist und warum das gefährlich ist. Aber sollte ich es deswegen durchgehen lassen? Die Hunde müssen meine Gründe dafür nicht verstehen. Aber diese Grenze einhalten.
Ebenso beim Aufnehmen von Sachen draußen. Da darf nur aufgenommen werde, was direkt aus meiner Hand kommt. Nicht von Fremden die Leckerlie, nicht der Kot von anderen, keine toten Tiere, Müll etc. Einfach absolut nichts, was nicht direkt von mir gegeben wird. Ich kann auch hier meinen Hunden nicht erklären, warum sie beispielsweise die Leckerlie von dem netten älteren Herren nicht nehmen dürfen, der sie ihnen gerade vor die Nase geworfen hat. Oder das Stück Wiener, das dem Kleinkind gerade runtergefallen ist.
Aber, sie haben sich daran zu halten. Wenn einer auf das Pfui oder Lass es nicht reagiert, werde ich dabei durchaus "fies" und hol es mit der Hand wieder aus dem Maul raus. Natürlich finden sie die Regel blöd. Aber soll ich deswegen das Aufnehmen von Giftködern oder Glassplittern und Co. riskieren?
Bei kleinen Kindern würde ich das auch nicht anders halten. Sie verstehen noch nicht, dass der Herd heiß ist z.B. Deswegen lass ich aber nicht zu, dass sie sich verbrennen, auf die Straße rennen oder mit Messern spielen.
Worauf ich damit hinaus will: DU musst dir erst einmal darüber klar werden, was du als Grenze ziehen willst und warum. Damit geht auch das schlechte Gewissen weg. Denn dann wird dir bewusst, dass du dem Hund damit nicht weh tust. Im Gegenteil.
Genau das ist die Basis für alles. So als Starthilfe: Das darf der Hund nicht weil...es ihn stresst/ es gefährlich ist/ es die Nachbarn nervt. Und mit diesem "Ich mach das für Dixie, damit es ihr gut geht!"-Gefühl kommst du dabei auch mehr zur Ruhe und zum resoluten Auftreten.
An deiner Stelle würde ich zuerst die Regel einführen, dass dein Hund nicht immer hinterherläuft. Stresst euch beide. Darauf könntest du später auch das Alleinbleiben aufbauen.
Das heißt, steh auf, klares NEIN! oder AB! zum Hund, wenn er hinterherläuft. Zurückschicken. Mitlaufen in der Wohnung ist nicht mehr okay. Das wirst du mit Sicherheit gefühlte 132Millionen mal wiederholen müssen, weil das Verhalten ja mittlerweile eingeschliffen ist. Aber bleib dran.
Ich weiß natürlich nicht, was dein Hund braucht - eher eine laute und scharfe Ansage oder ob bereits ein weiches "Ist okay, bleib hier" reicht. Wichtig ist, dass du es durchsetzt. Kontinuierlich und konsequent. Und notfalls auch direkt auf sie zugehst und sie zurückdrängst. Bis dein Hund begriffen hat (und das ist durchaus eine Art der Erklärung), dass er vollkommen entspannt liegen bleiben kann. Du schaffst es jetzt ganz alleine, dich unfallfrei in der Wohnung zu bewegen
Das wird ein anstrengender und langer Weg vermutlich. Wäre aber bei mir (ich war Pflegestelle für angstaggressive Tiere) der wichtigste Grundstein. Das Fundament sozusagen. Dann kann alles andere kommen.
Netter Nebeneffekt ist auch, dass du durch diese Konsequenz bei dieser einen einzigen Sache zeigst, dass du verlässlich bist. Einmal durchgehen lassen und dann wieder nicht - ist nicht mehr. Denn die Regel gibt es zur Sicherheit für deinen Hund. Und darauf kann sie sich verlassen - somit auch auf dich. Und ich würde darauf wetten, dass die Pinkelfrequenz im Anschluss abnimmt. (da könnte ich dir aber auch ein Mittel empfehlen, wenn du magst)