PN schreiben geht grad irgendwie nicht - also antworte ich dir doch hier.
Ich hab seit fast 20 jahren mit psychischen Problemen zu tun. Depressionen, Burn-Out mit Mitte 20, vermutete Bipolare Störung.
Ich bin also alles andere als stabil, was meine Stimmungen angeht und schwanke zwischen den Extremen.
Ich bin seit Jahren nicht mehr in Behandlung, nehme keine Medikamente. Gehe Vollzeit arbeiten (Schicht) & lebe allein mit Hund.
Ich hab einen Beaglerüden, den ich ziemlich spontan vor 7 Jahren aufnahm. Er sollte 5 jährig ins TH und verlor schon zum 2ten mal sein Heim.
Ein Hund war immer mein Wunsch - zu dem Zeitpunkt war es aber nicht geplant und eigentlich auch ziemlich ungünstig. Egal, irgendwas an Lupo sagte mir, dass wir uns gut tun werden - und so war es auch. Ich sag immer " Wir haben uns gefunden, als wir beide dringend einen Halt brauchten - und haben uns gegenseitig gerettet.
Durch ihn hatte ich eine Aufgabe, die mich erfreut - nicht erledigt werden muss, wie Arbeit. Er bringt mich raus ( viel Grün, Bewegung & Frischluft sind gut für die Seele) er bringt mich oft zum lachen wenn´s sonst keiner mehr schafft.
Er ist ein Sensibelchen, meine Stimmung vor ihm zu verbergen ist aussichtslos. Er merkt schon wenn ich zur Tür reinkomme, was Sache ist. Koche ich innerlich, sagt er mir kurz "Hallo" und legt sich dann wieder hin. Er kommt dann nicht an um zu kuscheln, zu spielen oder was fressbares abzustauben. Er wartet, bis ich auf ihn zukomme (obwohl ich ihm nie was getan hab!)
Wenn ich betrübt bin, versucht er mich durch Kasperei da raus zu holen und macht Unsinn - das funktioniert glücklicherweise auch meist- zumindest vorübergehend.
Meine Hochphasen findet er toll (ich auch). Dann hab ich übertrieben gute Laune & bin voller Energie, mache noch mehr als sonst schon mit ihm, schaffe alles. Nur ändert sich das leider manchmal innerhalb von Stunden..
Für Phasen wo es mir richtig mies geht, hab ich zum Glück meinen Sitter. Er betreut Lupo sehr gut und übernimmt dann auch mal die großen Runden- oder nimmt ihn paar Stunden mit zu sich. Dann kann ich mir selbst die Leine locker lassen und meine Stimmungen leben.
Gehts mir nicht gut, meide ich gut besuchte Gassistrecken. Ich hab dann einfach keine Lust auf menschliche Wesen, sie gehen mir alle auf den Sack, egal was sie tun.
Wir gehen dann schön abseits, Lupo läuft vor sich hin, ich muss
eigentlich gar nichts sagen/machen. Er verlangt dann auch kein Programm oder hängt ständig an mir, was er tut wenn ich normal/gut gestimmt bin.
Ich habe von Anfang an darauf geachtet, dass ich ihm kein regelmäßiges Programm angewöhne. Tage mit viel Action wechseln sich mit Gammeltagen ab. Er nimmt es wie es kommt und ist voll dabei - egal ob Wandertour oder Couching.
Lupo ist so ein bisschen meine Konstante, mein immer lieber
bester Freund, dem es egal ist, dass ich nicht ganz normal ticke.
Er zwingt mich, weiterzumachen und für ihn berappel ich mich immer wieder gern. Ich hab durch ihn täglich etwas, was mir Freude bringt und mich ablenkt von meinem Kopfterror. Ich sag gern :" Er nimmt die schwarze Decke über mir weg und zerfetzt sie, damit es hell wird" .
Worüber ich mir oft Gedanken mache ist, was passiert wenn Lupo geht.. Das wird eine sehr belastende, wenn nicht gar gefährliche Situation für mich. Da mich der Gedanke daran schon heut sofort zum Heulen bringt, muss ich versuchen ihn zu verdrängen. Ob dann ein neuer Hund einzieht, wird sich zeigen.
So ein Goldstück werde ich so schnell nicht wieder finden.