Beiträge von Lagurus

    Er kann meine Handlung abbrechen, indem er den Kopf vom Hocker nimmt

    Du hast ja auch öfter erst geklickt, als er den Kopf schon hoch gehoben hat, um zu belohnen, dass er die Berührung aushält. Woher weiß er, wann er mit Kopf hoch heben abbrechen kann und wann nicht?

    Ich übe mit Betty auch gerade viel Medical Training. Ich nutze dafür eine spezielle Matte. Die nehme ich auch auf Spaziergänge mit, breite sie draußen einfach auf den Boden aus, übe 2 Minuten und Pack sie wieder weg. Auch auf dem Küchentisch oder mal auf der Waschmaschine, wir üben hier auch viele verschiedene Orte.

    Luigi hasst es hoch gehoben zu werden, wir üben auch gerade separat das hoch heben. Aber nicht im Kontext mit dem Medical Training auf dem Tisch. Ich frage ihn, ob ich ihn hoch heben darf, wenn ja, dann hebe ich, wenn er nicht möchte, lasse ich ihn. Er hat auch da Mitspracherecht. Um trotzdem etwas erhöht zu üben, lasse ich ihn auf einen Stuhl springen und übe da. Oder auf meinen Grooming Tisch, den ich hoch und runter fahren kann, das ist praktisch.

    Du sagst niemals nein?

    Respekt

    Völlige Harmonie

    Nein keine völlige Harmonie, aber kein aversives Abbruchsignal, falls du das mit "Nein" meinst. Ich biete Alternativen, manage und sage dem Hund, was er statt dessen tun soll. Ich hatte bei meinen Hunden noch nie das Gefühl, dass ich ein aversives Abbruchsignal für irgendwas bräuchte. Ich fand die Aussage schon hart, dass ein Abbruchsignal das wichtigste in der Erziehung eines Hundes sei. Kann man ja nutzen, wenn man es für sinnvoll hält, aber wenn es das wichtigste ist, finde ich das bedenklich.

    Ich würde das auch voneinander trennen. Lass ihn doch auf den Tisch springen oder übe erstmal am Boden. Da sind so wahnsinnig viele Konflikte mit drin, das erschwert euch alles irgendwie nur. Er ist ja richtig erleichtert, wenn das Training endlich vorbei ist und er weg kann. Er ist so nett und macht trotz der ganzen Konflikte und negativen Emotionen brav mit, Border halt. Meine Hunde hätten da schon längst dicht gemacht und würden gar nichts mehr machen und kein Futter mehr nehmen. Er weiß nicht, dass er ein Mitspracherecht hat. Wenn er Mitspracherecht hätte, würde er gehen. Er weiß aber, dass er nicht gehen darf.

    Inwiefern sieht denn sein Mitspracherecht aus? Den Hocker nutzt du ja nur als "Startsignal", aber wie du sagst ist Kopf hoch heben für dich kein Stopsignal?

    Das Abbruchsignal ist das wichtigste in der ganzen Hundeerziehung

    Ich komme bei meinen Hunden gänzlich ohne Abbruchkommando aus.

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    Luigi macht das momentan echt toll, wir üben momentan auch wieder intensiv ein Umdreh-Kommando. Letztens kam uns ein Cane Corso auf engem Weg entgegen, beide Hunde blieben stehen und starren sich an. Ich geb mein Umdreh-Signal, Luigi dreht um und geht in die nächste Einfahrt und wartet auf meine Unterstützung :smiling_face_with_hearts: Wir konnten Cane Corso mit CfB super passieren lassen, obwohl der noch mal direkt vor uns stehen blieb und na der Laterne schnüffelte.

    Meine hat auch so diverse Probleme sich Belohnen zu lassen-aber "Tricks" insbesondere "Pfote" und "Dreh dich" als Belohnung funktionieren gut. Ich habe mir das so erklärt, dass solche "unnötigen" Sachen oft in entspannter Situation wiederholt werden, man freut sich danach sehr, evtl. auch andere Menschen die dabei sind und der Hund bekommt seine "Party". Stressfrei, ohne Druck, ohne Fehlermöglichkeit. Dann könnte ja dieser Trick durchaus irgendwann ein sehr gutes Gefühl beim Hund auslösen, dass dann als Belohnung wirkt. Ich habe mit der Zeit diese Tricks zusätzlich mit einem Markerwort belegt, zwischen Trick und Party bzw. beim ausführen des Tricks (und mir große Mühe gegeben die tolle "Trick-Stimmung" trotzdem beizubehalten. Inzwischen reagiert sie auch auf dieses Markerwort als Belohnung ohne Trick (und findet auch den Keks dazu vielleicht ein bischen gut).

    Nennt man Premack-Prinzip, man kann mit einem Verhalten, was der Hund gerne zeigt, ein anderes Verhalten, was der Hund weniger gerne zeigt, verstärken. Ich nutze solche gut aufgebauten Tricks auch gerne als Türöffner um den Hund wieder empfänglicher für Belohnung zu machen.

    Ich hab noch eine (multifunktionale?) Frage!

    Glaubt ihr wirklich, dass es für den Hund Belohnung sein kann, sich vom Stressauslöser zu entfernen? Ich bin mir da unsicher. Also, dass das als Bestätigung funktionieren kann.

    Um es genau zu formulieren: Es ist ein Verstärker, aber keine Belohnung. Negative Verstärkung. Es kann Verhalten aber genauso verstärken wie Belohnung. Belohnung wirkt positiv verstärkend.

    Ich hab mir mal das Webinare "Lernen mit schwer motivierbaren Hunden" von Ute Blascke Berthold gekauft, das fand ich wirklich super. Man kann jeden Hund motivieren, belohnen und verstärken, man muss nur rausfinden wie und bei manchen ist es eben echt deutlich schwerer.

    Luigi war ja nun auch so ein Kandidat, dem Essen, Spielzeug, Lob und sowas draußen ziemlich "egal" waren. Genau genommen ist es nicht egal, das Erregungs- und Stresslevel war einfach so hoch, dass seine Bedürfnisse woanders lagen und nicht bei Essen und Spielen.

    Nach über 2 Jahren sind wir auf einem guten Weg, wo er fast immer Futter nehmen kann. Früher bin ich eine zeitlang ohne Leckerlis aus dem Haus gegangen, weil er eh nichts genommen hat. Drinnen hätte ich so gerne Tricktraining mit ihm gemacht, aber auch das war kaum möglich, er spuckte Futter wieder aus und ließ mich stehen und ging weg. Heute macht er super gerne Tricktraining mit und es geht mir das Herz auf, wenn er sich auf die Matte fürs Medical Training drängelt, weil er zuerst dran sein will. Er ist draußen immer noch nicht super entspannt, aber viel viel besser ansprechbar und oft gut belohnbar. Aber ich weiß nicht, ob ich das alles alleine ohne Trainerhilfe hinbekommen hätte. Nur mit "ich les mich durchs DF und kaufe alle Bücher zum Thema Hund" hätte ich es definitiv nicht geschafft, dafür reicht das Schwarmwissen hier nicht aus und Bücher gibt es zu dem Thema keine guten.

    Belohnungen haben wir aber auch erweitert auf Umweltbelohnungen, wie markieren, buddeln, wittern, rennen, ableinen und einfach laufen und sein Ding machen dürfen. Schnüffeln wollte ich auch noch unter Signal stellen irgendwann. Umweltbelohnungen sind nur etwas schwieriger einsetzbar, weil man das Bedürfnis des Hundes erkennen muss. Zusätzlich sind wir bei Futterbelohnungen kreativer geworden. Futter durfte in Papier zerfetzt werden, es wurden Futter-Kegel-Spiele aufgebaut, Lauerspiel mit Futter, etc. Wir haben an den immer selben Stellen beim Gassi gehen, die immer selben Spiele gemacht, um ihn bereits an bestimmten Orten in eine gewisse Erwartungshaltung zu bekommen. Bei den meisten Hunden dauert das wenige Tage, bis eine entsprechende Erwartungshaltung entwickelt wurde. Luigi brauchte über 6 Monate, bis er zielsicher diese Stellen anlief und drauf wartet, dass wir mit unserem Futterspiel oder Training los legen. Aber ich freue mich heute noch jeden Tag drüber, wenn er nicht einfach an den Stellen vorbei latscht, sondern wirklich drauf zu steuert und mich anguckt.

    flying-paws Ich finde es gut, wenn du Videos zeigst, wo nicht alles super läuft, da kann man viel lernen, wenn man drüber spricht und reflektiert. Ich filme ja meine Trainingseinheiten auch immer wieder um sie zu reflektieren und draus zu lernen.

    Im zweiten Video klickst du auch mehrmals, als er bereits den Kopf vom Hocker genommen hat. Ich persönlich würde wohl, was die Pfote angeht, erstmal mehr die Dauer trainieren, anstatt immer mehr von der Pfote anfassen zu wollen. Also die Dauer, die er den Kopf liegen lassen kann, währen deine Hand in der Nähe der Pfote ist. Man hatte das Gefühl, die versucht immer schneller zu werden und hastig die Pfote anzufassen, bevor er den Kopf hebt. Ziel wäre es für mich eher, dass man gar nicht so weit geht, dass er ständig den Kopf hebt und abbricht, sondern mehr im Wohlfühlbereich zu trainieren bzw. den Wohlfühlbereich Stück für Stück zu erweitern. Und immer wieder auch mal leichte Durchgänge einbauen anstatt es immer schwerer werden zu lassen.

    Die reine Einstellung wird bei den meisten nicht die Lösung sein, aber wenn man sich den Druck rausnehmen kann, dann wird es leichter Fortschritte zu machen, wenn das Training passt. Aber ohne entsprechendes Training löst sich das Problem bei den allermeisten nicht von selbst auf. Und man muss auch die auch das große Ganze im Blick behalten. Was muss der Hund im Alltag sonst noch leisten, wieviel Stress hat er im Alltag, gibt es Konflikte im Rudel, kann der Hund evtl. nicht super entspannt alleine bleiben, hat der Hund unentdeckte Schmerzen, wie gut kommt er mit der Umwelt zurecht, und so weiter und so fort. Oft muss man an mehreren Stellen schrauben.