Ich habe auch lange so gedacht, dass mein Job auch nicht meine Erfüllung sein muss, schließlich bringt er ein gutes Gehalt und die Bedingungen sind gut, also kann ich in meiner Freizeit meine Leidenschaften ausleben. Sonst hätte ich es auch keine 13 Jahre in diesem Job ausgehalten und auch noch nebenberuflich studiert. Es gab immer mal Jahre in den ich gezweifelt habe, aber so groß wie jetzt war der Leidensdruck einfach noch nie. Und ich habe noch 35 Jahre Arbeitsleben vor mir und ich will nicht, dass das Ziel meine Rente, die Wochenenden und der Urlaub ist. So stell ich mir mein Leben nicht vor, dafür verbringe ich zu viel Zeit auf Arbeit. Ich weiß auch nicht wirklich, was ich stattdessen machen soll, die meisten wachen nicht morgens auf und wissen welcher Job ihre Erfüllung ist. Aber es macht einen Unterschied, ob man sich aktiv damit beschäftigt, was zu ändern und von tiefsten Herzen davon überzeugt ist was ändern zu wollen, oder eigentlich die Situation lieber hinnimmt, weil es erträglich ist. In zweiterem Zustand wird sich auch nichts ändern (muss es ja auch nicht, wenn man für sich entscheidet, dass die Situation nicht so schlimm ist, dass man dafür Risiken und Einschnitte ein Neuorientierung in Kauf nimmt). Aber es ist eben auch die mentale Einstellung, die dafür sorgen wird, ob sich was ändert oder nicht.
Ich bin mittlerweile auch bereit Einschränkungen im Gehalt hinzunehmen zugunsten eines erfüllteren Berufsleben. Die materiellen Dinge, die ich mir von dem Geld leisten kann, tragen nicht unbedingt zu meinem Lebensglück bei. Aber eine gewisse Sicherheit hab ich trotzdem gerne, Tierarztrechnungen oder eine kaputte Waschmaschine sollten schon noch bezahlbar sein.