Man muss immer bedenken, das wesensstarke stressresistente Hunde eigentlich nicht "der Natur" entsprechen. Das ist das Produkt einer langen Selektionsgeschichte. Je näher der Hund am Wolf ist, desto stressanfälliger, scheuer, und ängstlicher ist er. Unsere Ansprüche an Hunden sind extrem hoch und wir stempeln sie schnell als unnormal und wesensschwach ab, wenn sie in unserer Welt nicht funktionieren. Aber eigentlich sind es die wesensstarken stressresistenten Hunde, die ungewöhnliches leisten.
Beiträge von Lagurus
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Ich habe - ehrlich gesagt - keine Ahnung, empfinde allerdings das Setzen von Chips bei einem so jungen Hund noch als viel zu früh.
Der Hund ist doch 3 Jahre alt, wenn ich richtig gelesen habe, das finde ich nicht "zu früh".
Unbefriedigter Sexualtrieb kann je nach Hund ein riesen Frust- und Stressfaktor sein. Aber ich denke, das wird sicher nicht das einzige Problem bei deinem Hund sein. Mein Hund ist auch ein riesen Stresskeks, der mit der Außenwelt viel überfordert ist. Die Hormone, waren bei ihm nicht die Ursache, aber ein zusätzlicher Stressfaktor in seinem eh schon stressigen Leben.
Er hat erst einen Chip bekommen und wurde später kastriert und wir arbeiten zusätzlich sehr viel ein seiner Stressproblematik. Die Kastration würde ich jeder Zeit wieder machen, denn es hat ihm immerhin einen Stressfaktor genommen. Und jeden Stressfaktor, dem ich ihn nehmen kann, bietet ihm mehr Lebensqualität.
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Ich finde Baumanns Denk- und Vorgehensweise teilweise recht altmodisch. Zumindest aus dem einen damaligen Buch, was ich von ihm hatte. Da war reine Handfütterung und quasi abhängig machen vom Menschen auch ein empfohlenes Mittel. Und da waren eine recht "Dominanz"-lastig und Macht ausübende Ansätze drin. Nun sind die Bücher auch schon ein paar Jahre alt, keine Ahnung, ob sich seine Ansichten verändert haben.
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Sie schnallt nicht, dass ich mehr als zwei Leckerchen werfe
Was macht sie denn dann? Luigi war lange auch nicht so richtig in Faahrt zu bekommen, beim X-Leckerchen Spiel. Ich hab mal meine Körpersprache von den Trainern analysieren lassen und der größte Durchbruch war eigentlich, dass ich viel größere Leckerlies nehmen musste, die so richtig gut sichtbar waren, damit kein Frust durch Suchen entsteht. Führt eben leider nur dazu, dass der hund immer fetter wird

Aber am Umgebungsstress kann ich eigentlich kaum noch was rausnehmen, da ist echt nicht mehr viel Spielraum, der mich nicht enorm stressen würde
Der Stress wird ja vorallem durch Training reduziert, indem der Hund Strategien lernt mit seinen Stressoren umzugehen. Das ist ja oft der größte Stressfaktor für den Hund. Aber euch bleibt ja vermutlich leider nicht mehr so viel Zeit

Erklär mal, wie du das mit den isometrischen Übungen machst. Elsa geht nämlich einfach einen Schritt zur Seite oder weg. Nach vorn hält sie gegen, das scheint sie aber gar nicht gut zu finden. Zum Beispiel kann ich dadurch ad hoc Knurren gegen Fremdhunde auslösen. Ich hab irgendwie nicht das Gefühl, dass sie das mag. Gibt es Hunde, die das nicht mögen?
Es gibt viele Hund die grundsätzlich anfassen erstmal blöd finden und Druck ausüben dann noch mehr. Deswegen baut man Isos ohne Druck auf, nur mit Handauflegen, markern, Leckerlie geben, Hand weg nehmen. Erst wenn der Hund das gut mit macht, geht man zusehr leichtemganz kurzem Druck über. Das übt man natürlich nicht in "Kriegssituationen", das wird schön brav in Ruhe in unstressigen Situationen aufgebaut. Bei Druck auf der Brust bei Fremdhundesichtung, finde ich ihr Verhalten nicht ungewöhnlich, du schränkst sie ein, das löst Angst und/oder Stress aus.
Edit: Oh das mit dem Bandscheibenvorfall klingt echt übel, du Arme

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X-Leckerchen schnallt sie zum Beispiel null. Das hab ich tausend mal probiert. Wir kommen bis "zwei", dann interessiert sie sich leider nicht mehr für mein Spektakel
Was meinst du mit, sie schnallt es nicht? Es ist ja nicht Ziel bis zu irgendeiner Zahl zu zählen. Man kann auch nur bis 1 zählen und dann erstmal 20 Leckerlies durch die Gegend werfen.
Elsa kann "aufstützen" (läuft fast immer, da soll sie mit den Vorderläufen auf irgendwas draufsteigen, das macht sie gern! Aber damit müsste ich ihr bei Hundebegegnungen nicht kommen - kurz danach nutze ich es, um ihren Kopf wieder auf andere Ideen zu bringen und um zu gucken, ob sie wieder halbwegs auf Empfang ist) "schau" (wird immer besser, da kullert dann ein Leckerli oder mehrere und sie darf hinterher, das passiert mal in wild und mal in "plumps") und "Elsa" (okay, das klingt total blöd, aber erst seit ein paar Tagen beginnt sie, mich daraufhin halbwegs zuverlässig anzusehen und sich überhaupt angesprochen zu fühlen. Das ist ein kleines Goal.
Innerhalb der Hundebegegnung würdeich das auch nicht nutzen, da gibts bei mir Click for Blick. Ich würde das eben, so wie du sagts nutzen, um ihre Erregung danach runter zu regeln. Ich würde vielleicht auch das Leckerlie kullern oder weit werfen auch ohne Anforderung trainieren (also ohne angucken). Wir haben hier beispielsweise ein "Kegeln", da werfe ich einfach munter los, aber ich erwarte nicht, dass ich davor angeschaut werde. Dann haben wir einige Übungen, wie "mich anspringen", Handtouch, im Kreis drehen, Pfötchen geben, die ich viel in lustigem Kontext übe und gute Gefühle hervorrufe. Die frage ich dann ab. Und ich arbeite viel mit isometrischen Übungen um Erregnungen vor allem dann zu senken, wenn Übungen und Leckerlies nict mehr möglich sind. Ich gehe eben auch erst weiter, wenn die Erregung wieder halbwegs gesenkt ist. Wenn das gar nicht gehen sollte, wäre der Spaziergang beendet, Anne sagt immer so schön, es macht keinen Sinn mit einem Hund weiter spazieren zu gehen, der nicht mit dem denkenden Teil seines Gehirns arbeiten kann.
Anne sagte letztens mal, das Schilddrüse oft nur eine Sekundärerkrankung ist, die ausgelöst wird, wenn der Hund eben viel Stress hat. Nicht andersrum. Ganz oft normalisieren sich Schilddrüsenwerte wieder, wenn man am Verhalten des Hundes so trainiert, dass sein Stress eben weniger wird. SDU ist quasi oft nur Symptom, aber nicht Ursache.
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Czarek Es macht aber nicht jeder Hund so stressfrei mit. Und je nach Hundetyp kann das Training sehr lange dauern und eventuell trotzdem nie so richtig stressfrei ablaufen. Ich übe das mit Betty nun seit mehreren Jahren, anfänglich mit der Methode, da muss sie jetzt eben mal schnell durch, was alles immer schlimmer gemacht hat und für sie der Horror war. Klar sie wehrt sich nicht stark, ist sie nicht der Typ dafür, aber sie zittert am ganzen Körper und das will ich meinem Hund nicht ständig antun. Dann mit sehr kleinschrittigem Aufbau, wo sie selbst Kontrolle darüber hat, was passiert. Das hat einige Monate gedauert. Sie macht heute freiwillig mir, aber ich kann nie alle Krallen auf einmal schneiden, ohne dass sie aussteigt. Zwingen werde ich sie nicht mehr und mir das Vertrauen wieder kaputt machen. Aber es ist nichts, was eben mal schnell erledigt ist und wird es vermutlich auch nie sein. Und ich habe wirklich viel Zeit und Training da rein gesteckt.
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Wenn man nur alle paar Wochen bis Monate die Krallen kürzen muss, dann wachsen die definitiv nicht wie Unkraut

Bei Betty macht der Boden keinen merkbaren Unterschied. Bei ihr kürze ich alle 2 Wochen.
Bei Luigi macht es ein Unterschied, ob er viel nach Mäusen buddelt. Wenn er oft buddelt, bleiben sie von alleine kurz, ansonsten wachsen sie recht schnell nach.
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Wasserdicht steht in der Beschreibung dabei. Ich weiß nicht was du mit Liverpool meinst.
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Ich finde Hermann auch wunderschön

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Ich habe hier einen Hund, der sehr lange schwer bis gar nicht ansprechbar war und extrem gestresst war draußen. Man muss sich zum einen immer bewusst machen, dass es für einen Hund, der mit seiner Umwelt überfordert ist, ein riesen Konflikt ist, diese aus dem Auge zu lassen. Die Aufmerksamkeit musste ich mir hart erarbeiten. Zum einen habe ich erstmal die Erwartungshaltung abgelegt, dass mein Hund immer ansprechbar sein muss, das war für ihn einfach nicht leistbar. Mit Abbruchsignal habe ich nicht gearbeitet, der Hund hat eh schon Stress, da führe ich nicht noch mehr Stress hinzu, nur damit ich meinen Willen habe.
Ich habe auch viel damit gearbeitet, dass wir Pausen gemacht haben, immer an den selben Stellen und dort die immer gleichen Dinge gemacht haben. Futtersuche, kleine Tricks abgefragt, Umorientierungssignal geübt. Am Anfang nur ganz kurz und nur das, was er leisten konnte. Und ich habe ihm viel Zeit gelassen, ihm erstmal seine Umwelt erkunden zu lassen und gewartet, bis er sich von sich aus zu mir umwendet und das dann belohnt und dann mit meinen kleinen Trainingseinheiten gestartet. Ich hab ihn nie unter Druck gesetzt, dass er jetzt bitte mir sofort Aufmerksamkeit schenken muss. Die Spaziergänge habe ich kurz gehalten, vorallem von der Strecke her. Und ich habe ihm viiiiel Zeit an langer Schleppleine gegeben, wo ich gar nichts von ihm verlangt habe, wo er sich voll und ganz seiner Umwelt zuwenden kann und er Pause von mir hat. Ich musste auch viel austesten, was an Belohnung so wirklich hochwertig ist für in, das war eben nicht die Leberwursttube oder ein Spielzeug.
Von einem Hund, der mich monatelang komplett ignoriert hat draußen, ist er mittlerweile zu einem Hund geworden, der sich in den meisten Fällen umwendet, wenn ich ihn darum bitte und auf Rückruf schnell angeflitzt kommt. Es sei den, die Umwelt ist zu stressend, dann wird es schwierig, oder er ist extrem abgelenkt durch Wild oder ähnlichem. Daran arbeiten wir weiterhin.
Leinenführigkeit habe ich streckenweise nach Ankündigung immer kurz geübt und habe die Übungseinheit auch immer wieder mit Signal beendet. Ich habe da über Belohnung gearbeitet. Immer belohnt, wenn Leine Locker war, Belohnung hinter oder neben mich geworfen. Belohnen würde ich immer dann, wenn der Hund dich gerade nicht anstarrt (das "Problem" habe ich eh nicht mit meinem Hund
).