Ich finde, GRADE ein Hund, der sich im Familienumfeld bewegen soll, wie AnnetteV es beschreibt, braucht Nervenstaerke. Der darf eben nicht gleich hinlangen, wenn einer ihn mal falsch anfasst.
In der perfekten Welt waere das "Familienhundzuechtern" klar. Das grosse Problem bei Zuechtern fuer "Familienhunde" ist fuer mich, dass sie oft nicht begreifen, wie hoch die Anforderungen an die Hunde sind, die sie da vermehren und verkaufen. Da hoert man dann so oft, dass die Elterntiere ja auch ohne Pruefungen soooo tolle Tiere sind. Es werden dann einfach ohne Ahnung von Genetik Hunde verpaart, die aus irgendeinem Grund keine Pruefung schaffen wuerden. Und ja, dann geht das Chaos los, dass man nicht mehr weiss, welche Eigenschaften weitergegeben werden und welche nicht, und schlimmtenfalls ein nervlich instabiler, aber mannscharfer Hund rauskommt.
Wenn ein "Familienhundzuechter" seine Aufgabe wirklich ernst naehme und gezielt fuer die Beduerfnisse des Lebens in einer Familie zuechten wuerde, dann koennte das gar nicht mal so schlecht sein. Wenn ein Zuechter es schafft, gezielt mit hoher Konsistenz nervenstarke, aber nicht sehr triebige Hund zu zuechten, dann ist das doch eine super Leistung. Auch wenn ein Zuechter es schafft, durchgehend nervenstarke Hunde mit unterschiedlichem Trieb zu zuechten, und die weniger triebigen als Familienhunde abgibt, ist das doch gut. Das ist aber eine Riesen-Aufgabe.
Das traurige ist, dass viel zu oft gedacht wird, ein Familienhund sei einfach ein Gebrauchshund mit weniger Trieb. Das resultiert dann oft in instabilen Hunden, die nicht triebig genug sind fuer den Sport, aber auch sonst zu nichts zu gebrauchen.
Ich wuerde da auch nicht mit Rassen wie Weimaraner oder Dobermann anfangen, die eh nicht grade beruehmt sind fuer gute Nerven.
Man sieht allerdings viel zu oft auch in Gebrauchshundezuchten, dass die Hunde nicht wirklich nervenstark sind. Grade bei ein bisschen hibbeligeren Hunden wie Mali und Dobermann (aber nicht nur denen) sieht man in der Sporthundezucht so viele Hunde, die mit Trieb die Nervenschwaeche wett machen. Oft funktioniert das auch - das sind dann oft Hunde, die auf dem Feld erfolgreich sind, super aussehen, und im Schutzdienst wie Haifische an den Aermel gehen, aber im Alltag mit Vorsicht zu geniessen sind. Im recht kontrollierten Umfeld auf dem Feld laesst sich das auch mit Erziehung ganz gut in den Griff bekommen. Oft sieht man in diesen Wuerfen Hunde mit ueberdurchschnittlichem Trieb und unterschiedlicher Nervenstaerke.
Wenn man sagt "ein Hund der Rasse xy muss in erster Linie Gebrauchshund sein", dann bedeutet das fuer mich, dass er/sie fuer einen bestimmten Zweck funktionieren muss. Ein Gebrauchshund Border Collie muss Schafe zusammenhalten und von A nach B bringen koennen. Ob er in einem vollen Bus mitfahren kann oder will ist dabei erst mal egal.