Mein Bruder hat einen autistischen Sohn von inzwischen 11 Jahren und ich habe seit gut 10 Jahren meine Pudelhündin Cara. Die beiden kennen sich also schon seit früher Jugend.
Ich weiß daß kein Autist so wie der andere ist, aber ich berichte einfach mal, wie es bei uns in der Familie läuft:
Zuerst muß ich erwähnen, daß mein Bruder und ich weit auseinander wohnen und uns daher nur besuchsweise sehen. Mein Neffe liebt Cara auf seine stürmische Art. Cara schätzt ihn als Spielpartner, zB beim Bällchenwerfen oder Spielzeugverstecken. Aber seine launenhafte, sprunghafte, distanzlose Art ist anstrengend für meine Hündin. Ich sorge also dafür, daß sie viel Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten hat und nicht ständig mit meinem Neffen zusammen ist. Erleichtert wird das dadurch, daß mein Bruder nur für seinen Sohn zuständig ist und ich nur für meine Hündin. Die meisten Spaziergänge mache ich zB alleine, während mein Bruder etwas anderes mit seinem Sohn unternimmt.
Hunde schätzen ausgeglichene Persönlichkeiten, die ihnen Sicherheit vermitteln, die empathisch und verläßlich sind. An solche Menschen binden sie sich gern. Da Hunde selbst sozial hochintelligent sind, erwarten sie vergleichbare Kompetenz von ihren Bindungspartnern. Ein Autist wie mein Neffe hat aber gerade in diesem Bereich Defizite.
Meine Hündin ist vom Wesen her kein Einpersonenhund, obwohl ich mit ihr alleine lebe. Sie liebt das "Rudelleben" in einer größeren Familiengemeinschaft. Sie wird aber zu meinem Neffen nie eine besonders innige Bindung eingehen. Als Spielpartner für Action ist er willkommen, aber sie fühlt sich eben oft genervt von ihm.
Cara ist von ihren Wesenseigenschaften her ein idealer Therapiehund, sie ist ziemlich genau, was du dir wünschst. (Wir sind auch geprüftes Hundebesuchsteam im Alterheim.) Sie ist wesensfest, kontaktfreudig gegenüber Menschen, spielfreudig, geduldig, hat eine hohe Frusttoleranz, verteidigt weder Futter noch Spielzeug gegen Menschen. Bei Konflikten weicht sie aus, statt nach vorne zu gehen. Sie hat in ihrem ganzen Leben 6 mal einen Menschen angeknurrt. 5 mal war es mein Neffe...
Es ist wichtig, dass er Hektik, Stress und (plötzliche) laute Geräusche verträgt.
Er sollte positiv mit dem Gestresstsein und Ängsten meines Sohnes umgehen können
Diese zwei Punkte sind es, die Hunde nicht oder nur zeitlich eng begrenzt leisten können. Hunde sind nun mal Spiegel ihrer Menschen. Stress und Angst wirken überaus ansteckend auf sie.
Bei Cara und meinem Neffen kann ich das gut abfangen, weil ich nur für meinen Hund da bin. Ich brauche mich nicht um meinen Neffen zu kümmern, das macht mein Bruder. Die ganzen Konflikte, Wut- und Trotzanfälle gehen mich nichts an, ich kann mich immer zurückziehen. Bei dir ist das anders, du müßtest dich als Mutter zunächst um dein Kind kümmern, der Hund kommt erst danach.
Deswegen schließe ich mich der Empfehlung an, deinem Sohn Tierkontakte zu ermöglichen, aber auf einen eigenen Hund oder eine Katze zu verzichten.
Dagmar & Cara