Beiträge von dagmarjung

    Laß das mit den Gehorsamsübungen doch erstmal. Warum muß der Hund sitzen, wenn du seinen Haufen aufhebst oder dir die Schuhe bindest?

    Offenbar ist er mit solchen Übungen zur Zeit überfordert, sonst würde er nicht auf seine Stressbewältigungshandlungen zurückgreifen müssen.

    Gehorsamsübungen lernt der Hund auch später noch. Jetzt stehen erstmal ganz andere Dinge im Vordergrund, nämlich seine geistige und körperliche Gesundheit. Und das heißt Stressreduzierung, wo immer es möglich ist.

    Dagmar & Cara

    Wenn ich einen gemäßigten, vielseitigen "Normal"hund habe, kann ich seine Talente in jede Richtung fördern und viel Spaß mit ihm haben. Wenn ich einen hochgezüchteten Spezialisten, aber keinen echten Job für ihn habe, kann ich nur beten, daß er Ersatzbefriedigung annimmt. Falls nicht , bin ich vermutlich hauptsächlich mit deckeln und managen beschäftigt und das macht weder Hund noch Halter Freude.

    Man steckt natürlich nicht drin in den Leuten, aber ich persönlich habe immer Zweifel, wenn jemand sich im vorhinein darauf festlegt, daß Dummysport, Gebrauchshundesport oder Ähnliches der persönliche Lebensmittelpunkt (abgesehen von der Erwerbsarbeit) für die nächsten 10 oder mehr Jahre sein soll. Und das ohne eigene Erfahrung in diesem Bereich. Nur weil man denkt, es könnte Spaß machen. Was, wenn der Spaß sich doch abnutzt? Wenn nicht gleich, dann vielleicht nach einigen Jahren, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist und man den Betrieb kennt? Oder wenn sich die Lebensverhältnisse ändern? Mit einem gemäßigten Hund ist und bleibt man dann flexibler. Und kann sich trotzdem an Erfolgen freuen, es ist ja nicht so, als ob das Nieten wären im Hundesport.

    Dagmar & Cara

    Es hat seinen guten Grund, daß seriöse Züchter von Arbeits- und Gebrauchshunderassen ihre Welpen eben nicht an jeden abgeben, der sich in die Rasse "verliebt " hat, sondern gezielt nur an Jäger, Gebrauchshundesportler usw.

    Andere Rassen und eventuelle Showlinien derselben Rasse sind doch um keinen Fatz weniger wert oder gar dümmer! Im Gegenteil sind sie im Alltag oft die "Klügeren", weil sie sich triebmäßig nicht so abschießen.

    Für meine Begriffe spielt da nicht selten eine gewisse Eitelkeit beim Rassewunsch mit. Man will nicht das gewöhnliche Mittelmaß, sondern das Extreme, Geniale. Schließlich ist man selber ja auch was Besonderes und nicht nur Durchschnitt.

    Dagmar & Cara

    Er fordert alle Hunde, egal ob groß, klein, alt oder jung immer sofort zum Spielen auf. Sogar dann, wenn er Anschiss von einem dieser Hunde bekommt.

    Junge Hunde versuchen sehr oft, auf diese Art "gut Wetter" bei anderen Hunden zu machen. Gerade auch dann, wenn sie eigentlich Angst vor größeren, körperlich und altersmäßig überlegenen Hunden haben. "Guck mal, ich bin doch ein kleiner, lieber Welpe, hau mich nicht sondern spiel lieber mit mir!" Das nennt man Fiddeln, und es ist eine von vier grundlegenden Verhaltensstrategien, mit einer bedrohlichen sozialen Situation umzugehen. (Die anderen drei sind Flucht, Erstarren, Kämpfen)

    Viele junge Hunde wählen zunächst einmal Fiddeln, aber wenn sie dann älter und selbstbewußter werden, wechseln sie zum Kämpfen. Und die Hundehalter fallen dann aus allen Wolken, wenn ihr lieber Hund, der doch immer mit allen spielen wollte, auf einmal so "böse" wird.

    Aber letztlich ist es nur eine andere Strategie, mit Situationen umzugehen, die der Hund schon vorher als konfliktreich erlebt hat.

    Natürlich gibt es außer dem Fiddeln auch schöne Spiele unter Hunden. Aber weniger ist da oft mehr. Der junge Hund muß nicht mit allen und jeden "spielen", ganz besonders nicht, wenn der andere schon signalisiert, daß er keine Lust hat.

    Daß man an Hunden auch ganz neutral vorbeigehen kann, ist eine ganz wichtige Lektion für junge Hunde. Der Anblick anderer Hunde darf nicht das Signal für automatisch Spaß und Action sein.

    Ich wohne auch in der Großstadt, wenn auch zum Glück in einer sehr grünen. Als Cara klein war, habe ich mich mit ihr auch nicht in die Einsamkeit zurückgezogen. Es findet sich aber doch meist der eine oder andere ruhigere Winkel auch im Park oder in der näheren Umgebung. Baubrachen. Kleine Wiesen in der Kleingartenanlage. Unbeliebte Restflächen.

    Ich habe jedenfalls meine Stadt in dieser Zeit noch einmal ganz anders entdeckt.

    Dagmar & Cara

    Bekommt er sein Futter nur außen? Wenn ja, warum?

    Guter Punkt, Bellchen.

    "Futter nur gegen Arbeit" ist stressfördernd. Auch dann, wenn die Arbeit dem Hund anscheinend Spaß macht.

    Junge Hunde haben einen Anspruch darauf, bedarfsdeckend ohne Gegenleistung gefüttert zu werden. Auch Wolfseltern versorgen ihre Jungen. ohne etwas dafür zu erwarten.

    Der Hauptteil soll daher immer aus dem Napf verfüttert werden. Gerade bei einem ohnehin stressempfindlichen Hund. Denn das ist ein Stress, der nicht gleich sichtbar ist, aber unterschwellig die Probleme verstärkt.

    Du kannst trotzdem Futterbelohnung einsetzen, indem du nur sehr kleine, dafür wohlschmeckende Leckerli verfütterst (Bröckchen zerteilen) .

    Mal davon abgesehen, daß du sowieso lange nicht so viel und oft Kommandos trainieren solltest wie du es momentan tust.

    Dagmar & Cara

    Bei jedem deiner Spaziergänge ist Programm angesagt. Entweder Training oder neue Umwelteindrücke oder Hundekontakte/Toben.

    Das schafft kein Welpe und schon gar kein Welpe einer reizoffenen Rasse wie Border Collie.

    Bitte laß es viel, viel ruhiger angehen. Das übermäßige Saufen und hektische Fressen von Ungenießbarem sehe ich in diesem Zusammenhang als dringende Stress- und Warnzeichen.

    Mach lieber gemütliche Bummelspaziergänge. Lass dich von deimem Hund von Grashalm zu Grashalm leiten. Oder laß dich an einem ruhigen Ort draußen nieder, wo keine Hundebegegnungen zu erwarten sind, und laß den Kleinen einfach mal in Ruhe die Wiese erkunden. Nimm dir ein Buch mit.

    Es kann sein, daß dein Hund inzwischen schon so auf Action getrimmt ist, daß er auf solche ruhigen Ausflüge genervt reagiert. Dann ist es umso wichtiger, drei Gänge runterzufahren.

    Neue Eindrücke und Hundekontakte sind natürlich auch Teil des Welpenlebens, aber nicht jeden Tag und schon gar nicht jeden Tag dreimal. Der junge Hund braucht auch viel Zeit und Ruhe, um die Eindrücke zu verarbeiten.

    Gerade bei Arbeitsrassen (=reizoffene Rassen) ist das noch wichtiger als bei ruhigeren Hundetypen.

    Dagmar & Cara

    Warum ein AL:

    Ich bin täglich 1-2h draußen unterwegs. Rein im Wald. Täglich. Das würde ich gern mit Dummyarbeit verbinden. Nicht jeden Tag aber sicherlich so 2-3x in der Woche gerne. Dazu möchte ich gerne mit dem Hund arbeiten. Nämlich Dummytraining und vielleicht Obedience, wobei die Leidenschaft am Dummytraining hängt.

    Das kann mein 10,5jähriger Terrier-Mix auch :ka:

    Genau das habe ich mit meinem Kleinpudel gemacht, als sie noch jünger war.

    Dagmar & Cara

    Wenn Hundehaltung normalerweise ein Hobby ist, dann ist die Haltung von Arbeitsspezialisten ein Nebenberuf. Das muß man sich vorher mit allen Konsequenzen klarmachen.

    Von einem nicht spezialisierten Hund kannst du erwarten, daß er sich an dein Leben und deinen Alltag anpasst, bei einem hochgezüchteten Arbeitsrasse ist es umgekehrt, du mußt dein Leben und deinen Alltag an die Bedürfnisse des Hundes anpassen.

    Das ist der grundlegende Unterschied zwischen SL und AL. Nicht, ob die Beine etwas länger oder kürzer sind.

    Dagmar & Cara