Beiträge von Rotbuche

    Hallo,

    diese Rassen sind noch so jung (Zuchtbeginn 1987) und wurden (werden?) aus Rassen gezüchtet, die sehr verschiedene Verhaltensweisen an den Tag legen, dass eine Vorhersage, wie das Verhalten eines bestimmten Exemplars aussehen wird, fast nicht zu treffen ist.
    Wikipedia sagt, dass die Rasse auf 5 Rettungshunde unbekannter Herkunft zurückgeht, in die Husky, Malamute und DSH eingekreuzt worden sind. Um eine Rasse überlebensfähig zu halten und den Genpool nicht in kürzester Zeit unter das Minimum zu bringen, muss man sehr lange sehr viel einkreuzen. Das wiederum heißt eben auch, dass die Vorhersehbarkeit von Eigenschaften zurückgeht. Beim Aussehen ist es viel einfacher, da kann man schon ca. 7 Generationen selbst nach einer völlig unpassenden Einkreuzung (z.B. DSH x Bulldog) wieder mit einer Vereinheitlichung rechnen.
    Noch sind diese Rassen (die natürlich bislang nicht offiziell anerkannt sind) demnach für mich in ihrem Verhalten völlige Überraschungspakete.

    Aaalso. Ich kenn die Hündin und Euch natürlich nicht, ob das also wirklich der "beste" Weg speziell für Euch ist, lässt sich so auf die Ferne nicht sagen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es funktioniert.

    Mein oberstes Ziel: ich will einen entspannten Hund. Da ist er am ehesten pinkelbereit und am besten in der Lage, mit mir zu kommunizieren.
    Dazu mach ich mir noch drei Dinge bewusst:
    1. Wenn ich mit einem arbeitenden und im Kommando stehenden Hund über Befehle kommuniziere, ist der Hund im Arbeitsmodus, also nicht wirklich entspannt.
    2. Jedes Vorstehen, jedes Kangal-Anbellen, usw. braucht zwingend eine Vorwärtsbewegung. Ich will den Hund also tendenziell rückwärts denken lassen.
    3. Ich korrigiere Anspannung im ersten Moment der Entstehung. Die Hündin dreht auf (auch vor Freude), ist also nicht mehr tiefenentspannt, wenn ich zuhause die Leine in die Hand nehme? Dann beginne ich dort. Ich schau mir also immer an, wo die Anspannung beginnt.

    Was bedeutet das konkret für die Umsetzung:
    Ich kommuniziere nicht über konditionierte Kommandos, sondern mache mir die Kommunikation von Hunden untereinander zunutze. Ein Großteil der hündischen Kommunikation besteht aus Bewegungseinschränkung, wobei unterschiedliche Hunde unterschiedliche Varianten der Bewegungseinschränkung bevorzugen.
    Beispiel: zu meinem Viererrudel kommt ein fremder Hund und ich halte mich raus (normalerweise ist das nämlich mein Job). Meine Hundechefin würde den Neuankömmling erstmal nicht in ihre Nähe lassen, wenn der ihr nicht entspannt genug vorkommt. Andere Hunde legen z.B. Wert darauf, dass sich der Neuankömmling erstmal nicht aus seiner Ecke rausbewegt, wieder andere bestehen darauf, dass der Neue erstmal nicht in die Nähe von wichtigen Ressourcen geht.
    Warum ist das so? Es ist mitnichten eine willkürliche Schikane, die da ausgelebt wird; vielmehr wird dem Neuen gleich mehreres dadurch vermittelt: hier gelten diese Regeln, der da setzt sie um, die Regeln führen zu Ruhe und Entspannung, also scheint es ein fähiger Rudelführer zu sein. Ein Rudelführer ist u.a. veranwortlich für den Schutz des Rudels, der Neue weiß also auch, dass er - wenn er sich an diese Regeln hält - dafür auch etwas bekommt: Sicherheit, Führung, gelungene Jagden sprich Futter.

    Ich führe also Grenzen ein, eine Bewegungseinschränkung. In dem Fall wäre es z.B. sinnvoll, jede Bewegung vor mich zu korrigieren. Dadurch hätte ich dann einen Hund, der auf gleicher Höhe oder hinter mir läuft (also ich vorne, ich führe damit auch die vermeintliche Jagd und kann leichter und früher korrigieren im Bedarfsfall), der mich dadurch immer im Blickfeld hat, der vor allem entspannt ist und der nicht wie beim "Fuß" in Erwartungshaltung steht. (Brauchst Du noch eine Anregung, wie man körpersprachlich korrigieren kann oder ist das klar?)

    Die Geschwindigkeit der Gassirunde wird sicherlich auch eine Rolle spielen - Bewegung löst Stress, ich würde also mein Tempo ziemlich hoch halten, zumal selbstsichere Führer auch zielstrebig wissen, wohin sie wollen. Und je souveräner der Führer ist, desto mehr Entspannung kann sich der Hund leisten. Würde ich allerdings nur durch die Gegend rasen, ohne dabei gut zu führen, würde das die Hundeenergie eher anstacheln im Sinne von "oooh, wir gehen gemeinsam auf die Jagd Spannend! Schneller!", also nicht wirklich entspannt.

    Natürlich wärs am schönsten, einen Trainer in der Nähe zu haben, der diesen Weg kennt, damit er Euch beobachten und ggf. korrigieren kann.

    Puh, ich hab keine Ahnung, ob ich jetzt alles losgeworden bin, ich bin pappmüde inzwischen... frag einfach nochmal nach bei Bedarf!

    Ah doch, eine Frage hab ich noch vergessen: wie sieht es denn aus mit der Leinenführigkeit auf diesen Abendrunden?

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    Dem Hund ist es leider egal, was er an hat... er zeigt immer an.


    Logisch - es ging mir nicht darum, dass ein anderes Geschirr Dir die Erziehungsarbeit abnimmt. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, willst Du das Vorstehen nicht grundsätzlich unterbinden, sondern nur abends. Das hätte ich vermutlich unterstützt, indem der Hund ein Geschirr mit Arbeit und das andere mit Entspannung verbindet - natürlich muss diese Assoziation erstmal vom Menschen erarbeitet werden.

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    @ Punkratz:

    das hängen soll wohl auch sicherstellen, dass der "erstbesteiger ^^" nicht nach dem deckakt von einem rangniederen tier, ausgetrickst wird,.
    sprich, dass er sichergeht, dass die hündin von ihm aufgenommen hat, nicht von anderen.

    ähnliches machen viele tiere

    Das Hängen ist keine Garantie dafür, dass danach (auch Tage, wenn man Pech hat) nicht noch ein anderer Rüde die Hündin erfolgreich decken könnte.

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    Und 2. - welche Tiere machen es so kompliziert?


    Evolution heißt nicht, die Natur sich was bestimmtes aus, weil sich das als so praktisch erweist, und entwickelt die Spezies darauf hin ausgerichtet. Wenn man wissen wollte, wann sich das Hängen bei Caniden entwickelt hat, sollte man sich den Anfang der Entstehung von Caniden anschauen, was nunmal nicht geht.
    Es kann z.B. genauso sein, dass Merkmal A (sagen wir das Hängen) sich nur deshalb genetisch durchgesetzt hat, weil es zufällig zusammen mit Merkmal B aufgetreten ist; wenn Merkmal B überlebenswichtig für die Art ist, führt es automatisch dazu, dass auch Merkmal A etabliert wird. Mal vereinfacht formuliert. ;)

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    sie rutscht dann eindeutig mit schlechtem Gewissen vor mir rum, wenn ich es "anspreche". Problem ist, dass sie ein Tierheim-Trödelinchen mit ganz viel schlechten Erfahrungen ist und sowie leicht in die Knie geht, sobald sie merkt, dass sie was falsch gemacht hat. Da reicht schon das Einsteigen in die falsche Autotür, dass sie an schlechtem Gewissen verkommt


    Dass Hunde ein schlechtes Gewissen haben, ist eine menschliche Interpretation. Aus Hundesicht ist es schlicht erlerntes Verhalten, das zum Erfolg führt - in dem Fall ein ganzes Repertoire an Beschwichtigungsgesten. Sie hat für sich gelernt (ist sie ein Auslandshund? Da gibt es häufig solche Exemplare), dass sie am sichersten ist, wenn sie im Zweifelsfall eben all diese Gesten abspult, weil es ihrem Gegenüber ihre Unterwürfigkeit signalisiert.
    Sie merkt also nicht unbedingt, dass "sie was falsch gemacht hat", sondern reagiert einfach nur auf Deine Körpersprache und Energie.

    Wenn Ihr schon SEHR viel gelesen habt, dann wisst Ihr ja bereits, dass Hunde Führung brauchen und schätzen.

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    Was soll man machen wenn die sofort zur Arbeitszimmmertür stürmt und nicht weg will? Reinlassen?


    Es ist uninteressant, was der Hund will - Ihr stellt die Regeln auf.
    Tut Euch einen Gefallen und geht nicht angeleint und kurz genommen zu den Kaninchen - angeleint ok, aber kurz nehmen vermittelt dem Hund nur "Achtung, jetzt kommt was wirklich Interessantes, sogar Herrchen ist total angespannt."
    Genausowenig würde ich den Neuankömmling erstmal die Wohnung inspizieren lassen, der Hund übernimmt hier nicht sein neues Reich. Vor dem ersten Nachhausekommen würde ich mit der Hündin eine richtig große Runde laufen, zuhause bekommt sie einen Platz von mir zugewiesen und darf sich dort entspannen, den Platz in Eigenregie verlassen darf sie erstmal nicht.
    All das mach ich nicht, um den Hund zu "terrorisieren" oder eine vermeintliche Machtposition auszuspielen, sondern vor allem aus zwei Gründen:
    - ich sorge dafür, dass die Hündin für sie verständliche (weil im Hunderudel so gehandhabte) Regeln bekommt und sich dadurch entspannen kann. Ich vermittle ihr auf diese Weise, dass ich für den Schutz meines Rudels verantwortlich bin, das gibt ihr Sicherheit und Ruhe.
    - ich lege den Grundstein dafür, dass ich auch danach (z.B. bei den Kaninchen) meine Regeln ruhig und gelassen aufstellen und umsetzen kann

    Gute Hundewahl, gerade als Ersthundbesitzer. :gut:

    Bei meinen Vieren ist alles dabei, und ich kann alles brauchen, darum kann ich nicht sagen, was mir "lieber" ist. Ich brauch einen freundlichen, aufgeschlossen Hund für Besuchsdienste/ fremde Kinder im Bollerwagen ziehen, ein anderer ist für Haus und Hof verantwortlich, wenn ich nicht da bin. Keine dieser Charakter- und Arbeitseigenschaften möchte ich missen. :)

    Der BC muss nicht ausgeschlossen sein - ich hab z.B. selbst einen damals vierjährigen BC-Rüden aus dem Tierschutz übernommen. Da konnte ich im Vorfeld schauen, wieviel Hütetrieb er mitbringt - ich kenne zwar keinen Border, der nicht hüten würde, aber es gibt doch wenigstens Unterschiede.
    Ein Australian Cattle Dog wäre in einem mit ihm arbeitenden Haushalt auch gut aufgehoben.

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    Ich stelle mir die Frage, warum Hunde beim Deckakt dieses "Hängen" machen?

    Abgesehen davon, dass das Hängen keine willentliche Entscheidung ist, sondern mit dem Anschwellen von Penis und Vagina einhergeht, passiert in dieser Phase des Hängens noch entscheidendes: der dritte von drei Teilen Ejakulat (=Ejakulatfraktion) wird vom Rüden abgegeben, das soll die Spermien, die zuvor ausgeschüttet wurden, in die Gebärmutter spülen. Die Hündin unterstützt diesen Vorgang aktiv, oft sieht man Kontraktionen über den Körper laufen.
    Reicht die Erklärung schon, oder brauchst Du eine ausführliche Beschreibung, wie genau ein Deckakt von Anfang bis Ende abläuft?