Wir haben uns für die Rasse entschieden, weil wir auf einen Hof ziehen und er halt dafür gut geeignet ist. 12.000 m² Grundstück - dafür wurde er doch gezüchtet.
Zu allem bisher Gesagten ist mir das hier noch aufgefallen.
Das ist ungefähr so, als hättet Ihr Euch einen Traktor gekauft, weil man den auf dem Bauernhof braucht, aber niemand weiß, wie man den fährt.
Natürlich kann man GSS als Hofhunde halten. Sie brauchen dennoch Erziehung. Sonst habt Ihr nämlich ein Problem, wenn der junge Mann seinen "Job" auf dem Hof erkennt und dann richtig macht. Dann wird das ein ziemlich einsames Leben werden, weil niemand mehr zu Euch kommt.
Im Augenblick überlasst Ihr ihm alle Entscheidungen. Mich würde nicht mal wundern, wenn er den Garten nun als "sein Reich" ansieht, weil seine Menschen sich da nicht drum kümmern können. Auch ein Hofhund braucht Anleitung und er ist momentan einfach selbst total überfordert mit der "Aufgabe". Du verlangst von einem Kleinkind auch nicht, den Haushalt allein zu schmeißen.
Noch habt Ihr da einen kleinen Rüpel. Aber Sennenhunde - ich betone das noch mal - sind eben halt stur und sensibel. Das muss man mögen und damit umgehen können. Wir haben Berner Sennenhunde. Unser Rüde ist hier, seit er 9 Wochen alt ist und seit knapp einem Jahr haben wir eine Hündin aus dem Tierschutz. Ihr wurden anscheinend nie Grenzen aufgezeigt und wir "baden das jetzt aus". Dabei ist sie in sich absolut unsicher und sensibel, geht aber im Zweifelsfall eher nach vorn.
Das ist eine Gratwanderung.
Die GSS, die ich kenne, sind entweder völlig drüber oder sehr ernsthaft. Und das liegt zu 99% an Haltern, die sich einen Hund geholt haben, der einfach nicht zu ihrem Leben passt. Bei einem Haushalt mit fünf Kindern und einem Mann, der jetzt schon genervt ist, kann ich mir wirklich nicht vorstellen, wie das gutgehen soll.
Wenn Ihr auf dem Bauernhof seid, dann werdet Ihr den Hund nicht rauswerfen können und dann wird er "normal" und macht einfach seinen Job. Im Prinzip macht er einfach sein "Ding" und ein Sennenhund muss verstehen, warum man etwas von ihm will. Er hinterfragt, er bietet Dir nicht blinden Gehorsam. Da kann auch schon mal sein, dass er über einen Befehl 15 -30 Sekunden nachdenkt und dann entscheidet: Joah, okay. Mach ich.
Vor allem braucht der Hund - das sagten ja schon andere - Struktur. Gerade in den ersten Monaten, wo eh noch viel bunte Knete im Kopf ist. Das kennst Du doch sicher von Deinen Kindern. "Wenn sie klein sind, gibt ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel." Wie soll er seinen Platz finden, wenn es jeden Tag komplett anders läuft? Die Bewegung im Garten ist nicht gleichzusetzen mit einem Spaziergang. Und bei einem fünf Monate alten Jungspund kommen mir zwei Mal 15-25 Minuten ziemlich wenig vor. Du sollst ja keinen Marathon machen, aber in dem Alter kam mein Berner mehrmals täglich raus. Eine größere Runde von 25-30 Minuten (wobei diese Faustregel auch davon ausgeht, dass man die ganze Zeit "geht". Wenn man zwischendurch Pausen einlegt, um sich die Welt anzugucken, würd ich das nicht so strikt sehen) und mehrere kleine Löserunden.
Euer ganzes Konzept da liest sich für mich halt sehr undurchdacht. Wenn Du jetzt schon Angst um die Kinder hast - was er spürt - dann überlegt Euch, ob ein GSS wirklich der Hund ist, den Ihr Euch wünscht. Ihr könntet auch beim SSV mal nachfragen, ob die Tipps hinsichtlich Trainern haben, die sich mit den Eigenschaften und Eigenheiten der Sennenhunde auskennen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Trainer "Schablone F" anlegen und dann selbst mit ihrem Latein am Ende sind, wenn der Sturkopf nicht wie ein Labbi reagiert.
Berner und GSS sind zwar prinzipiell recht unterschiedlich im Wesen, aber einige Merkmale teilen sie sich halt doch.