Ich hatte mit meinen Aussies die gleich alte Berner Ebby mit dabei unter der Woche, wenn meine Freundin arbeiten war, konnte nicht feststellen, dass sie weniger Spaß am toben und erkunden hatte als meine Hunde. Ja, sie lag auch gerne rum. Dafür ist ja nun egal wieviel Programm auch noch genug Zeit am Tag. Aber ebenso gerne hatte sie Aktion mit ihren Kumpels, täglich. Wir waren auch gerne mehrere Stunden unterwegs, einfach an schönen Orten. (Im Freilauf) Und hat trotzdem nicht gebissen. Also möchte ich ein Votum für den Aktiven Berner Sennen einwerfen
Nur um das nochmal klar zu stellen. Ich habe nirgends gesagt, dass Berner nicht aktiv sein können. Gerade Junghunde sind wild, aktiv und kennen ihre (eigenen) Grenzen noch nicht. Ich meine, dass das auch mehrere andere hier geschrieben haben.
Jetzt kommt das ABER. Nicht jeder Berner verkraftet das. Und da ich selbst drei Berner habe (bzw. hatte), noch ungefähr 30 weitere durch Freunde und Bekannte kenne, wage ich die Behauptung: die meisten wären bei dem Programm durch - vor allem, wenn das über einen längeren Zeitraum so geht. Und dann kann vielleicht "Zeit" fürs Rumliegen sein, aber der Hund "kann" nicht mehr einfach liegen, weil er unter Strom steht, weil die Stresshormone zu hoch sind. Die TE hat hier beschrieben, dass es schlimmer wurde, je mehr sie gemacht hat und der Trainer hat noch mehr gefordert ... wohin hätte das führen sollen? Da ist nunmal der erste Ansatz, das Programm zurück zu fahren.
Hier hat auch niemand verlangt, dass die Kleine jetzt isoliert wird, dass man ihr die Sozialpartner nimmt. Dass diese "Freilaufgruppe" kein sinnloses Rumbolzen war, stellte sich ja erst im Verlauf der Diskussion raus. Aber auch da wäre mein Ansatz, dem eh schon gestressten Junghundhirn nicht zu viele Reize zuzumuten, sondern sich zwei mal die Woche ruhig mit ausgewählten Hunden zu treffen, zusammen ein Stück laufen. Nicht nur an kurzer Leine, sondern gemeinsam, frei. Eher Social-Walk als "macht mal". Und seien wir ehrlich, die meisten Hundetreffs sind "macht mal".
Zu vermeiden, dass der Hund drüber ist, ja wichtig, aber passiert nunmal und da sollte man dann nicht hilflos dem gegenüber sein, sondern trainieren, zum Beispiel, wenn sie so ist, nehme ich sie mit beiden Händen am Halsband so dass sie mich nicht schnappen kann, und wiederhole stumpf freundlich so lange ein Sitz oder ein Pausesignal, bis der und wieder mit dem Verstand anwesend ist.
Solche Tipps finde ich - aus persönlicher Erfahrung - ziemlich unsinnig bis gefährlich.
Nein, es muss eben nicht passieren, dass der Hund jeden Tag (!) drüber ist. Das kann mal passieren, dann gönnt man ihm etwas Ruhe, macht am nächsten Tag Schongang und bei normalen Hunden läuft es dann auch wieder. Hier ist ein Hund, der jeden Tag drüber ist, der jetzt schon schnappt und sich an die Beine klammert, "zwickt". Ein Hund, der jeden Abend drüber ist und so ausflippt, dem passiert das nicht "mal". Der braucht Hilfe und ganz sicher keine Machtspielchen, indem ich ihn solange festhalte, bis er tut, was ich will (und das ist nur ein Machtspiel, egal, wie freundlich Du Dein Signal wiederholst).
Ich kann Dir sagen, was Iwan gemacht hätte: Er hätte sich nicht hingesetzt und getestet, wie lange ich das aushalte.
Kleine Geschichte am Rande: In der Hundeschule hatte Iwan (damals etwas über ein Jahr) eine Übung verweigert und die Trainerin hatte mir einen ähnlichen Tipp gegeben, wie Du gerade. Sie meinte, ich müsste ihm jetzt so lange in die Augen gucken, bis er "aufgibt und weg guckt". Ich stand also 10 Minuten im Regen, starrte meinem Berner in die Augen. Ich könnte schwören, er hat nicht mal geblinzelt. Die Pointe dieser Übung sollte wohl sein: wer zuerst weg guckt, der verliert. Und er sollte verlieren. Aufgelöst hat diese "Übung" dann das Leckerchen einer anderen Hundehalterin und nicht meine tolle Ausstrahlung.
Erst sehr viel später hab ich verstanden, was das für ein Vertrauen von ihm in mich gewesen sein muss, dass er sich so lange hat anstarren lassen. Mit dem falschen Hund hätte das sowas von nach hinten losgehen können. Wir haben so einen Quatsch nie wieder gemacht, aber noch sehr oft tief in die Augen gesehen 
Zu der Bewegung: natürlich braucht der Hund ausreichend Bewegung - auch Freilauf. Muskeln bauen sich nicht vom Liegen auf und auch die Gelenke benötigen Bewegung für den Stoffwechsel. Zu Deiner Quelle kann ich jetzt nichts sagen, ich kenne die Vorraussetzungen für Tierphysios in der Schweiz nicht. In Deutschland nennen sich sehr viele Leute so, die keine Ahnung haben und dahingehend sehr viel Blödsinn vom Stapel lassen.
Aber einen jungen Hund in dem Ausmaß zu bewegen, rät eigentlich keiner. Es ist erwiesen, dass HD/ED/OCD nicht nur eine genetische Komponente haben, sondern es auch von der Bewegung in den ersten Lebensmonaten abhängt. Diese "Gassi in Minuten je nach Lebensmonat"-Regel hat ja einen Sinn.
Ich finde den verlinkten Artikel da zu einseitig, dass Hunde toben sollen, bis sie selbst nicht mehr wollen, dass man sie nicht wie zerbrechliche Wesen behandeln soll, dass wildes Rumbolzen die Gelenke und Muskeln fördert, ...
Klar, man kann einen Welpen nicht in Watte packen und ja, toben muss mal sein. Aber jeder Muskel und jedes Gelenk braucht zur Regeneration Erholung. Das ist also nicht jeden Tag sinnvoll.
Ich hab hier einen anderen Artikel von einem Tierarzt, der mir differenzierter zu sein scheint: https://www.hundeherz.ch/fachbeitrag/er…wachsenden-hund
Mein Mantra ist da immer kleine Monster müssen schlaaaafen gehen und dann diskutiert man das aus, annehmen, nachgeben, aber nicht aufgeben, bis Hund sich beruhigt hat. Klar, kann man den Hund auch festbinden, lernen nur weder Mensch noch Hund, wie man sich im sozialen Kontakt körperlich respektvoll beeinflusst. Bei mir lernen Hunde nicht, geh nicht wieder an mich rann, sondern wenn du mir mitteilen musst, dass du unruhig bist und nichts mit dir anzufangen weißt, kannst du das sanft tun und dann helf ich dir. Dann wird halt angesprungen und die Hand ins Maul genommen und dann bekommt der Hund körperlichen Halt, darf die Hand ins Maul nehmen, wird meist fest abgestreichelt, bis er sich spüren kann und ablegen, Kragen kneten, oder eben auch mal mit Zerrseil etwas gerangelt, weil da irgendwo Druck ist der Rausmuss. Aber das wandelt sich mit zunehmendem kennenlernen ganz schnell in nur Blicke und Ansätze. Miteinander Kommunizieren entwickelt sich so, das funktioniert mit anbinden und "Schluss jetzt!" nicht.
Sorry ... was?
Ich teile meinem Hund nichts körperlich mit und er hat mir bitte schön auch nichts körperlich mitzuteilen, was über ein "hey, streichel mich"-Anstuppsen hinaus geht.
Ein Hund, der regelmäßig meinen Arm "sanft" ins Maul nimmt und mich anspringt, um mir zu sagen, dass er gern Ruhe hätte ... äh ... nein?
Und den belohn ich nicht auch noch durch streicheln. Das ist nicht mein Weg, dann guck ich lieber vorher, dass er Ruhe lernt und gar nicht erst irgendwo Druck rausmuss.
Klingt jetzt böser, als es gemeint ist, aber mit Deinen Tipps wäre ich bei keinem meiner drei weiter gekommen. Iwan hätte mich für völlig unfähig gehalten, Bodo wäre total verstört und Lucy würde rumballern bis zum Geht-nicht-mehr, ohne je eine Grenze oder Ruhe zu finden. Aber ja, jeder Hund ist ja unterschiedlich und ich will nicht ausschließen, dass das geistig und auch gesundheitlich für manche Hunde klappt. Aber nach allen Beschreibungen der TE halte ich es doch für wahrscheinlicher, dass hier erstmal grundsätzlich Ruhe rein muss - es wurde schließlich auch mit mehr Programm schlimmer.