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Mir wurde HuSchu-technisch geraten je nach Situation: Bogen gehen, Ausweichen, Stehenbleiben, mit Lekkerli ablenken.
Nun habe ich aber immer mehr das Gefühl, wenn ich eines dieser Manöver anwende, das Lola denkt, Frauchen findet das was da kommt nicht in Ordnung = Gefahr, also nehme ich die Sache in die Hand.
Das liegt daran, dass sie Dir gesagt haben, was Du anwenden sollst, aber wahrscheinlich vergessen haben zu erklären, wie und warum.
1. Bogen gehen
Kann man auf verschiedene Art machen: nämlich einfach um aus der Situation zu kommen, oder um dem Hund eine Alternative zum Pöbeln zu erläutern.
Du kannst einfach so einen Bogen laufen. Wenn Du dabei aber nicht darauf achtest in welchem Abstand ihr das tut, wird sie nichts oder aber das falsche dabei lernen.
Wichtig ist, dass der Abstand zwischen den Hunden größer ist, als der "Alarm"-Bereich von Lola. Der Abstand sollte so gewählt sein, dass er Dir albern groß vorkommt - sie also locker und problemlos das von Dir gewünschte Verhalten zeigen kann. Dieses solltest Du bestärken, bestärken bestärken.
2. Ausweichen
Kann man ebenfalls auf verschiedene Arten machen. z.B. könnte man den Hund einfach mitschleifen. Oder man weicht nicht weit genug aus. Oder man weicht aus, wenn der Hund den anderen noch gar nicht gesehen hat... Lerneffekt, null!
Ich würde erst mal ein Signal für "Umdrehen" einüben. Ganz ohne andere Hunde weit und breit. Dann würde ich mir im Freundeskreis Trainingspartner suchen: am Besten welche (Hunde), die Lola nett findet, und daher keinerlei Probleme mit ihnen hat. An und mit denen übt ihr dann den Ablauf. "Setzt" den anderen Hund (mit HuHa an der Leine
) auf den Weg (Trainingspartner bewegt sich erst mal nicht) - ihr geht auf diesen zu - während dessen markerst und bestärkst Du ihr gutes Verhalten. Bevor Lola von dem anderen Hund zu sehr abgelenkt ist, gibst Du das Umkehrsignal, drehst um, markierst und bestärkst die tolle Ausführung des Signals und gehst noch einige Meter weiter in die andere Richtung. Dann gibst Du wieder Dein Umkehrsignal (markieren, bestärken) und gehst wiederum auf den anderen Hund zu (dieses auch wieder großzügig, häufig und mit den allerbesten Leckerchen bestärken!!!)
Das ganze Programm machst Du drei - vier mal, dann ist erst mal Pause.
Auf einem Spatziergang z.B. kannst Du das einfach 2-3 mal so einflechten.
Wenn Du das mit mehreren verschiedenen Hunden üben kannst ist das ideal.
Eine Steigerung davon ist, dass sich irgendwann auch der andere Hund bewegt - also Euch entgegen kommt. dabei sollte er dann auch "umgekehrt werden", wenn Du das Umkehrsignal gibst.
Wenn das sitzt, kannst Du das auch an fremden Hunden üben - wenn Du den Trainingsort entsprechend wählst, dass sie Euch nicht boykottieren können (z.B durch Trennung mit einem Zaun, einer Straße, einem Graben, einer Wiese...)
3. Stehenbleiben (oder besser hinsetzen lassen)
kannst Du versuchen, an Ort und Stelle "zu erzwingen".
Oder Du kannst es mit "Ausweichen" kombinieren. Wenn Du durch Üben der Ausweichmanöver und oder dem Üben des Bogenlaufens erreicht hast, dass Dein Hund besser mit "Gegenverkehr" zurecht kommt, länger ruhig bleibt und sich trotz dieser Ablenkung länger auf Dich konzentrieren kann, kannst Du z.B. das Umkehrsignal anwenden, ein paar Schritte schräg zur Seite weg gehen und Lola dort absitzen lassen. Wichtig ist, dass sie durch den anderen Hund noch nicht so weit gestreßt ist, dass sie gar nichts mehr lernen kann!
4. Ablenken mit Leckerchen
Obwohl sich das jetzt vielleicht komisch anhört: von "Ablenken" halte ich nicht so viel.
Ich würde "Essen" in Situationen einsetzen, wo ich nicht trainieren kann.
Und ich würde Essen gezielt einsetzen - zur (klassischen) Konditionierung einer alternativen emotionale Reaktion auf den Auslösenden Reiz (anderer Hund): hierbei würde ich auf diverse Dinge achten:
Auf Grund der Regeln, die beim Verknüpfen von Reiz (anderer Hund wird sichtbar) und Emotionaler Reaktion, die dann zu einem bestimmten Verhalten führt: Lola schimpft (alt) bzw. Lola sitzt (neu) gelten, würde ich erst Leckerchen verabreichen, wenn Lola den anderen Hund wahrgenommen hat.
Das ist NICHT "Ablenkung" - dessen Zweck ist ja gerade, dass Hund anderen Hund nicht wahrnehmen soll. Ich möchte aber, dass mein Hund den anderen Hund als Signal für "es gibt gleich lecker Essen" verknüpft, daher muß er ihn erst mal gesehen haben.
Der Fachausdruck für diese Methode ist "Gegenkonditionierung". Auch bei der Gegenkonditionierung sollte man darauf achten, dass der Hund ruhig bleiben kann (sprich, der andere Hund sollte erst mal auf größerer Distanz bleiben). Im Gegensatz zum Bogenlaufen, Ausweichen oder Sitzen wird aber das "Essen" nicht vom Zeigen eines Verhaltens abhängig gemacht, sondern von der Sichtbarkeit des Signals "anderer Hund": Wenn anderer Hund sichtbar ist, gibts essen, wenn kein anderer Hund sichtbar ist, gibts auch kein Essen.
Am Deutlichsten ist es sogar so: Das allerallerallerliebste Lieblingssuchtessen des Hundes gibt es ausschließlich nur dann, wenn ein anderer Hund sichtbar ist UND immer wenn ein anderer Hund sichtbar ist, gibt es ebenjenes Essen.
Mit diesem Training veränderst Du die emotionale Reaktion, die Dein Hund beim Anblick eines anderen Hundes hat. Wenn diese Reaktion nicht mehr aus "Wuaaa, anderer Hund, muß plattmachen" sondern aus "ohhhh, anderer Hund, darf Hühnerleber essen" besteht, ist Dein Hund fähig andere Verhalten zu erlernen.
Auch mit dem oben beschriebenen Training von Bogen gehen, Ausweichen und Sitzen bewirkst Du auf Dauer eine Änderung der Emotionalen Reaktion, die Dein Hund beim Anblick eines anderen Hundes hat. Das klappt aber nur, wenn Du wirklich darauf achtest, dass Du so trainierst, dass Dein Hund nicht in Streß gerät, und dass Du sehr viel mit hochwertigen Bestärkern arbeitest. Arbeite so, dass Dein Hund mit den von Dir verlangten Aufgaben (bzw. mit deren erledigung) nur positive Lernerfolge hat.
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Einfach straight weitergehen ist aber meistens unmöglich, weil sie alle viere in den Boden stemmt und nicht weiter will, sich sogar hinlegt (Lauerstellung). Nun habe ich überlegt, ob ich sie nicht einfach weiterziehen soll, weil ICH weitergehen will. Also kurz gesagt, Augen zu und durch und sie dann halt einfach pöbeln lasse.
Nein, das solltest Du keinesfalls tun. Du gibst ihr damit nicht nur ständig die Gelegenheit, ihr Pöbeln zu praktizieren (und praktizieren heißt üben, gleich perfektionieren...). Jedes mal wenn sie pöbelt, werden bestimmte Streßhormone in ihrem Körper ausgeschüttet, die die "wundervolle" Nebenwirkung ahben, dass sie süchtig machen können.
Unter Umständen machst Du Deinen Hund so zu einem "Streß-Junkie" - einen Hund, der solche Situationen sucht und herbeiführt, weil das so einen wundervollen "Kick" gereitet. DAS willst Du definitiv nicht!
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Leider hat sie die blöde Angewohnheit erstmal alles zu fixieren, was uns entgegenkommt ... wie ich das abstelle habe ich noch nicht herausbekommen, manchmal funktionierts mit Lecker vor der Nase aber auch nicht immer ....
Hier wäre z.B das "Ausweichen" sinnvoll angewendet. Du kannst auch ein "Schau" trainieren oder ein Nasentouch wobei Du dann das "Stubsziel" der Nase so platzierst, dass der Hund den Blick abwenden muß. Wir trainieren auch ein "Mach blind" - sprich wir trainieren, dem Hund die Augen zuzuhalten - wichtig hierbei: der Hund muß lernen, das zu akzeptieren, und ruhig stehen zu bleiben (oder sitzen). Hilfreich dazu ist auch wieder der Nasentouch, den mit dem können wir erst mal die Nase an einer Hand "fixieren" und dann mit der anderen Hand die Augen zuhalten.
Trish King hat für die ganz schlimmen "Fixierer" auch ein "Calming Cap" entwickelt: das ist ein "Mützchen", dass über den Kopf/Augen kommt. Da kann man noch umrisse durch sehen, aber keine Details mehr. Manchen Hunde hilft das, andere kommen damit noch weniger zurecht.
Du kannst mit "Lecker vor die Nase" arbeiten (dann such Beiträge zum Thema "Gegenkonditionierung"). Dabei sollten (wie oben schon geschrieben) die Leckerchen in der Wertigkeit zum Reiz liegen - sprich, je leckerer desto besser, je seltener es dieses Leckerchen zu anderen Zeiten gibt, desto besser und je eindeutiger auf den Reiz zurückzuführen, um so besser und je mehr davon (wenn der Reiz sichtbar ist) desto besser. Also nicht das tägliche Trockenfutter sondern das Äquivalent zum Kaviar rausrücken - und nicht in winzigen Krümelchen sondern in saftigen Brocken und nicht nur eins pro Stunde, sondern Klotzen, nicht kleckern!