Huhu,
Du hat ja zu einigen Punkten schon gute Hinweise bekommen. hier noch ein paar von mir - und ich hoffe ich erinnere mich noch an den Inhalt Deiner weiteren Beiträge.
Zuächst einmal ein Denkanstoß in eine völlig andere Richtung: Schreib auf, was Du alles an Deiner Ronja toll findest - und damit die Liste nicht so kurz wird (weil wenn man sauer ist, fällt einem dazu vielleicht erst mal nicht sooo viel ein) schriebst Du jeden kleinsten Fitzel auf: Ich finde ihr glänzendes Fell toll, sie hat sooo süße Ohren, ihre Augenfarbe ist toll, sie hat einen total schönen weißen Fleck auf der Brust. Oder sie Liebt es, über die Wiese zu rennen - und man sieht ihre Freude daran nur so aus ihr raussprühen... Ich mag, wie sie sich in ihrem Korb kringelt, egal wie unwichtig Dir das erscheint - aber: Im Moment konzentrierst Du Dich sehr darauf zu sehen, was di nicht an ihr magst - und so ist dann auch Dein Bild von ihr.
Wenn Du die Liste hast, machst Du eine zweite: auf Die schreibst Du alles Drauf, was Du nicht an ihr magst und hinter jedem einzelnen Punkt notierst Du, was Du statdessen gerne hättest. Je genauer Du die einzelnen Punkte definieren kannst, desto einfacher hast Du es später.
Z.B. hilft es wenig, aufzuschreiben: Sie mag mich nicht.
Besser: Sie achtet beim Spazierengehen nicht auf mich.
Sie hört nicht auf Rückruf.
Sie läuft anderen hinterher (das hast Du in dem Beitrag schon sehr gut gemacht :handy: ).
Denn hinter jeden einzelnen Punkt kannst Du eine von Dir erwünschte Verhaltensalternative schreiben, z.B. sie soll von sich aus alle paar Minuten Blickkontakt suchen. Sie soll beim ersten Ruf auf der Stelle kehrt machen und vollspeed angesaust kommen. Sie soll mir folgen!
Denn so hast Du für jeden einzelnen Punkt ein Trainingsziel formuliert - und dann muß du nur noch erstmal festlegen, wie Du das nicht erwünschte verhindern kannst, bist du das erwünschte Verhalten trainiert hast, und für jedes erwünschte Verhalten einen geeigneten Trainingsweg ersinnen.
Wenn Du zunächst eine Strategie entwickelst, die alles unerwünschte verhindert, kannst Du einen Punkt nach dem anderen mit training "abarbeiten" und mußt nicht auf unübersichtlich vielen Baustellen gleichzeitig schuften. Und das wiederum verhindert, dass Du Dich überfordert fühlst.
Fang mit der Baustelle an, bei der Du leicht Fortschritte erzielen kannst, denn das wird bewirken, dass ihr gemeinsame Erfolgserlebnisse habt - und das verbessert Euer Verhältnis zueinander!
Zitat- sie ist nicht abrufbar. Mittlerweile ist es ihr scheißegal, wo ich bin, hauptsache sie hat Spaß. Sie rennt jedem hinterher. Nur mir nicht. Es gibt Tage, da klappt das wunderbar - doch dann lässt sie mich auch gerne mal im Regen stehen. Es ist ihr egal, was ich tue - und wenn ich ein riesen Spanferkel in der Hand hätte, das würde sie nicht interessieren.
Ein Management- und Traingswerkzeug wurde schon genannt, und Du hast es ja schon in Angriff genommen: die Schleppleine.
Damit kannst Du ganz viel Zeug verhindern, der Euch bisher streßt: Sie kann nicht weglaufen, sie kann nicht anderen hinterher laufen, sie kann Dich nicht stehen lassen. Sie muß im Leinenradius bleiben. Kauf Dir noch das Buch "Antijagtraining für Hunde" von Pia Grönig dazu - da sind ganz viele schöne Übungen zum Thema Schleppleinentraining, Aufmerksamkeitstraining und Rückruf drin!
Zitat- sie läuft nicht mit. Bleibt einfach sitzen, wo sie lustig ist und ihr es bequem ist.
Geht an der Schleppe auch nicht mehr wirklich. Allerdings brauchst noch eine Strategie, wie sie das dann auch später ohne Schleppe machen würde (mit Dir laufen). Was Dir dabei hilft, ist ihr Futter nur noch gegen "Arbeit" auszuhändigen. Wir müssen für unseren Lebenserhalt arbeiten - warum sollten die Hunde das nicht auch müssen.
Was ich als erste Übung im Aufmerksamkeitstraining mache ist, dass ich anfange Blickkontakt gut zu "bezahlen" - zuerst drinn, dann draussen bei null Ablenkung, dann bei langsam steigernden Ablenkungen. Crispel hatte als Welpe gar keinen Napf - der hat auf Spatziergängen oder beim Clickern seine ganze Tagesration verputzt.
Zitat- ich habe sie seit dem Umzug nachts langsam vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer verbannt. Jetzt kackt und pisst sie mir zum Dank die Bude voll.
Ich denke nicht, dass Hunde "zum Dank" sowas machen würden. Da sie Pipi und Haufen extrem interessant finden, und keine typsch menschliche Ekelreaktion davor haben, würde ich denken, dass sie Streß hat. Ich würde folgendes machen: Probier, ob das Verhalten aufhört, wenn sie (zunächst) wieder im Schlafzimmer übernachten darf. Wenn es aufhört, läßt Du sie einfach ein paar Monate im Schlafzimmer schlafen und "arbeitest" erst mal ein paar andere Baustellen ab. Wenn sie sich besser eingelebt hat, sie sicherer ist und Ihr durch Traingserfolge wieder besser miteinander klar kommt, kannst du einen neuen "sie schläft draussen"-Versuch starten. Vielleicht holst du Dir eine Box, an die Du sie jetzt gewöhnst, und später stellst du ihre Schalfbox dann nach draussen.
Es hat mehrere Vorteile, wenn du das so machst: erstensmal ist ein für Dich sehr unangenehmer Punkt - verständlicherweise - der Dich dann stark belastet. Du bist angespannt, WEIL sie das macht, sie macht das aber WEIL sie angespannt ist... Wenn Du das durch anderes Verhalten Deinerseits erst mal sozusagen auf Eis legen kannst, kann sie "einfach" aus diesem Alter rauswachsen. Oft ist so ein Haustrainingsrückfall zurückzuführen auf starke Veränderungen (Umzug, neue Schlafgewohnheiten) in einem "blöden" Alter - Pubertät. Lass das einfach die Zeit "entzerren"!
Zitat- sie macht alles kaputt - obwohl sie genügend Spielsachen hat und von mir ausreichend beschäftigt wird.
WANN macht sie das kaputt? Nachts? Wenn Du nicht da bist? Wenn Du da bist?
Zitat- sie bellt Kinder an und mittlerweile auch jeden 3. Erwachsenen der uns entgegen kommt
DAS ist ein Problem! eigentlich eins, wo Du einen kompetenten Trainer vor Ort brauchst. Wenn das nicht geht, such im Netz nach "Gegenkonditionierung", "systematische Desensibilisierung" und konditionierte Entspannung. Dein Hund hat irgendwie die Verknüpfung "Kinder = doof = muß ich anbellen und vertreiben" - Du mußt den Teil "Kinder = doof verändern, dann bleibt "muß ich anbellen" fast automatisch aus. Parallel kannst du Alternative Verhalten eintrainieren (z.B. sitzen und Dich ansehen (da hilft Dir auch die Bearbeitung der Baustelle "Blickkontakt")
Zitat- vor anderen Leuten spielt sie den großen süßen Engel - sobald wir alleine sind, habe ich das Gefühl, fängt sie an, mich zu schikanieren. Dann klappt plötzlich nichts mehr.
Der Effekt ist bekannt - ich glaube man nennt es "Zuschauereffekt" - ich denke aber, dass es mehr damit zu tun hat, dass man selber in seiner eigenen Kommunikation zum Hund einfach konzentrierter und und präziser ist, als ohne "Zuschauer". Mir selber geht das auch so: wenn ich auf Seminaren bin, oder mit anderen leuten spatzieren gehe, konzentriere ich mich viel mehr darauf, was ich wie mache, und was mein Hund macht, als wenn ich alleine durch die gegend gurke. Ergebnis: Crispel ist die totale "Seminar-Sau" mit Zuschauern reagiert er auf Flüster-Signale - wo ich ihn beim "alleinegurken" zwei dreimal für ansprechen muß: aber es liegt an MEINER Unaufmerksamkeit. Kommunikation ist KEINE Einbahnstraße.
ZitatIch habe das Gefühl, dass wir uns einfach grundlegend nicht verstehen.
Ich kann einfach nicht mehr. Und ich weiß auch nicht mehr, was ich machen soll.
Ich wollte gelassener werden und mein Leben bereichern.
Jetzt bin ich nur noch müde und den ganzen Tag verärgert und genervt.
Was mache ich denn bitte schön falsch?
Ich finde es toll, dass Du Dir so viele Gedanken machst und alles in Frage stellst und alles versuchen möchtest!!!
Vielleicht ist es das Richtige für Dich, auf eine Trainingsmethode zu wechseln, die Dich geradezu "zwingt" eine andere Perspektive einzunehmen - recherchiere "Clickertraining". Beim Clickertraining wird alles wünschenswerte Verhalten des hundes bestärkt - um das tun zu können, muß man den Hund beobachten, und das erwünschte Verhalten erkennen. Dadurch achtet man auf das "gute" Verhalten und nicht auf das "schlechte", und prompt hat man ein anderes "Suchchema im Kopf.
WEIL man nach bestärkbarem Verhalten "sucht" findet man es auch - wenn man immer nur denkt "das Verhalten ist, doof, will ich nich, das ist scheiße, muß ich bestrafen..." nimmt man auch wirklich nur noch diese Sachen wahr.
Daher die Liste "was finde ich toll an Ronja"! Ich bin SICHER, sie macht einige Dinge richtig: Ich wette, sie sitzt gelegentlich, oder sie liegt. Das sind dan belohnenswerte Verhalten - egal wann und wo sie auftreten!! Zwei Schritte mit Dir laufen fällt in diese Kategorie und auch jedes einzelne "Geschäfte machen" draussen. Auch jedes "andere Menschen/andere Hunde begrüßen" ist eine lobenswerte Handlung. Man muß sie nur SEHEN... Das kann man nur wenn mand en Suchscheinwerfer auf "gutes Verhalten" und nicht mehr auf "doofes Verhalten richtet.
Ich bin sicher, wenn ihr ein Problem nach dem anderen angeht (und zwar aus der Richtung: DIESES Verhalten möchte ich stattdessen haben) dann werdet ihr das auch gemeinsam hinbekommen!