Sie zeigt in bestimmten Situationen ein Verhalten, dass Du nicht schön findest - statt dessen soll sie was machen?
Natürlich wäre es einfacher, wenn man genau wüßte "warum" sich ein Hund so oder so verhält - leider geht das in vielen Fällen nicht.
Ich würde mir als erstes einmal genau aufschreiben, in welchen Situation sie wie reagiert. Wie sieht die Situation genau aus, wo, wer, welche Hunde, welche Uhrzeit, welches Wetter. Wie sieht genau ihre Körpersprache aus.
Das ganze für jede einzelne Hundebegegnung - soweit zurück wie es geht.
Wenn Du das hast, kannst Du vergleichen: in welchen Situationen war sie ruhig, wann war sie angespannt aber noch kontrolliert, wann konnte sie sich nicht mehr zusammenreißen...
Denn dann kannst Du einen Plan entwerfen von A nach Z
Du mußt einfach wissen, welche Situationen "kann" sie, welche gehen gerade noch (bei denen fängt man dann an) und welche gehen gar nicht (die muß man dann erstmal weitestgehend vermeiden, damit sie keine Gelegenheit bekommt, das Verhalten zu üben = zu festigen)
Ich lege mein Training immer so aus, dass die Hunde möglichst im "Vorderhirn" (also dem Teil des Gehirns, in dem bewußtes Denken stattfinden, wo bewußte Entscheidungen getroffen werden)- Modus bleiben können.
Das Verhalten, dass Du hier beschreibts ist aber typisch für "Hinterhirn-Modus" - und da laufen instinktive Reaktionen ab, die auf Lebenserhaltung ausgerichtet sind (Flucht, Angriff, Jagd...).
Bei solchen Aktionen "stört" das Vorderhirn nur und wird daher nicht weiter beachtet. Vorderhirn und Hinterhirn arbeiten nicht MITeinander sondern NACHeinander. Leider ist es sehr leicht, den Hinterhirn-Modus anzuwerfen. Aber von da aus wieder in den Vorderhirn-Modus ist ziemlich schwierig. Jeder der sich schon mal über etwas fürchterlich aufgeregt hat, dass sich quasi sofort als falsche Annahme entpuppte, weiß das: man sitzt da und das Adrenalin rauscht durch den körper und verlangt aufgebracht nach Action, aber der Anlass ist weg
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Ich finde also, das wichtigste im Training ist, dass man Grundlagen dafür legt, dass man den Hund schnell aus seinem "Hinterhirn-Modus" heraus bekommt, dass er selber weniger schnell da hinenplumpst und dass er bestenfalls Strategien lernt, sich selber schnell da wieder rauszuziehen.
Ich benutze dafür viele Übungen, die auf die Bedürfnisse des Hundes eingehen, und nicht mit diesen in Konkurrenz treten.
z.B. Wenn ein Hund unsicher ist, macht es für ihn Sinn "das Gefährliche" im Auge zu behalten, um dann schnellst möglich auf "Lebenserhaltung" (=hinterhirnmodus) umzuschalten und die nötigen Maßnahmen ergreifen zu können. Viele Trainer arbeiten in diesen Fällen mit "Blickkontakt zum Menschen halten" - weil ja, so das Argument, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Aber der Hund ist ja schon heiß - sobald er das "Ding" bemerkt hat. Solange das Ding weit genug weg ist, ist das dann auch weiter kein Problem. Wenn der Hund das "Ding" aber erst bemerkt, wenn das die kritische Distanz unterschritten hat, hat man in Sekundenbruchteilen ein Riesenproblem, denn der Hund ist blitzartig im Hinterhirn und damit für "Befehle", "Kommandos" oder sonstige Signale nicht mehr ansprechbar.
Ich mache das daher anders. Ich gebe dem "das Ding ansehen" einen Namen - z.B. "wo ist das DING?" lasse den Hund KURZ das böse DING ansehen, clicke schon die Kopfbewegung in die Richtung des Dings an. Jetzt kommt das geniale am Clicker zum Tragen: Der Click beendet das Verhalten - geil! Der Hund dreht sich also vom DING wieder weg - notfalls kann man dieses Wegdrehen unterstützen, indem man das Leckerchen an seiner Nase vorbe so führt, dass selbige mitschwenkt.... und sobald das Leckerchen im Hund verschwunden ist, und ich denke, dass der Hund sich dem Ding gleich wieder zuwenden wird, sage ich "Wo ist das DING?"
Was bewirkt das?
Der Hund kann immer wieder mal zu dem DING gucken und dabei beobachten, was das Ding treibt, ob es sich bewegt, wenn ja wie schnell wo hin, etc. Er wird also nicht beunruhigt dadurch, dass er das Teil nicht beachten soll, weil er ja seinen Menschen ansehen muss.
Das Ding bekommt einen Namen - wenn also mal so ein Teil plötzlich in seiner Kritischen Distanz aufzutauchen droht, kann man ihn mit einem "Wo ist das DING" darauf aufmerksam machen, und der Hund kann sich a. darauf vorbereiten, dass er gleich so ein DING sehen wird und b. wird dieses DING in einen anderen Zusammenhang gestellt. Nämlich in ein Spiel, dass der Hund mit seinem Menschen spielt, das feste Regeln hat, und bei dem die konsequenzen klar sind (nämlich positive Bestärkungen)
Das DING wird andauernd mit positiven Dingen verknüpft wodurch sich die konditionierte emotionale Reaktion auf das DING verändert - es wird Gegenkonditioniert.
Dadurch, dass man das in Distanzen beginnt, die der Und nicht weiter beunruhigend findet wir ausserdem Desensibilisiert. Das Ding kann immer näher kommen, ohne dass der Hund gestreßt wird.
Der Hund lernt ein Verhalten, dass zum Auftauchen eines beunruhigenden DINGS gehört, nämlich "Einchecken beim Menschen" - Hunde zeigen dann "plötzlich" alle möglichen Sachen an, die sie in der Umwelt bemerkt haben und die sie evtl. beunruhigend finden. Klar. Manch einer kommt dann auf die Idee, einfach alles anzuzeigen, um so "Leckerchen anzufordern" aber na und? Man kann entweder die Gelegeheit nutzen und dem "DING" einen Namen geben, oder man entscheidet sich, das zu ignorieren, weil man von "Futterautomatdrücken" ausgeht. oder der Hund findet tatsächlich auch dieses DING beunruhigend - wie schön, dass wir jetzt einen Kommunikationsweg haben, der uns das wissen läßt!
"Wo ist das DING" ist ein erstklassiger "von Hinterhirn auf Vorderhirn-Umschalter", weil das Hingucken anzeigt, dass Abkippen ins Hinterhirn doht, oder schon passiert ist, und der Click ist oft noch in der Lage, wieder ins Vorderhirn zurück zu schalten, weil der Click ausschließlich mit tollen Sachen, Bestärkern, Spaß und Sicherheit verknüpft ist, und weil das Clickgeräusch genau in dem Hirnbereich verarbeitet wird, in dem Auch Angst, etc. verarbeitet wird.
Andere "Umschalter", die ich ständig nutze sind das konditionierte Entspannungssignal, der angekündigte Geschirrgriff und Premack-Bestärker - mit letzteren schalte ich die Hunde vom Vorderhirn aufs Hinterhirn
Instikntives Verhalten als Belohnung; z.B. schnüffeln dürfen, Mauselöcher ausgraben, Wälzen, Leckerchen jagen, Reizangel-Spielen.......
Ich will gar nicht, dass nur das eine arbeitet, ich will dass der Hund leicht vom Hinterhirni zum Vorderhirni werden kann, dass er andererseits bei Streß Strategieen hat, die "umkippen" möglichst verhindern.
Falls es doch mal kippt, oder zu kippen droht (wenn man die anfangs beschriebene Analyse wirklich ernst nimmt, lernt man sehr genau abzuschätzen, welche Situationen der Hund meistern kann und welche nicht!) muß man eben Management-Werkzeuge zur Hand haben, die verhindern, dass der Hund im "gekippten" Zustand gefährliche Sachen unternehmen kann.
Praktisch meine ich damit z.B. so etwas:
ich habe gerade einen Pflegehund, der ganz furchtbar auf Fahrradfahrer reagiert, wenn diese zu dicht an uns vorbeifahren. Zu dicht ist momentan etwas 3 Meter - wir treffen einfach nicht genügende hier, ich muß den mal wieder mit zum Radweg nehmen) Kann ich also nicht ausweichen und das "Wo ist das Fahrrad?"-Spiel so einsetzen dass der Hund alleine in der Lage ruhig zu bleiben und zu sitzen (oder stehen), setze ich den angekündigten Geschirrgriff ein. Dabei sage ich das Ankündigungssignal, greife dann ins Geschirr und halte einfach nur fest. Merke ich, der hund bleibt ausbalanciert auf den Füßen und hängt sich nicht ins Geschirr, beginne ich DANN mit "Wo ist das Fahrrad".
Ist er "umgekippt und nur noch "reaktionär" halte ich eben fest und und meinen Mund, bis das Fahrrad weg und der Hund wieder ansprechbar ist. (letzteres kann ich durch das konditionierte Entspannungssignal beschleunigen). Was ich in solchen "verlorenen" Situationen nicht mache, sind Abbruchssignale ober sonstige "Befehle" geben, denn die kommen eh nicht im Vorderhirn - da wo sie korrekt verarbeitet werden können - an. Denn das steht ja gerade auf "Standby" - das Hinterhirn ist in Aktion...