Ich mag mit Kunden zum Einstieg gerne Situationen stellen:
- damit ich den Ablauf am praktischen Beispiel vorführen kann - und genau kontrollieren kann, wie groß die Ablenkung wird
- damit ich die Leute auf die Körperspache ihres Hundes gucken lassen kann, ohne das sie Angst bekommen müssen, dass der andere Hund zu nahe kommt.
- damit alle beteiligten lernen können, dass das ganze tatsächlich entspannt vonstatten gehen kann
- damit Hund und Halter das Spiel schon kennen, wenn sie in einer "reales Leben"-Situation mit selbigem konfrontiert werden.
Ich selber stelle für mich nur in dem Sinn Situationen, dass ich an Orte gehe, wo mir die Reize, an denen ich arbeiten will, begegnen könnten, und da dan möglichst in einer "Dosierung", die der Hund problemlos verpacken kann. Das ist mir ganz besonders anfangs schon sehr wichtig. In solchen Dosierungen kann ich auch direkt shapen, weil die Reize genügend schwach sind.
WENN dann aber "das Leben passiert" und irgendwas kommt, was er noch nicht beherrscht, dann weiß ich aber, dass ich mir keine GEdanken machen muß über "bestärke ich das falsche erhalten ooooooweia????" machen muß, denn die klassische Konditionierung gewinnt eben immer. Ich biete was angenehmes für den Hund an, egal wie der sich aufführt, WEIL er den Reiz gesehen hat - nicht, weil er pöbelt.
Das Pöbeln krieg ich später auf jeden Fall weg, wenn der Hund gelernt hat, dass der Reiz "unaufregend" ist. Denn wenn der Reiz auch in "voller Montour" nicht mehr aufregend ist, kann ich auch in der Situation shapen.
Ich mache als das, was ich vom Hund verlange, vom Erregungsniveau des Hundes IN DER JEWEILIGEN
Situation abhängig.
Nicht von dem, was er gestern konnte, oder er heute können sollte, oder ich dachte, dass er können müßte. Der Hund sagt was er kann, und von dem "IST-STAND" aus wird er ein kleines bißchen heraus gefordert.
Man ist also je nach Situations-Schwierigkeit auf ganz unterschiedlichen Trainingslevels:
Mit bekannten, angefreundeten Hunden kann man lockere Leinenbegegnungen machen.
Mit dem Erzfeind geht aunterhalb gewisser Distanzen nur Gegenkonditionierung.
Bei unbekannten Hunden, die an angefreundete Hunde erinnern, geht vielleicht "den anderen im Sitzen vorbei gehen lassen" oder sogar "auf drei Meter Entfernung passieren lassen"
Das ganze gibt keine starre Linie und man muß immer gucken - was sagt mein Hund was geht locker, was geht grad so, und was hat gar keinen Zweck.
Um gute Trainingsfortschritte zu machen sollte man versuchen, für jede individuelle Situation höchstens an den "geht gerade so"-Anspruch heran zu gehen. Damit es möglichst immer klappt, aber auch nicht so pillepalle einfach ist, dass es den Hund auch gar nicht interessiert.
Weil erst lernen muß, zu erkennen, wo dieser Punkt ist, denn der ist halt niemals direkt gleich, auch in zwei situationen direkt hintereinander nicht, rate ich, es dem Hund anfangs ehr zu leicht zu machen. Denn dann lernt man den Ablauf, der Hund lernt den Ablauf und man kann gelassener auf das "Kleingedruckte" in der Körpersprache gucken.