Hier sind die nächsten beiden Tage.
Am Sonntagmorgen wache ich zum Geräusch prasselnden Regens auf der Zeltplane auf. Mist, denke ich, ausgerechnet heute. Auf den nächsten 9km entlang dem Ufer des Loch Etive muss ich etliche Bäche queren. Drei davon sind in meiner Karte nicht schmal sondern breit eingezeichnet; das Buch "Scottish Hill Tracks" weist darauf hin, dass diese Bäche bei / nach starkem Regen unpassierbar sein können. Ich hole mir die Karte heraus und suche schon mal Alternativen...
Gut, es schauert nur ein wenig. Frühstücken, einpacken, und auf der geplanten Strecke losgehen.
Die Wolken hängen tief, und an der Ruine Inverghiusachan, an der Mündung des Allt Ghiusachan, des ersten der potientiellen Problembäche gelegen, ist die Stimmung irgendwie mystisch. Das ist echtes Schottland - nicht so ein "Outlander"-Kitsch (sorry, das musste jetzt einfach sein).
An der Ruine mache ich eine kurze Fotografierpause. Immerhin kann ich hier meinen Rucksack auf einem nicht sumpfigen Stück Wiese abstellen...
Und weiter geht es, bei kühlem Schauerwetter und trüben Aussichten. Aufklaren? Fehlanzeige. Immerhin ist der Weg meist gut begehbar (auch wenn er ab und an verschwindet), und die beiden anderen breiten Bäche sind zwar breit, aber nur mit einem Rinnsal Wasser versehen.
Das hier ist das Bachbett des Allt Coire na Làrach. Hier möchte ich nicht sein, wenn es voller Wasser ist! ![]()
Bald kommt das Ende des Loch Etive in Sicht. Hier wird der Weg sumpfig, arg sumpfig. Für die letzten 5km bis zur Straße benötige ich drei Stunden.
Inzwischen hat es sich richtig eingeregnet. Ein starker Dauerregen prasselt auf mich ein, als ich mich durch den Sumpf balanciere. Endlich erreiche ich die Kinlochetive Bothy. Danach soll der Weg besser werden, sagte mir mal jemand. Ha, von wegen. Ich muss den Weg erst einmal suchen. Dazu muss ich auf einer schmalen Planke über einen tiefen Graben gehen, nur um drüben wieder bis über die Knöchel im Matsch zu versinken. Ätzend. Dann sehe ich das Haus, von dem aus ein Landrovertrack zur Straße führt. Erleichterung macht sich breit. Und dann: Am Zaun hängt ein Schild, dass man doch bitte die Privatsphäre der Bewohner wahren und außen um das Grundstück herum gehen solle. Gut, verständlich, aber das war einfach zu viel. Um das große Grundstück herum, nochmal durch den Matsch, und als ich den Track und damit festen Boden erreiche, bin ich fertig mit der Welt.
So, was nun. Der Plan war, ein paar km Straße bis nach Gartness zu laufen, auf einen Pass hoch, dort zelten, am nächsten Tag runter ins Glen Coe, dann zum Kingshouse Hotel, und durchs Rannoch Moor in Richtung Rannoch Station laufen. Klasse, noch mehr Matsch. Nasse Klamotten, ein nasses Zelt, Dauerregen - nee, ich will nicht mehr. Ich beschließe, das erste Auto anzuhalten. Zehn Minuten später ist es so weit. Ein Auto kommt von hinten, ich setze ein freundlich-erschöpftes Lächeln auf und strecke den Daumen raus. Der Kleine-Frau-mit-großem-Rucksack-Bonus funktioniert auch hier. Der Fahrer lässt das Fenster runter, sagt mir, dass ich meinen Rucksack in den Kofferraum legen soll, und legt mir schon mal vorsichtshalber ein Handtuch auf den Beifahrersitz. Immerhin bin ich tropfnass - ich selbst hätte mich nicht mitgenommen, glaube ich. Klasse! Nachdem wir ausgiebig übers Wetter geschimpft haben, klären wir die Frage, wie weit ich denn mitfahren kann. Ich sage, dass ich gerne bis ans Ende der Glen-Etive-Straße mitfahren würde; von dort sind es nur noch anderthalb Kilometer zur Bushaltestelle, und den Nachmittagsbus nach Fort William schaffe ich noch. "Fort William?" meint mein Fahrer? Kein Problem, das liegt auf seinem Weg. Ich kann mein Glück kaum fassen. Etliche Kilometer und einige interessante Unterhaltungen später setzt er mich in der Nähe des Town Centre ab. Ich laufe zu einem Guesthouse, das ich noch aus früheren Zeiten kenne und habe wieder Glück: Ein Zimmer ist frei. Yeah! Ich bringe mein nasses Zeug hoch, drehe die Heizung bis zum Anschlag auf, und gehe schnell noch in den Supermarkt, was Essbares holen. Dann, endlich, raus aus den nasskalten Sachen, eine heiße Dusche, trockene Klamotten, und ich bringe die Regensachen, das Zelt und die Schuhe in den drying room. Gute Erfindung.
Gleich geht es weiter, ich muss nur noch die Fotos raussuchen.