So, Endspurt.
Den Tag an der Corrour Old Lodge konnte ich nicht mehr toppen. Der war einfach zu schön.
Morgens wachte ich dort sehr früh auf, weil es stürmte - im Zelt ist das etwas laut, egal wie fest der Bunker abgespannt ist. Ich wollte eigentlich entspannt frühstücken und packen und so rechtzeitig loslaufen, dass ich den Zug um zwanzig nach elf an der Corrour Station erreiche. Dann blickte ich nach draußen, sah viele Wolken, und beeilte ich. Ich wollte ein trockenes Zelt einpacken...
Ich schaffte es, vor den ersten Regentropfen den Rucksack komplett zu packen und, eingehüllt in Regenhose und Regenjacke, abmarschbereit zu sein. Der Plan war, entweder im Wartehäuschen am Bahnsteig Kaffee zu kochen und zu frühstücken, oder aber im Coffee Shop / Restaurant des Bahnhofs, falls es denn geöffnet hat. Natürlich kam es wieder anders. Ich ging flotten Schrittes bergab durch den Regen und war um 8.50 im Wartehäuschen. Dort holte ich den Fleecepulli aus dem Rucksack, weil es doch etwas kühl war, so untätig und nassgeregnet und verschwitzt wie ich nun mal war. Als ich gerade den Kocher rauskramen wollte, sah ich auf dem Fahrplan, dass der erst Zug um 08.59 Uhr hier abfährt, und nicht, wie ich dachte, um 08.24 Uhr. Blick auf die Uhr: 08.55. Jetzt wurde ich hektisch. Ich hörte schon, dass sich der Zug näherte. Da die Corrour Station ein so genannter Request Stop ist, muss man sich bemerkbar machen, wenn man einsteigen will. Ich lief schnell raus aus dem Wartehäuschen, winkte dem heranfahrenden Zug, ein Zugbegleiter schaute aus dem Fenster, gab mir das Daumen-nach-oben-Zeichen und rief "Good morning!", und schon war ich wieder im Wartehäuschen, schnappte Rucksack und Jacke und was ich sonst noch so lose herumliegen hatte, und raste wieder raus. Eine Zugtüre ging nur auf (für den Rest ist der Bahnsteig zu kurz), ich wuchtete mich mit meinem Gerümpel rein, und schnaufte erst mal durch.
Der Zug war der "Caledonian Sleeper", der Nachtzug von London nach Fort William. Mit Schlafwagen und Loungewagen und viel Plüsch. Links und rechts von mir waren zwar Sitz-Abteile, aber die sahen so ultra-bequem und plüschig aus, und die Reisenden waren irgendwie deutlich besser gekleidet als ich... Ich traute mich nicht rein. Aber schon kam der nette Zugbegleiter, verkaufte mir meine Fahrkarte, und sagte, dass in dem Abteil links von mir noch viele Plätze frei sind. Wow. Ein ganzes Gepäckregal für meinen Rucksack, und ein breiter, bequemer und plüschiger Sitz für mich. Dass ich den anderen Reisenden auffiel, muss ich nicht erwähnen, glaube ich. Ich war nassgeregnet, zog mir die Regenhose aus, roch etwas verschwitzt, und meine Frisur saß auch nicht...
Im Speisewagen (noch mehr Plüsch) erstand ich einen Kaffee, und dann machte ich es mir in meinem Luxus-Sessel für die nächste Stunde bequem.
In Fort William angekommen, begab ich mich ins Glen Nevis, um dort auf der Campsite die letzten Übernachtungen des Urlaubs zu verbringen.
Der nächste Tag war total verregnet, aber dann wurde es wieder gut, das Wetter. Ich überlegte zunächst, mir den Ben Nevis mal wieder von oben anzuschauen, aber angesichts der vielen, vielen anderen Wanderer, die dieselbe Idee hatten, änderte ich meinen Plan und spazierte gemütlich zum Dùn Deardail oberhalb des Glen Nevis. Diesen schönen Ort teilte ich mir mit nur drei anderen Wanderern. Einer davon wurde zum Fotografieren verpflichtet...
Morgens früh, Schafe im Nebel:
Da stehe ich auf dem Rand des Dùn Deardail und schaue in die Ferne, zu den Marmores hin:
Und ein letztes Foto vom Glen Nevis:
Das war der letzte Schottland-Urlaub für dieses Jahr.
Nächsten Monat werden Männe und ich uns ein wenig Island und Grönland anschauen - ich bin gespannt, wie ich mit so einem organisierten Urlaub zurecht komme. Das ist ja eigentlich so gar nicht meine Welt.