@Sheigra,wir alt ist sie denn? Deine rennsemmel sieht auch noch gar nicht nach Seniorin aus sehr hübsch!
Sie ist 11, wird im Oktober 12. Lorcan, mein zweiter BC, hat mit seinen 8 Jahren schon viel mehr graue Haare. Lovvy sieht man ihr Alter nicht an - und sie benimmt sich auch nicht so. Ruhiger werden? Fehlanzeige.
Es ist Erntezeit. Hier sind Tag für Tag bis in den späten Abend die Mähdrescher unterwegs. Ein paar Impressionen davon (nicht vom Mähdrescher - das ist so ein total modernes Arbeitszentrum):
Und hier nochmal Natur pur, aus Schottland. Ich räume derzeit meine Festplatten auf und entdeckte dabei dieses schon beinahe vergessene Panorama der Bucht Camas Fhionnàirigh (Camasunary) auf Skye. Ich machte die Fotos dazu im Mai 2009; inzwischen ist ein weiteres Gebäude dazugekommen, eine neue Bothy, weil die alte (der weiße Klecks ganz hinten im Bild) von den Eigentümern wieder selbst genutzt wird.
So, Endspurt. Den Tag an der Corrour Old Lodge konnte ich nicht mehr toppen. Der war einfach zu schön.
Morgens wachte ich dort sehr früh auf, weil es stürmte - im Zelt ist das etwas laut, egal wie fest der Bunker abgespannt ist. Ich wollte eigentlich entspannt frühstücken und packen und so rechtzeitig loslaufen, dass ich den Zug um zwanzig nach elf an der Corrour Station erreiche. Dann blickte ich nach draußen, sah viele Wolken, und beeilte ich. Ich wollte ein trockenes Zelt einpacken... Ich schaffte es, vor den ersten Regentropfen den Rucksack komplett zu packen und, eingehüllt in Regenhose und Regenjacke, abmarschbereit zu sein. Der Plan war, entweder im Wartehäuschen am Bahnsteig Kaffee zu kochen und zu frühstücken, oder aber im Coffee Shop / Restaurant des Bahnhofs, falls es denn geöffnet hat. Natürlich kam es wieder anders. Ich ging flotten Schrittes bergab durch den Regen und war um 8.50 im Wartehäuschen. Dort holte ich den Fleecepulli aus dem Rucksack, weil es doch etwas kühl war, so untätig und nassgeregnet und verschwitzt wie ich nun mal war. Als ich gerade den Kocher rauskramen wollte, sah ich auf dem Fahrplan, dass der erst Zug um 08.59 Uhr hier abfährt, und nicht, wie ich dachte, um 08.24 Uhr. Blick auf die Uhr: 08.55. Jetzt wurde ich hektisch. Ich hörte schon, dass sich der Zug näherte. Da die Corrour Station ein so genannter Request Stop ist, muss man sich bemerkbar machen, wenn man einsteigen will. Ich lief schnell raus aus dem Wartehäuschen, winkte dem heranfahrenden Zug, ein Zugbegleiter schaute aus dem Fenster, gab mir das Daumen-nach-oben-Zeichen und rief "Good morning!", und schon war ich wieder im Wartehäuschen, schnappte Rucksack und Jacke und was ich sonst noch so lose herumliegen hatte, und raste wieder raus. Eine Zugtüre ging nur auf (für den Rest ist der Bahnsteig zu kurz), ich wuchtete mich mit meinem Gerümpel rein, und schnaufte erst mal durch.
Der Zug war der "Caledonian Sleeper", der Nachtzug von London nach Fort William. Mit Schlafwagen und Loungewagen und viel Plüsch. Links und rechts von mir waren zwar Sitz-Abteile, aber die sahen so ultra-bequem und plüschig aus, und die Reisenden waren irgendwie deutlich besser gekleidet als ich... Ich traute mich nicht rein. Aber schon kam der nette Zugbegleiter, verkaufte mir meine Fahrkarte, und sagte, dass in dem Abteil links von mir noch viele Plätze frei sind. Wow. Ein ganzes Gepäckregal für meinen Rucksack, und ein breiter, bequemer und plüschiger Sitz für mich. Dass ich den anderen Reisenden auffiel, muss ich nicht erwähnen, glaube ich. Ich war nassgeregnet, zog mir die Regenhose aus, roch etwas verschwitzt, und meine Frisur saß auch nicht...
Im Speisewagen (noch mehr Plüsch) erstand ich einen Kaffee, und dann machte ich es mir in meinem Luxus-Sessel für die nächste Stunde bequem. In Fort William angekommen, begab ich mich ins Glen Nevis, um dort auf der Campsite die letzten Übernachtungen des Urlaubs zu verbringen.
Der nächste Tag war total verregnet, aber dann wurde es wieder gut, das Wetter. Ich überlegte zunächst, mir den Ben Nevis mal wieder von oben anzuschauen, aber angesichts der vielen, vielen anderen Wanderer, die dieselbe Idee hatten, änderte ich meinen Plan und spazierte gemütlich zum Dùn Deardail oberhalb des Glen Nevis. Diesen schönen Ort teilte ich mir mit nur drei anderen Wanderern. Einer davon wurde zum Fotografieren verpflichtet...
Das war der letzte Schottland-Urlaub für dieses Jahr. Nächsten Monat werden Männe und ich uns ein wenig Island und Grönland anschauen - ich bin gespannt, wie ich mit so einem organisierten Urlaub zurecht komme. Das ist ja eigentlich so gar nicht meine Welt.
Am nächsten Tag lief ich gemütlich von meinem Wasserfall-Zeltplatz nach Fort William und verbrachte dort einen sonnigen Nachmittag. Gegen halb sechs abends fuhr mein Zug nach Corrour Station, diesem kleinen Bahnhof mitten im Rannoch Moor. Eine Stunde später stieg ich aus dem Zug - es nieselte, war windstill, und warm. Ideale Bedingungen für Midges! Ich dachte, dass das Nieseln bald aufhört und zog nur die dünne Windjacke drüber, und das Netz über den Kopf, damit mich die wee beasties nicht belästigen beim Wandern. Nur, irgendwie bekam ich nicht mit, dass aus dem Nieselregen ein richtiger Dauerregen wurde - und als ich es bemerkte, war ich schon patschnass. Es machte jetzt keinen Sinn mehr, die Regensachen anzuziehen...
Völlig durchnässt erreichte ich meinen Zeltplatz und baute im immer noch strömenden Regen das Zelt auf. Matratze aufpusten, Rucksack und ich rein ins Zelt, trockene Klamotten rauskramen und anziehen, Rucksack weiter ausräumen, das nasse Zeug in die Apsis, Zelt trocken wischen, Schlafsack auspacken und mich reinlegen. Ich hatte so gar keine Laune. Der Wetterbericht hatte von diesem Wetter nichts gesagt. An das für den nächsten Tag vorhergesagte perfekte Wetter mit sehr guter Fernsicht glaubte ich nicht mehr.
Nachts wachte ich auf. Es war hell im Zelt. Ein Blick nach draußen zeigte mir den Grund dafür: Ein fast voller Mond schien vom sternklaren Himmel. Ich zog die einzigen trockenen Klamotten über die Schlafsack-Sachen (das waren Regenhose und Regenjacke), und ging mit Stativ und Kamera raus. Hat sich gelohnt!
Eigentlich hatte ich vorgehabt, erst mal alles in der Sonne zu trocknen und später am Tag auf den Gipfel des Carn Dearg zu gehen. Jetzt nicht mehr: Ich wollte mir diese Wolkensache weiter anschauen. Das habe ich daheim schließlich nicht alle Tage! Während des gemütlichen und weglosen Aufstiegs zogen die Wolken teilweise ab.
Der Carn Dearg (Corrour) ist ein gemütlicher Berg. Ein Munro (also einer über 3000 ft; dieser hier hat 941m), aber ohne Schwierigkeiten beim Anstieg. Der Ridge ist gemütlich breit, es gibt keine ausgesetzten Stellen, und die Steigung ist, zumindest auf meiner Route, nicht zu heftig.
Schon bald war ich am Gipfel, am Summit Cairn. Leider hatte ich kein Stativ dabei, und die beiden Wanderer waren nicht mehr zu sehen. Eine andere sichere Möglichkeit, die Kamera für ein "Selfie" aufzubauen, gab es dort droben nicht. Also müssen auf dem "Beweisfoto" mein Rucksack und meine Trekkingstöcke herhalten.
Allerdings war es dort oben doch recht kühl und windig; daher verzog ich mich bald wieder etwas weiter nach unten.
Plötzlich sah ich schräg vor mir einen Vogel, der geduckt und schnell herumlief. Ich beobachtete ihn und stellte fest, dass er (oder sie) immer im Dreiviertelkreis hinter mir herlief. Vermutlich sollte ich vom Gelege / vom Nachwuchs weggelockt werden. Das erste Mal, dass ich einen Ptarmigan so nahe sah. Mein Reisezoom war leider nicht schnell genug für diesen schnellen Zeitgenossen.
Irgendwann ging ich wieder runter zu meinem Lagerplatz, breitete mein ganzes nasses Zeug zum Trocknen aus, und verbrachte einen schönen sonnigen und windigen Nachmittag, ohne auch nur einen einzigen Menschen zu sehen.