Hier sind noch zwei Bilder des wirklich schönen Abendlichts:
Die Nacht in der Bothy ist ruhig, nur gelegentlich von einem leichten Schnarchen aus einem der anderen Zimmer unterbrochen. Ich bin morgens die Erste, die unterwegs ist. Frühaufsteher und auf MEZ eingestellt - da schlage ich die Briten, was das frühe Aufstehen angeht.
Das Wetter ist angenehm heute, nicht mehr so schwül, es weht ein leichter beständiger Wind, und die Sonne lässt sich häufig blicken.
Der bequeme Landrovertrack führt mich mal durch den Wald, mal am Waldrand entlang, immer in Hörweite des Einig River, bis nach Oykel Bridge. Dort gibt es ein paar Wohnhäuser, ein Hotel, und eine Brücke. Hier ist Angler-Land. Der Oykel scheint unter Anglern ein sehr beliebter Fluss zu sein. Hinter dem Hotel führt zunächst ein Farmtrack langweilig und weit oberhalb des Flusses durchs Gelände. Mein Ausdruck aus "walkhighlands" erwähnt für diesen Abschnitt zahlreiche Sitzbänke, Picknickbänke und sogar Fischerhütten. Nun, ich sehe keine einzige und komme mir leicht veralbert vor. Meine Pause verbringe ich auf meinem Rucksack sitzend...
Irgendwann komme ich durch das Gelände der Caplich Farm und begegne mehreren frei laufenden Rindern. Keine Highland Cattle, aber irgendeine spezielle Rasse. Es stand auf einem Schild, aber ich habe es vergessen. Wie immer bei Rinder-Begegnungen gehe ich ruhig an den Tieren vorbei, versuche nicht mit den Stöcken zu klappern, und brummele beruhigend irgendwas vor mich hin. So im Sinne von "Sei ein liebes Steak und lass mich hier vorbei, ja?". Alles ganz entspannt.
Dann, von einer Anhöhe aus, sehe ich: Eine Fischerhütte, und eine Picknickbank! Hier teilt sich der Weg; der Farmtrack führt weiter oben am Hang entlang, und mein Weg führt mich runter zum Fluss. Rucksack abstellen und "na also!" sagen, den Rücken strecken und kurz in der Sonne sitzen. Dann suche ich einen Weg runter zum Wasser, denn meine Wasserflasche ist fast leer. Gut, erledigt. Während ich so auf der Bank sitze, zieht es sich zu, und schon fallen die ersten Regentropfen.
Erfreut stelle ich fest, dass die Hütte nicht verschlossen ist. Zwei Bänke, ein Stuhl und ein Tisch sind dort drinnen, und hier warte ich gemütlich, bis der Schauer vorbei ist.
Weiter geht der Weg, jetzt immer am Fluss entlang. Alle paar Hundert Meter steht am Weg ein Wegweiser zu einem Anglerplatz. Dort ist das Gras kurz gemäht, und meist steht dort auch eine Bank. Ich komme nicht besonders schnell vorwärts; hier gibt es zu viele Gelegenheiten zum Pause machen. Die Landschaft ist allerdings recht langweilig. Es muss eine der langweiligsten Landschaften in Schottland sein, in denen ich je unterwegs war. Da reißt auch das gute Wetter nichts mehr.
Am späten Nachmittag suche und finde ich den idealen Lagerplatz für diese Nacht. Einer der Fischerplätze hat nicht nur gemähtes Gras und eine Bank; er ist auch groß und eben genug für mein Zelt, und weit genug über dem Fluss, um auch bei wolkenbruchartigem Regen ein Schwimmbad im Zelt zu verhindern. Lediglich am frühen Nachmittag bin ich einem Angler begegnet, seitdem nicht mehr. Die Chancen stehen gut, dass heute keiner ausgerechnet am "Beat 12" angeln will (oder war es Beat 13? Egal, jedenfalls der mit der alten Trockenmauer).