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Frage: Wo ist der Hund mehr gefrustet? Wenn er in die Leine springt, die Leine ihn dort hält und ansonsten keinerlei Input kommt? Der Hund wird wohl bellen, sich in Rage bellen, versuchen zum Reiz zu kommen. Irgendwann aufgeben, evtl. winseln, sich hinlegen oder setzen, Terz machen - aber bestimmt nicht vom Reiz abwenden und sich zum Halter begeben.
Was tut ein Hund, der den Geschirrgriff kennt? Er schieb auch Frust. Aber: Er sieht den Reiz, will hin, bekommt den Geschirrgriff, setzt sich, frustet. Aber er kennt die ganze Situation und bald erinnert er sich, als nächstes kam immer zu Fraule gucken, sie hat was Leckeres.
Wenn DAS funktioniert war der Hund aber nicht sonderlich gefrustet und man hätte die Situation auch ohne Einwirkung regeln können.
Ein Hund, der wirklich maßgeblich Frustration schiebt wird sich nicht mit einem schnöden Leckerchen zufriedengeben. Aufjedenfall nicht so, wie es im Video und der Anleitung beschrieben ist.
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Der angekündigte Geschirrgriff IST ein Verbot. Es ist wirklich so. Wirksam ist er, weil die negative Einwirkung funzt.
Absolut!
Ich schildere mal meine Sicht der Dinge:
Den Geschirrgriff würde ich persönlich niemals einsetzen.
Es gibt etliche Wege einen Hund zum Umlenken zu bewegen, das sogar vollkommen ohne Einwirkung!
Ich nehme mal ein konkretes Beispiel: meine Bonnie.
Sie ist, typisch Cane Corso, ein Wachhund durch und durch. Seit Welpentagen an übernimmt (oder möchte zumindest) sie Entscheidungen, regelt Situationen und ist durchaus selbstbewusst.
Trotz ihres Selbstbewusstseins ist sie nicht sonderlich nervenstark. Soll heißen: Kleinigkeiten können sie auf die Palme bringen, Kleinigkeiten werden sofort generalisiert und 'abgespeichert'.
(z.B. die Ecke, wenn ich um unser Haus gehe: mehrmals kamen uns dort unangeleinte Hunde entgegen, die Bonnie durch das plötzliche Auftreten in Stress versetzten. Die Ecke wird nach jedem Zusammentreffen sofort von ihr generalisiert und ich darf die nächsten 50 mal brav gegenkonditionieren, damit sie nicht bei um- die- Ecke- biegen Stress schiebt und bellt.)
Auch braucht Bonnie viel, wirklich viel Spielraum, was mir einige Zeit nicht bewusst war.
Eine normale Leine reicht für sie bei weitem nicht aus, um gelassen Spazierengehen zu können, auch wenn sie im Prinzip die 2 Meter nie auskostet. Allein das Gefühl 'ausgeliefert' zu sein bereitet ihr schon so einen Frust, dass ich davon ausgehen kann, dass der Gassigang unangenehm wird.
Das liegt nicht unbedingt daran, dass sie krank im Kopf ist, oder was auch immer.
Sie ist ein Hund, der sehr genau kommuniziert, sehr eigenständig handelt und unheimlich gern die Führung übernimmt (auch wenn sie dann im Endeffekt damit überfordert ist). Nehme ich ihr den Spielraum wäre das, wie wenn ich einem Labbi verbieten würde ins Wasser zu gehen.
Was passiert, wenn ich bei so einem empfindlichen, aber trotzdem kontrollierendem Hund Strafe (in welcher Form auch immer) einsetze?
Er generalisiert. Undzwar alles.
Ergebnis wäre ein durchgehend verunsicherter und gefrusteter Hund, der am Dauerfiepen und Bellen ist.
Zumindest bei mir.
Daher halte ich den Geschirrgriff für überflüssig.
Ich meine, hey!: ist es nicht das Gleiche wie mit dem Kommando 'ENDE!', beim Schleppleinentraining? :coffee2: