Fine, ich finde auch, heute hat man es schon ziemlich leicht als Vegetarier. Ich esse sein 1999 kein Fleisch mehr, erstens hat es mir nie so wirklich geschmeckt, zweitens hatte ich schon immer eine blühende Fantasie und musste mir beim Schnitzel auf dem Teller immer das zugehörige Schwein vorstellen, und drittens. war das das Jahr, in dem ich von Zuhause auszog, mich nicht mehr dem familiären Speiseplan unterwerfen musste und auch nicht mehr den Zugang zu dem Öko-Bio-Schwein hatte, das meine Oma (die damals noch nen Bauernhof hatte) jedes Jahr für unsere Familie mit groß zog, inklusive Biofutter und glücklichem Schweineleben plus Metzger, der zwar vom alten Schlag war, aber sehr moderne Ansichten hatte: Wenn das Schwein beim Schlachten Stress hat, schmeckt die Wurst nicht. Also stressfrei auf dem eigenen Hof schlachten, vorher noch ein wenig die Schnauze tätscheln etc. Das waren für mich Zustände, mit denen ich gut leben konnte, weil da alles stimmte und das Tier mit Respekt behandelt wurde. Es wurde auch alles, was möglich war, verwertet und am Ende lag das portionierte Schwein dann in unserer Kühltruhe, die Wurstdosen standen im Keller.
Tja, und als durch den Auszug diese Möglichkeit wegfiel, habe ich ganz aufgehört, Fleisch zu essen. Und es war schwierig am Anfang, weil man damals noch wenig über Tofuzubereitung wusste. Vegetarische Komponente in der Mensa: Gemüsesuppe mit puren, nicht eingelegten, nicht gewürzten Tofuwürfeln oben drauf.
Tofu gab es zum größten Teil ungewürzt und sehr teuer im Reformhaus, also lernte ich, das Zeug selbst zu würzen und einzulegen. Auf Brot? Käse, Tomaten, Marmelade, Nutella. Nix mit vegetarischen Würstchen und solchen Verlockungen. Das kam dann erst langsam auf, und die "echten" Vegetarier schimpften immer über die Modevegetarier, die es tun, weil es in ist. Ich war schon damals der Meinung, je mehr Modevegetarier, desto besser, weil mit jedem Neuen, egal aus welchen Gründen er kein Fleisch essen will, der Markt wächst und somit die Produktvielfalt auch. Fand ich super. Heute ist es so weit, dass ich mir keine Gedanken machen muss, welche Gemüsevariante ich auf die Schnelle zubereite, wenn unser Büro spontan grillen will. Veggiebratwurst grillt sich auch super.
Was nicht heißt, dass ich nicht auch ganz ohne diese Produkte koche, aber es ist schön, dass man drauf zurückgreifen kann, wenn man mag.