Lilifee, ich versuche es immer, den jeweiligen Hund loszuwerden, bevor er ein Loch kassiert. Aber manche Hunde lassen sich echt nicht blocken, und ja, ich bin energisch und laut Aussage einiger Bekannter auch durchaus furchterregend.
Derart penetrante Erlebnisse sind zwar nicht die Regel, kommen aber halt einfach auch vor.
Beispiel 1: Halter interessiert sich nicht die Bohne, was sein Hund macht. Hund ist vom Grundtenor her auf Krawall gebürstet und motzt alles an, weil er gelernt hat, er darf. Dieser Hund lässt sich nicht verscheuchen, weil er draufhauen will. Mit Senta war das kein Problem, die hatte Angst und blieb hinter mir, so dass ich auch mit was schmeißen konnte. Der Hund hat schon Ketten und Schlüssel vor die Füße bekommen, wurde geblockt und gescheucht, angeschrien, es hat ihn nicht interessiert. Finale war neulich, als der Köter wieder frei war und auf den Spinner los ist, der von mir schon am Halsband gehalten wurde. Klopperei zu meinen Füßen. Habe ihn weggetreten, weil Frauchen sich nicht interessiert hat. Nächstes Treffen: Der Hund versucht es wieder.
Beispiel 2: Halterin hat drei Hunde, die kein Stück hören. 2 Huskymixe und einen kleinen Sennenhund, meine, Entlebucher. Ich hab mehrfach mit der Halterin gesprochen und sie gebeten, die Hunde nicht an Senta ran zu lassen, weil diese Angst hat. Keine Einsicht, keine Reaktion. Diese Hunde zu blocken war ein reines Glücksspiel, weil sie zu dritt waren und von irgend einer Seite immer einer ran kam. Finale: Ein anderer Hundehalter, der seinen wohl unverträglichen Hund schützen wollte und auf dem Rad unterwegs war, hat nach der Sennenhündin getreten und sie ist an inneren Verletzungen gestorben. Einsicht der Halterin: Null. Trotz dieser tragischen Geschichte lässt sie die Hunde (inklusive neuem Junghund) noch immer rücksichtslos alles bedrängen, was Beine hat. Zum Glück nicht mehr in meiner Gegend, da sie umgezogen ist, aber nun hat meine Freundin ein paar Orte weiter mit ihrem absolut unverträglichen Kleinrüden das Problem.
Beispiel 3: Auf Senta galoppiert ein 40kg- Labrador zu. Der hat meinen Block umlaufen und hätte sie mit Karacho platt gewalzt, wenn ich ihn nicht in letzter Sekunde am Halsband erwischt hätte. Und 40 kg am Halsband halten ist nicht so einfach, wenn die nicht gehalten werden wollen.
Beispiel 4: Spinner war noch neu, ich frisch operiert, als ein Kerl mit Fahrrad im Wald an uns vorbei fuhr, sein ungezogener Beaglerüde stand dann provozierend und prollend keinen Meter vor Spook, der daraufhin richtig schön ausgerastet ist - kann ich verstehen, ich hätt dem Schlappohr auch gern den Hals umgedreht, als es meinte, meinem Hund mal eben vor die Füße markieren zu müssen. Halter, den ich gebeten hatte, den Beagle aufgrund des neuen Hundes und meiner Schulterverletzung nicht ranzulassen, fuhr einfach weiter und ließ mich mit dem prollenden Beagle und meinem tobenden Hund allein zurück. Wär der Beagle da rangekommen, ich hätte nichts machen können.
Beispiel 5: Mitten auf dem Weg turnt eine Truppe aus drei Hunden mit Haltern herum, ich muss da vorbei, bin aber auf dem Parallelweg. Die Hunde sehen mich mit Hund und stürzen im Galopp drauf, zwei Dackel und was Beagleartiges, zwei davon wirklich penetrant, eine der Penetranten auch gut aggro. Von der Größe, Wuseligkeit und Menge der Hunde ist es einfach unmöglich, sie alle abzuhalten, dazwischen meine Hündin, die in solchen Situationen Angst kriegt. Halterinteresse: Null.
Leider herrscht hier die allgemeine Ansicht, dass jeder Hund mit jedem verträglich sein, spielen und Hallo sagen muss. Der nicht ganz einfache, ängstliche, noch Kontakt trainierende Hund ist ein Exot. Wo ich lebe? In einer ganz normalen konservativen Kleinstadt in Niedersachsen, wo ein Graf noch ein Graf ist, der Stadtkämmerer sich alles rausnehmen darf und die Kirchen katholisch sind.
Die o.g. Beispiele sind wirklich so passiert. Klar gibt es auch tolle Spaziergänge mit rücksichts- und verständnisvollen Menschen, mit Hunden, mit denen meiner toben oder halt ne Runde nebeneinander her schnüffeln kann, mit Spaß und netten Gesprächen. Aber es gibt halt auch diese und ähnliche Beispiele, und daher kann ich es nicht so stehen lassen, wenn jemand dann lapidar sagt: "Ach, Trainer oder blocken, und gut is."
PS: Den einen Dackel hab ich mal so angebrüllt, dass er seither einen Bogen um mich macht, ganz gleich, was für ein Hund an meiner Leine hängt. Frauchen dagegen rafft's noch immer nicht. 