Beiträge von l'eau

    Was mich an der Ausgangsfrage wie ein kleiner Stachel so ein wenig piekst: kann man die Trennlinie zwischen just for fun und Turnier wirklich ziehen im Hundesport?

    Meiner Erfahrung nach - jedenfalls in Agi und Windhundsport - nein. Bzw. eher in die Richtung, dass die Wettkampfhunde zumindest in guter Kondition sind; im Windhundsport hab ich öfters Hunde im Training laufen sehen, die ich nicht hätte laufen lassen (weil (stark) übergewichtig).

    Bei uns im Verein haben wir beim Agi auch keine Trennung zwischen Turnier- und Spaßgruppe. Wir gehen dabei aber auch individuell auf die Hunde + Halter ein (wobei wir freilich auch nur passende Hunde aufnehmen - z.B. Knautschnasen lass ich gar nicht erst zum Probetraining kommen). z.B. ist bei mir in der Anfänger-Gruppe eine ambitionierte Teenagerin, deren Hund allerdings bereits 8 Jahre alt ist - es ist somit klar, dass die beiden niemals ein Turnier laufen werden -, also darf der Hund zur Schonung seiner Gelenke niedrig springen, aber ansonsten alles mitmachen, womit die Teenagerin trotzdem genauso das Führen etc. lernt, als wenn sie Turniere laufen würde.

    Temperatur kann seriös ausschließlich im Schatten gemessen werden!

    Okay, das war doof von mir formuliert. Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass man gezielt misst, wo es eben kühler ist als dort, wo das Tier dann "arbeiten" muss. Und bei einem Turnierspringplatz z. B. ist das nun mal oft in der prallen Sonne.

    Man kann keine Temperatur seriös in der prallen Sonne messen. Das hat nichts mit absichtlicher Verfälschung der Messergebnisse zu tun. Temperatur in der Sonne zu messen ist unseriös.

    Wie warm es letztlich empfunden wird, hängt aber nicht nur von Schatten/Sonne, sondern auch von Luftfeuchte, Wind, Luftdruck und individuellem Empfinden ab. Daher ist es wichtig, nicht nur auf das Thermometer zu schauen, sondern auf das Gesamtbild - inkl. wie das Tier sich verhält.

    Da misst man Temperaturen halt im Schatten,

    Temperatur kann seriös ausschließlich im Schatten gemessen werden!


    Aber freilich geh ich davon aus, dass die meisten Hundeführer das Wohl ihrer Hunde im Auge haben und sehr wohl bedenken, bei welchen Temperaturen sie mit ihren Hunden trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen.

    Im Training ist's noch an den Trainern Anfängern/jungen Teilnehmern das Gespür hierfür zu vermitteln. Bei warmen Temperaturen sag ich explizit, wo die Hunde am Rand geparkt werden sollen (weil bei uns Schatten Mangelware ist und man ja auch das Wandern der Sonne bedenken muss), weise ggf. explizit auf ausreichendes Tränken hin oder gebe auch Anregung, den Hund nass zu machen. Außerdem halte ich die Einheiten kürzer und erkläre auch weshalb. Gerade bei den Teenagern, die noch ganz am Anfang nicht nur ihrer Hundesport- sondern auch Hundehalterkarriere stehen.

    Natürlich kann es auch irgendwann mal vorkommen, dass Veranstaltungen wg. Wetter komplett abgesagt werden müssen - bislang war das bei uns im Agi nur wg. extremen Regen der Fall. Von Windhundveranstaltungen habe ich aber durchaus schon mitbekommen, dass der Beginn deutlich nach vorne verlegt wurde und/oder der zweite Durchgang abgesagt wurde.


    Übrigens gelten die Ausführungen nicht nur für warme, sondern auch für kalte Temperaturen. Ein Hund, der bei Kälte aufgrund sportlicher Belastung seine Muskulatur stark beansprucht braucht u.U. nach dem Lauf/in der Pause zwischen den Läufen einen Mantel, obwohl er eigentlich im Winter gar keinen braucht. Aber Sport kann eine ganz andre Belastung als die eher gleichmäßige Belastung, die beim Spaziergang sein.

    Besagte Pferde hatten professionelles Hängertraining und gingen danach richtig gut auf den Hänger. Bis sie das erste Mal wieder zum Turnier gefahren wurden, dann ging die Verweigerung von vorne los.

    Da scheint der Halter aber wenig Empathie für sein Pferd gehabt zu haben, wenn er nicht in der Lage war, am Verhalten auf dem Turnier zu erkennen, dass das Pferd keine Turniere mag.

    Wär auch die Frage: warum mag das Pferd keine Turniere? Ist es zu viel Lärm? Zu viele fremde Menschen? Der Stress des Reiters? An manchen Dingen könnte man auch arbeiten.

    Wenn ich mit meinen Hunden irgendwo hinfahre und sie am nächsten Tag nicht ins Auto wollen, dann schlussfolgere ich, dass ihnen die letzte Aktivität nicht gefallen hat.

    Ich würde meine Beziehung zu meinen Hunden hinterfragen, wenn mir erst so spät auffallen würde, dass ihnen eine gemeinsame Aktivität nicht gefällt und sie derart heftig reagieren würden. Dass ein Hund nicht mehr ins Auto steigt, wegen einer unschönen Aktivität, zeigt mMn deutlich, dass es extrem an Vertrauen fehlt.

    Und ja wir als Hundeverein haben eine Sommerpause, da es wenig sinn macht bei den teilweise extrem hohen Temperaturen Sport zu machen. Oder das Training wird an das Wetter angepasst. (Rettungshundetraining im Wald durch einen Bach,...)

    oh, ich hab den Zusatz vergessen: wir sagen beim Agi einzelne Trainings ab, wenn es an dem Tag wirklich zu heiß ist und passen an wärmeren Tagen das Training ggf. an.

    Dazu ein Vetcheck jedes Tieres nach dem Start.

    Das bringt nicht viel, da sind die Tiere noch voller Adrenalin und zeigen oft noch keine/wenig Schmerzen. Im Windhundsport werden alle Hunde am Beginn der Veranstaltung dem Bahn-TA vorgeführt (das ist idR so früh, dass die Hunde den Hasen noch nicht gesehen/gehört haben und somit noch mehr oder weniger entspannt sind); Hunde unter 2 und über 6 nochmal in der Pause zwischen beiden Läufen. Stürzt ein Hund im Lauf, so muss er auch zum Bahn-TA (nach einer Abkühlungsphase).


    Und strengere Konsequenzen, wenn das Tier dort eben irgendwelche Auffälligkeiten zeigt.

    Das muss man deutlich differenzieren. Es kann immer mal vorkommen, dass ein Hund sich beim Sport verletzt. Jin kam auch mal hinkend vom Coursing zurück. Und ja, das letzte Mal führte dazu, dass sie nun im Alter immer mal wieder Probleme mit der Sehne hat. Auch ihre Zehengelenksarthrosen kommen von dem Sport. Das ist das Risiko und sind die Nebenwirkungen von Hochleistungssport. Trotzdem bereue ich es nicht, dass Jin im Sport laufen durfte - zumal es keinen Unterschied macht, ob ich sie nur an Training hätte teilnehmen lassen. Der Hund strengt sich beim Coursing immer gleich an, der unterscheidet da nicht zwischen Training und Wettbewerb.


    Aber ich denke hier tatsächlich gerade an Sommerveranstaltungen und Dynamik. Agi fällt mir da als absoluter Klassiker ein ohne dem Sport unrecht tun zu wollen!

    Schadet aber nunmal den Hunden auch nicht. Alle Hundevereine bieten Wasser (aus'm Schlauch) zur freien Verfügung an, um die Hunde vor/nach dem Lauf nass zu machen, an warmen Tagen stehen oft noch Wasserbecken rum. Oft viele Schüsseln/Eimer im Start/Ziel-Bereich, so dass die Hunde schnell trinken können.

    Die Hunde bringen 1 Minute Leistung (oft deutlich kürzer) - das reicht für einen gesunden, gut trainierten Hund nicht, um zu überhitzen. Schon gar nicht, wenn man ihn beim Runterkühlen unterstützt.

    Im Windhundsport ist Training bis 27°C (oder 28? irgendwas um den Dreh) erlaubt. Aber Jin ist auch schon bei einer Veranstaltung mit ü 30°C gelaufen. Der Veranstalter hat zum zweiten Durchgang (beim ersten war's noch nicht so warm), die Temperatur durchgegeben und den Haltern frei gestellt, ihre Hunde zurück zu ziehen. Ich hab mich dagegen entschieden, weil Jin jung, fit und hitzetolerant war. Auch hier war für ausreichend Wasser im Start/Ziel-Bereich gesorgt. Jeder hat seinen Hund spätestens nach'm Lauf durch ein Wasserbecken geführt.

    Beim Coursing hatte ich übrigens gar keinen Ehrgeiz, weil du da komplett auf die subjektive Beurteilung der Richter angewiesen bist. Ich hab den Sport vor allem gemacht, weil Jin daran so viel Spaß hatte.


    Hundesport-Training - egal ob nur zum Spaß oder mit Turnierambitionen - findet übrigens auch im Sommer statt. Ich kenne keinen Hundeverein, der eine Sommerpause macht. Ja, Hunde sind idR hitzeanfälliger als Menschen. Nein, deswegen kippen Hunde nicht gleich um, wenn sie sich bei warmen Temperaturen ein bisschen anstrengen müssen. Weder im Freizeit- noch im Turnierbereich.

    Also hier hat zumindest die 14Jährige Ommi mehr Wettkampf im Blut, als ich. :ugly: Wenn jetzt nen Canicrosser uns überholt, während wir ganz normal spazieren gehen, wünscht die Ommi sich nichts sehnlicher, als das tote Fleisch (mich) in Bewegung zu setzen und mitzurennen. Und da ist noch nicht mal mehr die Wettkampfstimmung von nem Rennen. Nur ein einzelner Canicrosser. Ihr fehlt das tatsächlich und sie ist glücklich, wenn sie als Pacemaker beim ganz normalen Joggen ganz alleine vorne läuft und ich den Rest der Bande davon abhalte, zu ihr auszuschließen.

    :ka:

    Das erinnert mich an mein letztes Mal, dass ich auf einem Pferd saß: Alter Vollblüter, sollte nicht mehr Galoppieren, weil er's mit der Lunge hatte. Sah er anders als uns der Radfahrer überholte :ugly: Was war ich dankbar für den Seitenweg, in den ich ihn lenken konnte. (dass ich nicht mehr reite, liegt aber nicht an dem Kerlchen, sondern einer Hobbyveränderung)

    Ich bestätige also: Tiere können ziemlich ehrgeizig sein.

    Der Ehrgeiz liegt bei mir im Agi bei einem tollen Lauf mit dem Hund, den Parcours zu meistern. Je nach Parcours auch darin, platziert zu werden - also oft sieht man ja schon beim Ablaufen, wie gut der Parcours einem liegt/wo die Schwierigkeiten sind/wie "schlimm" die Schwierigkeiten sind. Gerade mit Jin hatte ich (wg. Ausbildungsfehlern meinerseits) halt auch einige Schwächen. Aber wenn der Parcours ansich für uns gut laufbar war, dann ging ich auch mit der Ambition platziert zu werden, in den Parcours. Jetzt mit Sookie ist's noch anders, wir müssen in Turnieratmosphäre noch etwas zueinander finden (was aber schwierig ist, weil ich dauernd krank bin und wir daher nicht starten).

    Und so in etwa ist's bei den meisten Agi-Sportlern, die ich kenne. Man läuft schon mit dem Willen platziert zu werden - das deckt sich ja idR eh damit, den Parcours bestmöglich zu meistern. Am Ziel wird eigentlich jeder Hund bestätigt - ob man letztlich platziert ist, weiß man ja oft eh erst am Ende aller Läufe. Fast immer wird mit einem Hund trotz Disqualifikation weiter gelaufen, damit der Parcours für den Hund gut endet.

    Vereinzelt gibt es auch mal Leut, die ihren Frust am Hund auslassen, indem sie z.B. nicht loben. Korrekturen im Parcours gibt es aber tatsächlich auch hin und wieder. Manchmal gerechtfertigt, manchmal nicht.

    Übrigens, weil irgendjemand das erwähnte: ich hab Jin bei der Wippe auch immer angebrüllt - weil die Wippe je nach Winkel für den Hund wie der Steg aussieht und Jin ein einfaches "Wippe" nicht so richtig wahrgenommen hat, was zu Flugwippen (Absprung am Kipppunkt - nicht sehr gesund für die Gelenke) geführt hat. Mit "WIPPE!" hingegen hat sie die Wippe als solche erkannt und die nötige Vorsicht walten lassen. Als Strafe hat Jin den Ruf nicht wahrgenommen, nur als Hinweis, dass sie aufpassen muss. Also manchmal kann manches für den Aussenstehenden schärfer wirken, als es es für den Hund tatsächlich ist.

    Meine Agi-Trainerin wurde auch schon disqualifiziert, weil sie versehentlich das Zeckenhalsband am Hund gelassen hat.

    Eine Turnier-Bekannte wurde disqualifiziert, weil sie nach Beenden des Laufs ihren Hund im Genick gepackt hat - allerdings, weil ein Läufer davor unbemerkt ein getrocknetes Schweineohr verloren hat und die Bekannte nur gesehen hat, dass ihr (verfressener) Retriever irgendwas aufgenommen hat und sie es ihm aus dem Maul ziehen wollte.

    Im Windhundsport musste mal eine Bekannte fix ihre Maulkörbe anpassen, weil diese unten geschlossen waren (also mit Fressschutz), was lt. PO nicht erlaubt ist - hätte sie die Maulkörbe nicht geändert, hätten ihre Hunde nicht starten dürfen.


    Kurz: in meinen Sportbereichen gibt es durchaus Konsequenzen, wenn man gegen die PO verstößt.

    Ich glaube das kann tatsächlich ganz unterschiedlich sein. Ich meine niemand spricht ja davon, nicht zu trainieren. Sondern nur keinem Wettbewerb zu besuchen.

    Aber ohne Wettkämpfe gibt es keine PO (PRÜFUNGSordnung), also kein Regelwerk, welches vorschreibt, wie alt der Hund sein muss, um dieses oder jenes tun zu dürfen.

    Im Windhundsport ist z.B. vorgeschrieben, ab welchem Alter ein Hund überhaupt vollständig am Training teilnehmen darf und in welchem Alter an Turnieren.

    Beim Agility ist neben dem Mindestalter fürs Starten z.B. auch der PO zu entnehmen, dass ein Slalom erst ab der A1 gestellt wird - womit klar ist, dass ein Anfängerhund dieses Gerät nicht können muss. Nun tauchen im Verein aber gelegentlich Leute zum Probetraining auf, die schonmal daheim angefangen haben zu trainieren, sie haben zwar noch nie Agi gemacht, aber so ein paar Hindernisse kann man ja günstig kaufen. Und dann steht da der knapp 1 jährige Hund und kann schon den Slalom - die Leut verstehen gar nicht, warum ich darüber entsetzt bin. Leider war diesen Leuten dann das Training bei mir zu langweilig und sie sind nicht wieder gekommen. Schade für den Hund, der ohne die Grundlagen zu kennen geschweige denn zu können mit Spaß-Agi "ausgelastet" wird...

    Das ganze Wissen um den Sport, wie bildet man hundegerecht aus, wie stellt man die Hindernisse sicher/wie legt man den Parcours sicher etc. entsteht doch durch den Austausch. Austausch zwischen Menschen, der nur dadurch stattfinden kann, dass man sich trifft, dass man sieht, wie andre mit den Hunden umgehen etc.

    Nochmal ein Agi-Beispiel: früher war der Weitsprung aus Metall (Ausbildung: wenn der Hund rein springt, tut er sich ordentlich weh, das macht er nie wieder!). Seit einiger Zeit sind für Prüfungen Soft-Weitsprünge aus weichem Material vorgeschrieben. Mit was du daheim trainierst, das überprüft freilich keiner. Aber die meisten Vereine haben spätestens nach Änderung der PO auf Soft-Geräte umgestellt, weil sie sonst ja keine Turniere ausrichten können. Also die Motivation für hundegerechtes Training ist u.U. durch die PO mehr oder weniger höher als sie es ohne PO wäre.