Bei letzterer kann man bisher noch nicht bewusst auf Hitzetoleranz selektieren. Es gibt viel Forschung dazu um herauszufinden WAS diese Hitzetoleranz eigentlich genau ausmacht. Sitzt sie auf einem Gen, was macht ein "erfolgreicher" Körper überhaupt anders etc.
Es ist nicht unbedingt nötig zu wissen, welches Gen/welche Genkombination für ein Merkmal zuständig ist, um darauf zu selektieren. Das hat jahrhundertelang funktioniert bevor die Menschen überhaupt etwas von Genen wussten. Man züchtet "einfach" mit den Tieren weiter, die die Merkmale aufweisen, die man möchte oder denen die Merkmale fehlen, die man nicht möchte. Natürlich geht das mit dem Wissen um Gene und Vererbung einfacher, aber es ist auch ohne dieses Wissen nicht unmöglich.
Mir ist keine Studie bekannt bei der erfolgreich festgestellt wurde wie und ob auf heat tolerance selektiert werden kann, geschweige denn dass es gemacht wurde. Einfach immer die Guten zu nehmen hat da bis jetzt keine mir bekannten Fortschritte gezeigt. Wär ja auch etwas lustig. Hund 2.0 - jetzt neu mit extra Hitzeschutz!
Auch mit gezielter Zucht nur auf dieses eine Merkmal (die es freilich nicht gibt), bewegt man sich "nur" in dem von diesem Organismus vorgegebenen Bereich. Man kann den Bereich u.U. in einem gewissen Rahmen verschieben, aber nicht unendlich.
Windhunde sind hier auch ein Beispiel: Das Sprintvermögen, die Geschwindigkeit und die Regenerationsfähigkeit ist bei diesen Rassen gegenüber andren Rassen deutlich verbessert. Trotzdem geht es hier nicht unendlich weiter bzw. leiden z.B. bei Konzentration auf Geschwindigkeit irgendwann Geländetauglichkeit und Trittsicherheit, wodurch der Verletzungsrisiko steigt.
Ich hab keine Ahnung, ob jemand wirklich nur auf das Merkmal Hitzetoleranz selektiert. Ich denke eher, dass die Selektion "nebenbei" läuft. Mal ganz vereinfacht:
Wenn nun Schäfer A eine Hündin hat, die zwar ihre Arbeit gut macht, aber bei warmen Wetter einen Leistungseinbruch hat und dann bei seinem Schäferkollegen B sieht, dass dieser einen Rüden hat, der auch bei Hitze gut arbeitet, so wird er diesen Rüden (sofern der Rest auch passt) vmtl. als Vater für den nächsten Wurf wählen. Hat nun Schäfer C einen Hund, der bei Wärme zu nichts zu gebrauchen ist und sieht, dass Schäfer A und B mit ihren Hunden auch bei Wärme noch arbeiten können, so wird er sich vmtl. einen Hund aus diesem Wurf als neues Arbeitstier kaufen. Aber natürlich auch das nur, wenn ihn grundsätzlich die Arbeitsleistung der Hunde von Schäfer A und B überzeugt - weil ein Hund, der bei Hitze zwar munter durch die Gegend rennt, dabei aber weder Ahnung von dem hat, was er tut, noch auf den Schäfer hört, möchte Schäfer C freilich nicht haben.
Natürlich läuft das real nicht geradlinig, weil immer noch mehr Merkmale reinspielen und manche Merkmale Generationen überspringen können. Aber mit Blick auf die Merkmale, die einem wichtig sind, so verschieben sich die gezüchteten Tiere mit der Zeit in die Richtung, in die man sie haben möchte. Allerdings alles natürlich in einem gewissen Bereich. Eiweise denaturieren nunmal bei einer bestimmten Temperatur - das lässt sich auch durch Zucht nicht ändern (vllt irgendwann mal durch Gentechnik).