Unabhängig vom Geschlecht, wonach habt ihr "ausgewählt"? (oh, das klingt so schrecklich)
tja... nicht so viel. Oder anders. Ich habe gesagt, wenn ich einen Zweithund möchte, dann gerne aus Dobby (Jins Halbschwester), weil diese ein unglaublich offener und fröhlicher Whippet ist und ich das als Ergänzung zu Jin passend und auch für meine Kolleg*innen im Büro gut finde.
Dann wurde Dobby für meine Planung ein Jahr zu früh Mutter (von der Züchterin schon geplant). Tja, also eiiigentlich kein Welpe für uns dabei. Aber die Züchterin war sich relativ schnell sicher, dass Sookie gut zu uns passen würde - die Züchterin und ich sind gut befreundet, sie weiß also, was ich von meinem Hund erwarte (Alltagsbegleiter und Agility) und kennt Jins Eigenheiten (kann relativ ruppig sein). Sookie war die neugierigste, mutigste und taffeste des Wurfes. Dazu noch ein kleiner Wirbelwind, aber gleichzeitig auch super verschmust. Eben passend zur ernsten Jin und zu mir.
Und wie habt ihr eine Zusammenführung gestaltet?
Nachdem ich praktisch alle Würfe der Züchterin seit Jin mehr oder weniger oft Besuche und fotografiere, haben Jin und Sookie sich schon mit 5 Wochen kennen gelernt. Also mehr oder weniger. Jin hasst Welpen
Hat aber sogar bei dem Besuch (oder war's bei dem drauf?) mal "versehentlich" mit Sookie gespielt. Aber sonst hat sie sich halt von den Welpen so gut wie möglich fern gehalten.
Naja, eigentlich sollte Sookie ja eh nicht bei mir einziehen. Also gab es nie irgendwelche Intentionen meinerseits, die beiden zusammen zu führen. Ich hab halt geguckt, dass Jin ihre Rückzugsmöglichkeiten von den Welpen hat bzw. von diesen nicht zu arg belästigt wird. Im Haus war das eh kaum ein Problem, weil Jin da einfach von den Welpenbereichen fern bleibt. Bei Spaziergängen hab ich halt ein bissle ein Auge drauf gehabt - aber eben so, wie bei jedem andren Wurf auch.
Und dann passierte es, dass das Schicksal entschied und ich Sookie relativ überstürzt zu mir holen musste (Mittwoch kam die Züchterin mit Verdacht auf Blinddarm ins KH, Samstag hat sie erfahren, dass es Krebs ist, Sonntag hab ich geholfen, die erwachsenen Hunde an Freunde zu verteilen und die noch vorhandenen Welpen an ihre Eigentümer zu übergeben - Sookie hatte noch niemanden, also nahm ich sie). Ich hab dann auch gar nicht groß nachgedacht und Sookei am Nachmittag, als wir heim fuhren, einfach zusammen mit Jin auf die Rücksitzbank des Autos "geworfen". Joa, da Sookie recht aufgeregt war, gab's dann nach wenigen Minuten gleich mal einen heftigen Einlauf von Jin (inkl. blutigen Kratzern). Die restliche Fahrt (ca. 1h) war dann ruhig. Raus ausm Auto die Hunde erstmal im Garten rumlatschen lassen. Da hat Sookie dann schnell ihr Selbstbewusstsein wieder gefunden und ging fix ganz unbefangen mit Jin um.
Jin war zu dem Zeitpunkt 8 Jahre alt, bei mir seit sie 12 Wochen alt ist und hat zwei Welpen miterzogen (die Welpen meiner Schwester). Ich wusste also, dass Jin manchmal hart ist, aber dabei auch sauber, so dass mehr als Kratzer oder auch mal kleine Löcher nicht passieren. Ja, mag für manche unschön sein, aber Hunde bilden nunmal keinen Stuhlkreis, sondern nutzen ihre 42 Argumente. Ein sensibler/schüchterner Welpe wäre daher hier aber auch nie eingezogen - der wäre hier nicht glücklich geworden.
Ein Rüde stand nie zur Debatte, weil ich schlicht nicht weiß, wie das funktionieren soll. (Wie sollen die sich kennenlernen, wenn Henry Rüden per se schon komplett unnötig findet?)
Aber ich kenne einige, wo es gut klappt, wobei ich nicht bei allen weiß, wie alt die jeweils waren, also Welpe (findet Henry auch unnötig) zu vorhandenem Hund oder erwachsener Hund zu erwachsenem Hund.
Wie du vielleicht meinen Ausführungen entnehmen kannst: Jin ist in manchen Dingen kein ganz einfacher Hund, in mancher Hinsicht auch total whippetuntypisch. Daher habe ich lernen müssen, wie ich Jin führen muss, damit sie einen anderen Hund akzeptiert. Das geht mittlerweile so nebenbei, dass die Trainerin des neuen Social Walks beim ersten Spaziergang ganz überrascht war, wie "brav" Jin ist - sie wirkte aufgrund meiner Führung einfach nicht so, als habe sie ein Thema mit Fremdhunden.
Also grundsätzlich musst du wissen, ob und wie du deinen Hund mit Hunden bekannt machst, die er auf den ersten Blick unsympatisch findet. Je nach Hundetyp darf halt beim ersten Treffen das Ziel gar nicht sein, dass die Hunde direkten Kontakt haben, sondern nur, dass sie gemeinsam an der Leine in Abstand x miteinander spazieren gehen können.
Welpe macht es in dem Punkt einfacher, dass dieser noch wenig Statusstreben oder sexuelle Neigungen mitbringt. Also, als hier eine Freundin von meinen Mädels zu Besuch war, hatte ich schon im Vorfeld in bisschen Bauchgrummeln, was passiert, wenn Jin tickt - würde die andre Hündin dagegenhalten, könnte daraus eine Beißerei entstehen. Ein Welpe unterwirft sich in einer solchen Situation einfach bzw. flüchtet (jedenfalls von den Rassen, die ich näher kenne). Heißt natürlich nicht, dass ich bei einem Welpen mit den Situationen, in denen Jin ticken kann, sorglos umgehe - ich versuche sie genauso zu vermeiden und zu managen, wie bei jedem andren Hund auch. Nur ist man halt ein Mensch und keine Maschine und so passieren mal Unaufmerksamkeiten.
Bei einem erwachsenen Hund muss man halt u.U. zwei Hunde gleichzeitig managen.
Allerdings, wenn dein Hund nun kein unverträglicher Beißer ist, sollte sich der Aufwand eigentlich im Rahmen bewegen - egal, ob Welpe oder erwachsener Hund einzieht.
Eine Garantie, dass beide Hunde sich hinterher richtig gut verstehen, miteinander spielen und kuscheln, hat man ohnehin nie. Selbst wenn bei Probespaziergängen vorher die Hunde viel miteinander spielen, können sie sich nachher als Wohngemeinschaft nicht so pralle finden.