Liebe TS - ich kenne mich leider nur allzu gut damit aus, aber einen Rat der auf alle Hunde zutrifft kann ich Dir so nicht geben, weil es einfach an zu vielen Faktoren hängt, die dabei eine Rolle spielen.
Ich beschreibe Dir mal ungefähr was ich alles gemacht habe und welche Rituale bei uns gefruchtet haben.
Meine Dame ist jetzt 13 Jahre alt, war von der ersten Minute an bei mir und lebte mit beiden Elterntieren zusammen.
Das bei uns etwas schief gelaufen ist, habe ich erst vor 1,5 Jahren richtig zu spüren bekommen, als nämlich mein Rüde ( der Vater ) im Alter von 14 Jahren über die RBB ging. Bis dahin war es für mich ein ganz normaler Vorgang, dass meine Dame, wenn sie motzte von ihrem Vater in die Schranken gewiesen wurde und gut war.
Als ihr Vater nicht mehr da war, bekam ich immer mehr Probleme zu spüren, die ich mir im Traum nicht hätte vorstellen können. Ich wurde von Tag zu Tag unsicherer, ich hatte Schweißperlen auf meiner Stirn stehen, schon bevor ich überhaupt losging. Nichts konnte mir, einem Menschen, der Angst vor unbekannten Situationen überhaupt nicht kannte, nehmen. Hart ausgedrückt - ich war allein mit meinem Hund völlig hilflos überfordert. Sich das einzugestehen war für mich ein Schlag ins Gesicht, denn ich habe mit 3 Hunden keine Probleme gehabt und jetzt mit nur einem Hund war ich einfach machtlos? Was war passiert ? Eigentlich nichts - ich bin nur von einem in ein anderes Bundesland gewechselt, habe mich immer auf meinen Rüden verlassen, was mir irgendwann bewußt wurde, dass eigentlich er immer der war, der meine Dame in die Schranken wies und letztendlich beschloss ich, mich den neuen Anforderungen zu stellen. Bis zum Ableben meines Rüden, war er derjenige, auf den sich meine Dame stützte. Sprich er war ihr Halt und nun begann für uns das Abenteuer neue Bindung aufbauen.
Hatte ich Anfangs den Fehler gemacht allen und in jeder Situation auszuweichen, gab es immer öfter Situationen wo ich es nicht mehr machte. Manchmal konnte ich nicht mehr ausweichen, manchmal wollte ich es nicht mehr. Ich habe Kontakte zu anderen Hunden eh nicht zulassen können, da war/ ist Madame immer noch ein Proll. Also gab es eine Hündin, die wir als Übungshund haben. Auch diese Hündin ist sehr unsicher, aber es ist heute die einzige Hündin, die zwar kurz angebellt wird, mit der wir aber trotzallem sehr gute Fortschritte gemacht haben. Im Freilauf zeigte mir Madame, dass sie eigentlich mich beschützen will, denn ich übertrage immer noch meine Unsicherheit. Meine Angst, mein Hund könnte einen anderen verletzten - eine völlig falsche Interpretation - umgedreht ist es der Fall - mein Hund versucht den Feind, vor dem Frauchen ja Angst hat zu verscheuchen
Halt mal - Frauchen Angst vor anderen Hunden - nein - nur Angst, dass fremder Hund die Kommunikation meines Hundes mißversteht. Und so dreht sich alles immer wieder im Kreis.
Ich nehme meinen Hund heute und wenn ich merke meinem Hund ist die Situation unangenehm, dann gehe ich aus dieser raus, aber ich sitze einiges auch aus mit ihr. Soll heißen, wir beobachten aus sichere Distanz das Geschehen, früher hab ich meinen Hund überschwenglich gelobt, wenn mal was funktioniert hat, Fakt war - kaum kam Belohnung, war mein Hund in sein altes Muster zurück gefallen, also gibt es ein ruhiges und leises Super gemacht. Merke ich mein Hund wird unruhig, drehe ich mich um und baue die Situation neu auf. Ich habe heute noch nicht alles im Griff, aber ich kann heute entspannter manche Situationen angehen.
Nun weiß ich ja, dass alles Zeit braucht, aber um so länger so eine Situation andauert um so mehr verschärfen sich auch alle Probleme und glaub mir eines - die Zeit ( 1,5 Jahre ohne meinen Rüden ) haben mir so manches graue Haar beschert.
Wenn Dein Hund aus dem TH stammt, frage dort nach, ob es nicht möglich ist einen Trainer an die Seite gestellt zu bekommen, der Dir erstmal wieder eine gewisse Sicherheit zurück gibt - ohne die bist Du immer der Verlierer - ob Du willst oder nicht.
Entschuldigung für den Roman.
LG Susanne und Xena