Beiträge von terriers4me

    Das ist so eine jein-Sache, heißt: kommt auf den Terrier an!

    Natürlich können auch die bis zu einem gewissen Grad "Burgfrieden" lernen und wildern nicht einfach so in der Gegend rum - andererseits sind nun mal viele noch sehr ursprüngliche, natternschnell zufassende Hochleistungs-Jäger darunter, deren Instinkte du nicht unterschätzen solltest.

    Meine Russellhündin (allerdings aus jagenden Eltern) ist zwar eigentlich ein sehr sanfter, weicher und gehorsamer Hund - aber bei Beute wie Kaninchen oder wegrennenden Katzen würde ich ihr, obwohl sie sich im Kommando halten läßt, abgeleint keinen Millimeter trauen. Eine Nanosekunde Unaufmerksamkeit von mir, und sie würde abgehen.


    Sicher ließe sich daran weiter arbeiten, wenn ich's unbedingt wollte, aber mir wäre es zuviel Streß für alle Seiten, mir erst einen Jäger zu holen und ihn dann fürs Jagenwollen dauerzudeckeln - ich würde einfach die Leine am Hund lassen, ihn eben nicht allzusehr in Versuchung führen, und gut wär's.

    Übrigens würden wir uns hier sicher alle über ein bißchen "Jagdterrierlatein" freuen - wenn die kleinen Ungeheuer alles lebend überstanden haben, sind die Stories ja oft sehr nett...LOL

    Fang ich mal an: "Unserer" ist sogar in die Islandpferde-Geschichte eingegangen - sein Auftritt bei den ersten Töltmeisterschaften Anno 1971 war jedenfalls ein Highlight seiner Räuberkarriere.

    Da sollte einer der Großen der damaligen Szene (auch noch der Hausherr!) das Pferd seiner Besitzerin, pardon: das Pferd des Terriers! reiten. Kaum hatte er den Fuß im Bügel, hatte er a.) Löcher in der Reithose (diese altmodischen Breeches konnte terrier wunderbar totschütteln!) und b) einen ziemlich fiesen Gebißabdruck am Hintern: Dem Rüden nahm niemand ungestraft weg, was seins war!

    Seinem Frauchen hat er dann beim Abpflücken vom Meister-Hintern gleich noch den Mantel zerlegt, weil er nun schon mal dabei und ärgerlicherweise die Beute los war. Die nahm sowas aber generell geduldig ("er ist nun mal jähzornig...").

    Alle anderen, inklusive seines nur noch beschränkt reitfähigen Opfers, lachten sich zum Glück auch kaputt, und die Story ging in die Legende ein. Heute würde der Kerle vermutlich einen Extra-Ordner beim Ordnungamt kriegen...

    Kann ich nur zu gut verstehen - mein Jagdterrier-Jugendfreund, der, wie ich hier schon mehrmals geschrieben habe, in den Sechzigern vom Tierheim als "Pudelmixwelpe für die Kinder" an nichtsahnende Großstädter (meine Freunde) vermittelt wurde, hätte auch locker seine Memoiren schreiben können - vermutlich meist als Krimi....LOL

    Wir haben das kleine Ungeheuer wirklich geliebt wie sonstwas, unglaublich viel Spaß mit ihm gehabt, und da er fast zwanzig wurde, muß er sein Leben auch durchaus genossen haben. Aber bei aller Liebe - so einen würde ich mir NIE ins Haus holen, wenn ich ihm nicht regelmäßig - mindestens - eine schöne Sau bieten könnte. Das sind einfach Profis durch & durch - aber in ihrem Wahn wirklich absolut bewundernswert.

    So hart das jetzt sein mag: Verantwortung hast du nun mal in erster Linie deinem Baby gegenüber, das mit so einem Hund in ständiger Lebensgefahr wäre - Tag für Tag, rund um die Uhr. Spätestens sobald es krabbelt, wird er es ernsthaft am Wickel haben, vermutlich aber schon viel eher. Was gibt es da noch zu überlegen?

    Normale Kommunikation so nach dem Motto: "Ich bin aber viel stärker als du!", also aufblasen, rumstaksen & Referenzen entgegennehmen, lasse ich zu. Gehört hier zum normalen Umgang bei -zig Hundebegegnungen täglich - Fräulein Terrier muß auch bei jedem Stärkeren ihr komplettes Unterwerfungsritual abspulen. Das schadet erstmal keinem, und die Hunde, die sich ständig treffen, wissen, was sie gerade voneinander zu halten haben. Die Konstellationen ändern sich ja ständig, oft nach Tagesform: Wer gestern angerüpelt wurde, ist heute ein idealer Spielpartner - und umgekehrt.

    Fängt sie aber an, mit Schubsen, Anrüpeln, Kopfauflegen & Co so nachzulegen, daß der Schwächere echte Angst zeigt, ist Schluß. Aus einer Begrüßung ruf ich sie dann raus (kommt sie dann nicht sofort, komme ich!)und gehe weiter, passiert es in einer Spielsituation, muß sie kurz abkühlen und bei mir bleiben. Geht's dann so weiter: Ende - dann paßt das heute einfach nicht, dafür vielleicht morgen.

    Bei Welpen hilft oft "Vorsicht!" zum Mäßigen. Da ist sie eh vorsichtiger, das war für beim Gerangel mit meiner bloßen Hand von Anfang an das Zeichen, nicht fester zuzulangen, und das kann sie tatsächlich auch auf andere Hunde "übersetzen". Da kriegen wir dafür meist das Problem, daß großrassige kleine Grobmotoriker schnell auf ihr rumtrampeln - dann bricht sie den Kontakt ohnehin selbst ab.

    Wer wann "abkippt", scheint auch berufsbedingt zu sein.

    Über die Jäger, bei denen es plötzlich *klick* macht, haben wir uns hier ja schön öfter ausgiebig unterhalten, und ich hab inzwischen die Erfahrung gemacht, daß es fast regelmäßig knallt, wenn ich den Terrier mit Hütehunden toben lasse. Die werden irgendwann so stocksauer, wenn sich diese kleine Flitzbeute ihrem ausgeprägten Ordnungssinn entzieht, daß sie versuchen, sie kräftig zu maßregeln, sobald sie sie haben - da reagieren Sheltie, Corgie, und Border Collie ziemlich identisch, und beim Aussie hat's sogar schon Löcher gegeben.

    Wenn ich schließlich weitergehen wollte, hat sie sich auch schon einige Male unter einem sehr zornigen Border wiedergefunden, der konsequent und ernsthaft versuchte, sie von mir "wegzuhüten" und ihr erst auf menschliches Eingreifen den Weg aus der "Hundeherde" freigab - ein Vorgehen, das einem Jagdhund so eher nicht einfiele.