die psychologische Gewandtheit der Autorin, der es hier gelingt, einen so traumatisierten und schmerzerfüllten Menschen wie Jude realistisch und nuanciert zu beschreiben, voller Feingefühl und doch zugleich schonungslos.
Allein dafür lohnt es sich meiner Ansicht nach schon, diesen Roman zu lesen, denn selten gelingt einer Autorin solch ein Drahtseilakt so elegant. Und was sie schreibt, tut weh und bohrt sich ins Herz - eben weil es so unverstellt und echt ist.
DAS fand ich gerade nicht.
Jude ist das personifizierte Superlativ des seelischen Leidens. Alles ist sehr viel, sehr intensiv, sehr schmerzhaft - und irgendwann dann auch sehr anstrengend.
Das Elend türmt sich auf hunderten Seiten ohne je zu kippeln, Jude bleibt während all dem ein sehr höflicher (das permanente, stereotype "Es tut mir leid") und sehr ausdauernder Leidender.
Das fand ich nicht authentisch, das war für mich ein Exempel im systematischen Vollstopfen eines imaginären Missbrauchsopfers mit viel zu viel Bombast.
Jude wäre ohne all das, und mit einer weniger messiasmäßigen Leidensfähigkeit ausgestattet, wesentlich wahrer geworden.