Hallo zusammen,
da wir ja einige Leutchen hier haben, die genau unter die Lupe nehmen, was ihre Hunde zu fressen bekommen, bzw. wieso ja oder nein, dachte ich, man könnte hier ein paar Feinheiten klären, über die oft nicht so nachgedacht wird, die mich aber (und bestimmt noch andere User) beschäftigen.
Punkt 1: Tierische Fette
Sie sind ja in einigen Futtern extra enthalten. Ist das Futter sonst zu fettarm? Was sind Vor- bzw. Nachteile?
Und dann habe ich gehört, dass in Fetten keine Allergene enthalten sind (also Lamm-Allergiker könnte problemlos Futter mit Lammfett fressen), ist das korrekt?
Das tierische Ausgangsmaterial, also das Fleischmehl, ist ein entfettetes Produkt, daher muss das Fett entweder während der Produktion oder bei Extrudern als Abschluss (das wird gemischt mit den Viaminen aufgesprüht) wieder zugefügt werden.
Wenn das Fett wirklich ganz frei von Proteinresten ist, dann ist es für einen Allergiker egal, woher das Fett stammt. Allerdings sind nicht alle Fette immer ganz frei von Proteinen, daher gibt es manchmal trotz eigentlich passendem Allergiefutter Probleme.
Punkt 2: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche, Kohlenhydrate
Dies sind Begriffe, die man hier öfter liest, ohne dass viele darüber Bescheid wissen, worauf es da zu achten gilt.
Was sollten Mindest- bzw. Höchstwerte sein? Was für Folgen kann weniger bzw. mehr haben? Was verbirgt sich generell hinter diesen Begriffen? (Es gibt nen netten Wiki-Link dazu, hab ihn aber gerade nicht zur Hand)
Ich denke auch gerade an eine Aussage, dass viel Rohprotein und wenig Kohlenhydrate einem Hund mehr Power geben, als ihn hibbeln zu lassen. Dagegen würden wenig Rohprotein und viel Kohlenhydrate zu einem hibbeligen Hund beitragen. Was denkt ihr dazu? Und was ist für euch die richtige Mischung?
Wie verhält es sich in Trockenfutter und wo unterscheiden sich diese Werte zum Barfer?
Jetzt wirds kompliziert...
Also erstmal die Begriffe:
Rohprotein bezeichnet die Gesamtheit der Eiweissverbindungen in einem Futter, es sagt aber nichts über die Herkunft aus. Es können leicht verdauliche Proteine aus Fleisch, schlechter verwertbare aus Pflanzen oder unverdauliche aus Federn, Hufen, Hörnern sein. Es kann als sein, dass bei einem Futter, mit einem eher moderaten Proteinwert aus Fleisch die Versorgung des Hundes besser ist, als bei einem Futter mit sehr hohem Wert, der über eher minderwertige Proteine erreicht wird.
Rohfett bezeichnet das gesamte Fett im Futter, auch dieser Wert sagt nichts über die Wertigkeit aus, es kann "gutes" Fett sein oder altes Frittierfett oder Mineralöle (das wird aber in keinem Futter sein), da wird nicht unterschieden, was man mit Fettlösemitteln aus der Probe bekommt, bestimmt den Wert.
Rohfaser ist die Gesamtheit der unverdaulichen Bestandteile, das sollte man nicht mit Ballaststoffen verwechseln, denn die sind nur ein kleiner Teil der Rohfaser.
Rohasche sind die anorganischen Bestandteile, die nach einer Verbrennung übrig bleiben, also Mineralstoffe, Steinchen, Sand...
Kohlenhydrate sind mehr oder weniger komplexe Zucker.
In der Natur ernährt sich ein Hund eher kohlenhydratarm, da Beutetiere eben wenig davon enthalten. Da aber Fett teuer ist und Getreide die Verarbeitung eines Fertigfutters erleichtert, wird es gern ins Hundefutter gepackt.
Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen, das kann aufputschen. Dazu kommt bei einigen Hunden das Problem der Cerebralallergien, wer mehr wissen möchte bemühe das Netz
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Ich selbst nutze Fertigfutter nur selten für die Hunde, daher stört mich Getreide im Futter eher nicht, ich gehe mal zu Mc Doof.
Ich stelle jetzt mal eine Vergleichsrechnung für euch an:
Mein Hund benötigt am Tag 500g Pansen.
Pansen enthält 15,3% Rohprotein, 2,6% Rohfett und 1,6% Rohasche, also bekommt mein Hund mit dieser Mahlzeit 76,5g Rohprotein, 13g Fett und 8g Rohasche.
Vom Josera Festival muss ich tägl. 300g geben, das enthält 26% Rohprotein, 16% Rohfett und 6,5% Rohasche, also bekommt mein Hund dort 78g Rohprotein, 48g Fett und 19,5g Rohasche.
Wenn man jetzt noch rechnet, dass 100g Festival etwa 385kcal hat und Pansen nur auf etwa 86 kommt, dann stellt sich wirklich die Frage nach der Verdaulichkeit, bzw. in wie weit der Hund die enthaltenen Kohlenhydrate verwerten kann.
Punkt 3: synthetische Zusätze
Für viele Leute fallen Futter weg, in denen synthetische Zusätze sind. Was sind eure Argumente gegen synthetische Zusätze? Ist es schädlich, noch Vitamine etc. hinzuzufügen, wo auf Grund der Herstellung verloren gegangen ist, was Hund braucht? Was davon braucht der Hund aber genau? Und in den Mengen, in denen es enthalten ist?
Gibt es überhaupt Extruder ohne synthetische Zusätze? Oder ist es auf Grund der Herstellungsverfahrens ein Widerspruch in sich?
Hummel hat ja eigentlich alles gesagt. Es ist weder bewiesen, dass synth. Vitamine die gleiche Wirkung haben wie das Naturprodukt, noch kennt man die wirklichen Bedarfswerte für Hunde.
Extruder ohne Vitaminzusätze gehen nicht, da die Vitamine den Herstellungsprozess nicht überleben. Man muss auch an der Qualität der anderen Bestandteile zweifeln. Wer mal ein 30-Minuten-Ei gegessen hat, weiß wie dieses verkochte Protein im Magen lag und das Ei wurde vergleichsweise sanft behandelt.
Punkt 4: Getreidefreiheit
Wieso füttern wir getreidefrei? Weil Hunde keine Getreidefresser sind? Aber was ist mit Mageninhalt etc. von Tieren? Ist da kein Getreide drin? Können es Hunde nicht verwerten? Oder sind es nur wir, die es nicht im Futter haben wollen?
Ich meine, man muss nicht Weizen, Mais, etc. als Hauptbestandteile haben, aber was spricht gegen geringe Prozentzahlen? Schadet das unseren Hunden?
Wenn ich mir die Hochleistungsfutter „High Energy“ etc. anschaue, ist fast überall Getreide enthalten, aber warum? Ich meine, gibt es mehr Energie oder was wird damit bezweckt?
Wenn man ganz natürlich denkt, dann würde der Mageninhalt der Beutetiere getreidefrei sein, weil es kein Getreide gibt, das ist schließliche eine menschliche Erfindung.
Generell finde ich die meisten Futtersorten zu kohlenhydratreich für Hunde, dabei ist es mir egal ob die aus Getreide, Bananen oder Kartoffeln stammen. Kohlenhydratreiches Futter scheint für Hunde schlecht verwertbar zu sein. Wenn man bedenkt, dass Proteine und Kohlenhydrate den gleichen Energiegehalt besitzen, dann verwundert es doch sehr, dass man bei minderwertigen Futtern enorme Mengen füttern muss, so gering ist der Fettgehalt dort nun auch nicht, also sind sie labortechnisch nicht sonderlich energieärmer.
Hochleistungsfutter lassen sich nur sehr sehr schlecht im Kaltpressverfahren herstellen, mir fiele nur Köber ein. Wenn ich dort nachrechne, komme ich auf einen Kohlenhydratgehalt von etwas über 20%, das ist recht wenig. Aber die Kroketten sind sehr bröselig, weniger Getreide würde wohl zu Pulver führen.
Ansonten stellen ja nur die normalen Hersteller Hochleistungsfutter her, dort wird traditionell mit Getreide gearbeitet. Bei Josera bleiben z.B. über 30% Kohlenhydrate beim Hochleistungsfutter.
So, das waren erstmal meine Punkte und ich hoffe auf eine nette informative Diskussion, bei der auch stille Mitleser etwas lernen können. 