Man muss seinem Hund den Napf wegnehmen können...... das hört man so oft. Aber leider ist es nur die halbe Wahrheit - denn wie man dahin kommt, das wird einem nicht gesagt.....
Ich versuchs mal zu erklären:
es ist Sonntag abend, Kühlschrank so gut wie leer, Du hast den ganzen Tag nichts gegessen, mords Hunger und machst Dir ein Wurstbrot. Gerade, als Du Dich hinsetzt und den ersten Bissen machst, kommt jemand und nimmt Dir den Teller samt Brot weg.
Entweder pampst Du ihn an: "er soll Dir sofort Dein Essen zurückgeben" oder es wäre jemand aus der Familie und Du würdest verzichten, weil Du weißt, morgen haben die Geschäfte wieder auf, Du kannst Dir was kaufen.
Dein Hund hat Hunger und Du stellst ihm das Fressen hin. Du nimmst es ihm einfach weg und Hund pampt Dich dafür an, indem er knurrt. Der Hund möchte nicht verzichten, weil er eben nicht weiß, dass es gleich anschließend wieder was gibt oder wie bei Dir morgen die Geschäfte wieder auf sind. Er ist viel einfacher gestrickt: Fressen bedeutet Überleben, kein Fressen bedeutet Verhungern. Ein Hund denkt nicht an Morgen, er hat nicht die Vorstellungskraft zu wissen, was dann sein wird, er lebt im hier und jetzt.
Es gibt zwei Gesichtspunkte des Fressen wegnehmens oder abgebens im Tierreich:
- die natürliche Selektion, das heißt die starken, gesunden Tiere fressen zuerst um den Fortbestand der Rasse zu sichern. Das führt teilweise zu erbitterten Kämpfen, ist aber das, was bei uns in der Wohnung mit Haushund nichts zu suchen hat - der harte Kampf ums Überleben. Kein Mensch will sich mit seinem Hund ums Fressen prügeln. Völlig sinnfrei in der Welt des Familienhundes.
- das Fressen wegnehmen als Erziehungsziel: der Weg führt einzig und allein übers Vertrauen. Da der Hund eben keine Vorstellungskraft übers "nachher" und "könnte sein" hat, soll dies ersetzt werden durch ein "vertrau mir, Du wirst satt, ich sichere Dein Überleben ohne Zweifel.
Das ist für den Hund ein sehr schwieriges Lernziel, denn jeder Hund ist im Prinzip eine gespaltene Persönlichkeit:
Der Restwolf und das Haustier. Während alles, was vom Wolf noch da ist, dem Hund meldet: "Hau drauf, der will an deine Überlebensressource", musst Du es schaffen, dass der Teil Haustier in ihm diesen inneren Kampf gewinnt, also stärker ist als der andere.
Mit gewissen Mitteln, könntest Du es schaffen, dem Hund überlegen zu sein im Kampf. Wäre möglich. Dann hättest Du als Endergebnis entweder einen resignierten Hund, der sich mehr oder weniger damit abgefunden hätte, dass sein Überleben nur noch eine Frage der Zeit ist, oder einen, der nicht verzweifelt und den Kampf erneut aufnimmt - das heißt es wird nie ein friedliches Ende geben.
Oder Du gehst den Weg des Vertrauens - ich hoffe man konnte rauslesen, dass das ein Weg ist, keine Hau-Ruck-Aktion. Dein Hund hat einen Partner, bei dem er sich darauf verlassen kann, dass dieser sein Überleben sichert.
Wie Du sicher bemerkt hast, ist das, was man sieht, wenn man die Situation fotographieren würde - exakt identisch: ein Mensch nimmt einem Hund den Napf weg. Das man das darf, war das Ziel.
Dennoch ist die andere Seite dabei, der betroffene Hund, völlig anders darauf eingestellt.