Da würde ich mal ganz vehement widersprechen!
Eine enge Bindung ist für mich inzwischen nicht mehr nur positiv und wünschenswert. Bei meiner Nele, wiegesagt damals 13 Jahre, war es so, dass sie eine sehr starke Bindung zu mir hatte. Ich war die einzige Bezugsperson und sie war wirklich klasse. Diese Bindung hat sie mit ca. 6-9 Jahren entwickelt. Davor war sie ein Familienhund und ich noch zu jung. Achja, ich habe sie auch seit sie 8 Wochen alt ist.
Mit 10 Jahren wurde sie krank. Sie hatte immer wieder Durchfall aufgrund ungeklärter Ursachen. Inzwischen weiß ich, dass viel stressbedingt war. Sie hat sich nicht getraut, oder wollte nicht ungehorsam sein, also hat sie das quasi in sich rein gefressen.
Wenn ich schlechte Laune hatte, ging es ihr auch schlecht. Wenn ich ausgerutscht bin, hat sie mich gemieden, es hat sie sehr verunsichert. Das hat mich genervt, aber ich habe versucht das zu ignorieren, was kläglich gescheitert ist. Ich hab nicht geguckt, trotzdem wusste sie, dass ich es merke und schlechte Laune habe ergo noch mehr gemieden. Ich wurde ihr nie körperlich gegenüber, trotzdem hat sie so reagiert.
Mit ihrem Durchfall war es ähnlich. Ich hab mir Sorgen gemacht, sie hats gemerkt -> noch mehr Stress, weil ich ja unzufrieden bin.
Irgendwie hab ich das Gefühl sehr unklar zu schreiben, ich hoffe du verstehst trotzdem was ich meine.
Besser wurde es zum einen als ich eine Arbeit anfing in der sie mitkommen durfte. Wir waren den ganzen Tag draußen, aber ich hatte kaum Zeit für sie. Sie war vor allem auf sich selbst gestellt und musste schwierige Situationen vor denen ich sie früher beschützt hatte, selber bewältigen. Z.B. auf sie zu rennende laute Kinder.
Danach entschloss ich mich mir einen Zweithund zu holen. Janosch hat sie richtig aufblühen lassen. 2 Wochen war sie sehr zurück gezogen, nachdem ihr das aber nicht mehr Aufmerksamkeit einbrachte (ich war sehr mit Janosch beschäftigt) fing sie an aktiv zu werden. Sie forderte von sich aus mal gestreichelt zu werden, Leckerlies usw.
Auch diese Ausrutschgeschichte ließ sie schnell bleiben, da ich sie jetzt tatsächlich ignorierte, musste ja auf Janosch achten. Wurde ich sauer, dann meist weil Janosch Scheiß gemacht hat.
Der ist ein sturer Terrier und kein sensibler Hüti, also änderte sich auch meine Umgangsweise. Obwohl es jetzt eher lauter und grober wurde (im Vergleich, ich hab ihn nicht geprügelt oder so
), wurde Nele taffer.
Inzwischen (nach 2 1/2 Jahren) ist es so, dass sie endlich ihren eigenen Stiefel machen kann. Sie mag es zwar nicht wenn ich schlecht gelaunt bin, aber sie kann das jetzt besser ignorieren.
Sie ist wirklich sehr viel selbstbewusster geworden und sie hört auch mal nicht
Wenn ich dann lauter werde, kommt sie schon, aber sie lässt sich Zeit.
Ich bereue wirklich keine Sekunde, dass dieser Giftzwerg in unser Leben getreten ist. Unsere Bindung ist endlich nicht mehr so eng und Janosch fungiert quasi als Blitzableiter, was Nele sehr viel Druck nimmt. Den haben wir unbewusst aufgebaut.
ABER: Ich hätte nie nie nie einen Welpen zu ihr geholt. Da kannst du dir so oft du willst vornehmen du beachtest deinen Hund gleich viel, das wird nicht klappen. Der will 10x am Tag raus. Du wirst gestresst sein, weil plötzlich viel mehr los ist und der Welpe dich fordert. Außerdem ist so ein wirklich junger Jungspunt auch körperlich sehr anstrengend, die haben sich noch nicht im Griff.
Bei einem erwachsenen Hund kannst du vorher oft Kennenlerntreffen machen und gucken ob es klappt, beim Welpen ist sowas eher schwer bis unmöglich.