Beiträge von AnjaNeleTeam

    Es ist doch ein Unterschied, ob man eine Frage VOR einer Entscheidung stellt, um Argumente für oder gegen etwas zu sammeln, oder ob man eine Frage DANACH stellt, vielleicht um sich zu rechtfertigen, ein schlechtes Gewissen zu beruhigen o.ä.

    Es geht doch nicht für oder gegen einen Hund oder um für oder gegen Dummytraining. Mir gehts um den Zeitpunkt und um den Leistungsdruck der eben teilweise gemacht wird. Eine Gruppe zu finden und zu üben hab ich mir im Vorhinein echt leichter vorgestellt.
    Wegen der Therapiehundsache habe ich nach wie vor kein schlechtes Gewissen o.Ä. Hierbei bin ich mir recht sicher was mein Vorgehen angeht. Das steht hier auch nicht zur Debatte, ich habe lediglich Fragen beantwortet.

    Amelie (unser Curly) wäre für die Arbeit übrigens nicht geeignet gewesen - in sofern war es sicher gut, dass es damals mit der Vermittlung nicht geklappt hat - sie erträgt sowas,aber glücklich oder zufrieden ist sie nicht, wenn sie mit ins Büro kommt. Curlies neigen anscheinend dazu, einfach still zu ertragen - oft äußert sich das dann in sowas wie Zerstörung beim alleine sein, jammern oder auch in Fellproblemen.

    Bei ihr hat man im ersten Lebensjahr nun wirklich versucht ihr das Dummy madig zu machen - aber keine Chance, sobald sie bei mir das Dummy sieht, ist sie Feuer und Flamme und die Augen leuchten. Und sie bekommt hier keine spannenden Markierungen oder Gruppentrainings - hier gibt es für sie nur Fußarbeit, Haltetraining, Apportieren auf maximal 1m Entfernung und voran auf Futterschüsseln.

    Dass sie sich hier so schnell eingelebt hat und ihr altes Leben hinter sichgelassen hat, liegt auch mit daran, dass sie hier gearbeitet wird.

    Der Bruder meines Chessies sollte auch Therapiehund werden - es ging bis ca. 1,5 Jahre gut ... dann kam die Pupertät, unerwünschte Wesenszüge kamen nach und nach zum Vorschein, der Wach- und Schutztrieb kam hervor usw. ...


    Ja ich glaube inzwischen auch, dass es gut war, dass Amelie hier nicht eingezogen ist. Es wäre ihr sicher schwer gefallen, da sie nicht von kleinauf dran gewöhnt ist/war und ja auch noch nicht so gut alleine bleiben konnte.
    Das mit Oreo (?) hab ich mitbekommen, aber da scheint ja auch einiges schief gelaufen zu sein. Allerdings weiß ich das nicht genau. Wiegesagt, wenn ich bei Leo merke, dass es ihm damit nicht gut geht, dann wird er rausgenommen, aber bisher ist davon auch nichts zu sehen. Auch kein "stilles ertragen". Dafür habe ich durch Nele ein gutes Auge entwickelt.


    Ich muss ja gestehen, ich würde mir eine ganz andere Frage stellen:

    Wenn ich angeblich überzeugt davon bin, was ich tue und denke, dass ich weiß was gut für meinen Hund ist, wieso interessiert es mich dann derart was die anderen über mich und meinen Ausbildungsweg denken?

    Es fällt mir in letzter zeit immer wieder auf, dass enormen Wert darauf gelegt wird, dass der eigene alternative Ansatz bei möglichst vielen Anklang findet.
    Ich kenne mich mit Curlys nicht aus, ich weiß nicht ob der Hund geeignet ist für die vorgesehene Aufgabe oder ob ihm etwas fehlt, wenn das die Hauptbeschäftigung ist, aber ich würde mich mal ganz in Ruhe - muss nicht hier sein - fragen, wieso ich selbst daran zweifle, dass es genug ist.

    Denn anders kann ich mir das nicht erklären, dass man sich da so wahnsinnig Gedanken darüber macht, was die anderen auf dem Treffen denken könnten, wenn der Hund xy noch nicht kann.


    Also ich weiß nicht wie es bei anderen ist, aber ich persönlich bin ein eher unsicherer und nicht sehr selbstbewusster Mensch. Ich brauche häufig die Rückmeldung und Bestätigung von anderen. Wenn ich merke, dass die Rückmeldung nicht positiv ist, dann überlege ich, was ich besser/anders machen sollte.
    Mittlerweile ist es nicht mehr ganz so arg und ich versuche mir einiges nicht so zu Herzen zu nehmen und zu sagen "mir doch egal was andere denken" aber immer gelingt das nicht.

    Mir gehts ansonsten nicht so sehr darum ob es genug Beschäftigung für Leo ist. Da bin ich mir sicher, dass es genug ist, gerade in seinem Alter, sondern darum ob man mit bestimmten Rassen von kleinauf eine entsprechende Auslastungsart machen muss oder ob das auch später noch gut geht.
    Das wurde jetzt schon von einigen beantwortet und ich werde bei Leo darauf achten für was er sich sehr begeistern kann, für was nicht und wie ihm das ganze überhaupt gefällt.
    Was ich jedenfalls faszinierend finde, ist, dass Hunde wirklich ohne ihnen was beizubringen, nur genetisch schon gewisse Sachen mitbringen. Da er mein erster Rassehund ist, hab ich das vorher nicht so mitbekommen, aber wenn ich sehe wie selbstverständlich der irgendwas aus dem Wasser holt oder durch die Gegend trägt, dann find ich das schon erstaunlich. Gerade deswegen möchte ich gerne mit ihm Dummytraining machen, aber bisher war für intensives Training keine Zeit, weil wir anderweitig beschäftigt waren und der Hund ja auch seine Ruhepausen braucht.
    Und gut find ichs eben dann zu hören, dass auch mit einem Jahr noch alles drin ist. Das beruhigt mein schlechtes Gewissen, das ich eben habe, weil ich von vielen Retrieverhaltern mitbekomme wie früh die schon mit Übungen anfangen und wie weit der Hund schon ist. Da ich neu in der Rassehunde/Retrieverszene bin, kann ich das eben noch nicht so einschätzen und frage darum hier nach wie das andere sehen.

    So ich hoffe jetzt halbwegs nachzuvollziehen.

    Die Gründe habe ich ja oben beschrieben.


    @Liv
    Gerade beim Halten beibringen habe ich Schwierigkeiten. Ich versuche es so kleinschrittig aufzubauen wie möglich und die Abstände ganz langsam zu verlängern, aber entweder er will zergeln, oder spuckt es von alleine aus oder knautscht drauf rum. Aber wir werden weiter üben.

    Also erster Grund war: wenn er sich nicht eignet, soll er mir trotzdem gefallen (das hätte er wahrscheinlich trotzdem, aber manche Hunde sagen einem einfach mehr zu als andere)
    2. ich will keinen Hund der "zu nett" ist. Jugendliche sind nicht immer nett und müssen auch merken, dass man sich die Zuneigung eines Hundes verdienen muss. Ein Hund der alle mag ist da meiner Meinung nach fehl am Platz.
    3. Der Hund sollte freundlich, aber zurückhaltend sein. Im Juz ist es auch nicht angebracht, dass jeder stürmisch begrüßt wird ob bekannt oder nicht.
    4. Er soll sich nicht alles gefallen lassen, aber seine Konflikte nie nach vorne lösen. Trotz Schutztrieb neigen Curlies nicht zu bissigem Verhalten. Sie schützen eher durch ernsthafte Präsenz (weiß nicht wie ich es besser beschreiben soll). Im Ernstfall würde ein Curly wohl auch nach vorne gehen, aber da muss schon viel passieren und ich bin ja auch noch da ;)
    5. Ein-Mann-Hund find ich auch gut, weil er wissen soll wo er hin gehört und sich nicht von allen was sagen lassen. Gerade mit Kindern oder Jugendlichen hat man es oft, dass sie ständig irgendwelche Befehle sagen. Da finde ich es gut, wenn der Hund weiß darauf muss er nicht hören. (Nele hat das immer gemacht. Bei der war das quasi automatisch. Kann in Stress ausarten)
    6. er muss mit mir zusammenarbeiten wollen
    7. Ängstlichkeit oder Stressanfälligkeit sind nicht erwünscht.


    Mit der Züchterin habe ich lange darüber gesprochen. Ich habe ihr meine Arbeit geschildert, sie hat mir von ihrem erwachsenen Rüden erzählt und beide waren wir danach der Meinung, dass es passen wird.
    Und bisher passt es auch. Leo erfüllt so ziemlich alle Erwartungen. Er ist einfach gechillt, freundlich und offen, aber in der Arbeit nie überdreht.
    Es hätten sich sicher noch andere Rassen geeignet, ich habe mir da auch lang Gedanken drüber gemacht, aber ich bin der Meinung, dass zu mir und der Arbeit ein Curly sehr gut passt.
    Mal sehen was ich dazu in 3 Jahren sage ;)

    Naja, auch ein Schäfi darf ja nicht einfach so schützen. Wenn er da ein entsprechendes Verhalten entwickelt, werde ich sehen müssen, ob es in die richtigen Bahnen zu lenken ist, oder ob er nicht geeignet ist.
    Das sage ich normalerweise immer mit dazu: er wird Therapiehund, wenn er sich dazu eignet. Das ist bisher noch nicht sicher. Ich hab da schon meinen Plan B oder C ;)

    Ich hab mich aus guten Gründen für den Curly entschieden, trotz Schutztrieb und 1-Mann-Hund. Einen Labrador halte ich nach wie vor nur bedingt geeignet für die Arbeit im Juz.

    @Liv
    Ich finde dein Beitrag ist nicht am Thema vorbei.
    Diese kleinen Aufbauarbeiten wie du sie beschreibst machen wir schon, aber halt nicht so zielgerichtet und perfekt wie das vielleicht mit "ordentlichem Training" möglich wäre.
    Ist die Frage, wieviel da wirklich nötig ist und ab wann man das zu locker angeht für seine Rasse. Obwohl ich jetzt der Meinung bin, dass es anfangs ruhig etwas lockerer und spielerischer sein darf.


    @charly2802
    So wie du das beschreibst mach ich das auch. Also das was der Hund im Alltag anbietet verstärken und den Neigungen des Hundes versuchen gerecht zu werden. Aber ohne gezieltes Training. Da kann es dann halt sein, dass sich Fehler einschleichen, die im Alltag total wurscht sind, aber für ambitionierte Leute einen schiefen Blick wert sind.

    Bin nun aber, dank einiger Beiträge hier, davon überzeugt, dass man da nicht zu viel drauf geben sollte :smile:

    Ich find es sehr spannend, dass du weißt was ich denke, wie hier die Spaziergänge aussehen und wie meine Arbeit aussieht. Entweder du liest nicht was ich schreibe, oder du weißt es einfach besser. Da erübrigt sich dann auch eine Antwort auf deinen Beitrag.
    Nur eins: ich bin sehr froh ihn mit 11 Wochen schon zum Juz mitgenommen zu haben. Ich bin mir bewusst wie anstrengend das für einen Hund sein kann, allein die Lautstärke. Er kennt das seit kleinauf und ihn schockt so schnell nix mehr was im Juz passiert. Eine knallende Tür, laute Musik, Geschrei usw. jucken ihn nicht und er sieht das Büro als seinen Rückzugsort. Die Gewöhnung wäre viel schwieriger geworden, wenn ich ihn erst als erwachsenen Hund da mitgenommen hätte.


    Es ist trotzdem erstmal ne Frage wert, wieso der junge Hund vom Dummytraining geschont wird, aber im Jugendzentrum bereits Hochleistung bringen "muss". Diese Art von Arbeit gilt es nicht zu unterschätzen.

    Warum gehst du davon aus, dass ich das unterschätze?
    Es ist so, dass er zur Arbeit mitkommen muss, weil er noch nicht so lange allein bleiben kann. Das heißt aber nicht, dass er täglich aktiv eingesetzt wird.
    Dummytraining zusätzlich find/fand ich tatsächlich viel für ihn, vor allem da wir an den Wochenenden auch noch Termine hatten. Aber so langsam (wiegesagt ab September oder Oktober) werden wir das dann auch angehen.


    Wie darf man sich eigentlich die Arbeit im Jugendzentrum vorstellen? :???:
    Ich hab da so gar kein Bild dazu.

    Danke für deine Frage!
    Bei uns ist es so, dass es 4 Öffnungstage gibt a 4 Stunden. Es kann theoretisch jeder kommen in einem bestimmten Alter, aber eigentlich kommen immer die gleichen. Allgemein bieten wir vor allem Freizeitbeschäftigungen an und helfen bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben der Jugendlichen.
    Leo ist von den 4h maximal 3h mit dabei, d.h. nicht allein im Büro. Maximal eine halbe Stunde wird etwas mit ihm aktiv gemacht, wobei ich da jetzt die Begrüßungen, Streicheleinheiten ausklammere.
    Die halbe Stunde umfasst meist: wie gehe ich mit einem fremden Hund um, welche Regeln sind bei Leo zu beachten, wie bringe ich einem Hund Tricks bei usw. je nachdem wie interessiert die Jugendlichen sind und was sich gerade anbietet.
    Gestern war zum Beispiel eine Jugendliche da die Angst vor Hunden hat. Da haben wir dann eben geübt mit Leo, was man machen kann, wenn er begrüßen möchte. ("Geh ab" sagen, auf "verpiss dich" hört er nicht :roll: :D )
    Die meiste Zeit ist er allerdings dann nur dabei, bleibt bei mir. Wenn ich sitze, liegt er bei mir, aber er darf sich in einem gewissen Rahmen sehr frei bewegen, was sehr wichtig für einen "Therapiehund" ist, dass er eben auch weg kann wenn es ihm zu viel wird. Eine Hunderuhezone gibt es auch, da darf dann keiner an ihn ran und muss ihn eben ruhen lassen.