In einem anderen Thread, in dem es um den Einsatz von Sprühhalsbändern ging, die ein seit Jahren praktizierender Hundetrainer empfohlen hat, kam am Rande eine interessante Diskussion auf, die meiner Meinung nach einen eigenen Thread wert ist :)
Ich kopiere mal:
Zitat
Ich empfinde es als sinnlos, Erfahrung in Frage zu stellen. Gerade als jemand, der vielleicht noch keine Erfahrung gesammelt hat. Erfahrung heisst ja nun nicht, jahrelang immer nach Schema F dasselbe zu tun, sondern in der Regel heisst Erfahrung, dass man schon viele verschiedene Situationen in einem bestimmten Kontext kennengelernt hat.
Wem würdest du mehr zutrauen: einem Trainer, der sich seit 35 Jahren mit der Materie beschäftigt und in der langen Zeit mit Sicherheit schon mehr gesehen und erlebt hat, als wir hier schreiben könnten - oder jemandem der mal eben 2 Jahre "Erfahrung" (ja wieviel kann man denn in 2 Jahren wohl ansammeln?) hat und in nem Wochenendkurs ne Trainerlizenz nach Schule xy macht?
Ich muss doch nicht - nur weil ich die die Trainingsmethoden z.B. eines erfahrenen Polizeihundeführers für mich und meinen Hund nicht gutheisse - diesem Menschen die Erfahrung absprechen - bzw. diese schlecht machen? Im Gegenteil - vielleicht kann ich von seinen generellen Erfahrungen mit Hunden ja lernen? Der hat mit Sicherheit mehr Erfahrungen (= Situationen, unterschiedliche Hundecharaktere etc) erlebt, als ich je haben werde.
Dazu muss man natürlich eine Fähigkeit kultiviert haben:
Selbstreflektion.
Soll heissen: Was will ich, was bin ich bereit zu leisten, wo stehe ich, was kann ich.
Nur dann kann ich Erfahrungen anderer in Relation zu mir setzen. Und sie dann auch sinnvoll für mich umsetzen.
Alles andere ist Theorie auswendig lernen....ohne praktischen Bezug.
Gruß
Patti
Alles anzeigen
Ich persönlich sehe es allerdings so, dass gerade Erfahrung ("Auf diese Weise hat es schon immer geklappt") oft den Willen zur Weiterbildung und die Eigenschaft der Selbstreflektion beeinträchtigt.
Mir persönlich wäre eine Trainerin lieber, die vor 2 Jahren ihre Ausbildung bei Animal Learn absolviert hat und nach dem neuesten Stand der Wissenschaft arbeitet, als ein Trainer, der seit 30 Jahren Hunde durch Meideverhalten erzieht :)
Kein Mensch stellt sich selbst oder seine Arbeit gerne in Frage und deshalb denke ich ist es für einen Trainer, der seit Jahren nach der "alten Schule" arbeitet umso schwerer anzuerkennen, dass er jahrelang falsche Theorien und Methoden umgesetzt hat.
Auch in diesem Forum registrieren sich immer wieder User, die unbelehrbar wirken, weil sie darauf pochen dass sie ja 30 Jahre mehr Erfahrung haben als der Großteil der User hier. An genau diesen Usern beißt man sich dann oft die Zähne aus 
Was denkt ihr über dieses Thema? Ist Erfahrung ein Maßstab der Kompetenz oder vielleicht sogar der Hauptmaßstab? Fühlt ihr euch sicherer aufgehoben, bei einem Trainer der bereits seit Jahrzehnten praktiziert als bei einem, der gerade erst seine Ausbildung abgeschlossen hat?
Bin gespannt auf Eure Antworten!