Hallo Juraben,
es tut mir sehr leid, was Deinem Ben geschehen ist.
Und ich kann verstehen, dass man nach Erklärungen sucht, dass man verstehen will, warum etwas so unfaßbares passiert ist.
Ich bin Intensiv-Pflege-Kraft, deshalb versuche ich Dir einfach ein paar grundsätzliche Überlegungen aufzuschreiben, die Dir das Verstehen hoffentlich ein wenig leichter machen...
Ich halte den Erklärungsansatz Deines TA gar nicht mal für verkehrt - eine Spondylose kann tatsächlich sehr starke Schmerzen beim Kotabsatz verursachen, dadurch bedingt halten die Tiere den Kot ein, solange es geht, dadurch kommt es zu einer zunehmenden Verfestigung des im Darm ruhenden Kotes mit der Bildung von Kotsteinen.
In solch einem Fall würde man von einem s. g. "mechanischen" Ileus sprechen, der entweder durch eine Verlegung der Darmpassage entsteht oder durch Verdrehen des Darmes in sich vorkommen kann. Ersteres halte ich bei Deinem Hund für wahrscheinlicher.
Wird ein Hund aufgrund von seiner Schmerzsymptomatik tierärztlich vorgestellt, und dann auch prompt eine Spondylose gefunden, erklärt sich das ganze Geschehen zunächst einmal sinnig.
Auch die Entdeckung von Kotsteinen, die aufgrund ihrer Dichte im Knochen-Röntgen sichtbar sind, passt durchaus dazu und wäre bei einem harmlosen Verlauf durch die Gabe des Klistiers ausreichend behandelt gewesen.
Eine Ansammlung von Kotsteinen druch Kotabsatstörungen kann aber aufgrund der schon einige Zeit bestehenden Symptomatik - Du hattest ja bemerkt, dass Dein Hund verhältnismäßig selten Kot absetzt, ab einem bestimmten Punkt so dramatisch werden, dass eine Behandlung durch Klistiere nicht ausreichend ist.
Die gesamten Vorgänge, die sich aufgrund eines Darmverschlusses abspielen, sprengen den Rahmen dieses Forums, aber ein unbehandelter Darmverschluss führt innerhalb weniger Stunden dazu, dass sich sowohl im Darm als auch im gesamten Organismus Vorgänge abspielen, die ab einem bestimmten Punkt einfach nicht mehr aufzuhalten sind - es kommt zu lokalen und systemischen Zirkulationstörungen in Sachen Durchblutung lebenswichtiger Organe, es kommt durch entzündliche Vorgänge zu extremsten Flüssigkeitsverlusten, es kommt durch Ausfall der Darmschleimhaut-Barriere zu einer inneren Vergiftung mit Giftstoffen aus der Verdauung und aus fehlverdauten Nahrungsbestandteilen...
Das Ganze führt innerhalb allerkürzester (wirklich nur wenige Stunden, zwei bis drei etwa...) Zeit zu einer s. g. Sepsis (Blutvergiftung) mit Multi-Organversagen.... ein Zustand, der einfach nicht mehr therapierbar ist, der auch in der Humanmedizin sehr häufig zum Tod der Patienten führt oder aber extremste Intensivmedizin erfordert - mit Notfall-OP, Darm-Entfernung, Langzeitbeatmung, Dialyse - Vorgehensweisen, die - m. E. nach glücklicherweise - in der Tiermedizin noch nicht so gang und gäbe sind...
Nun könnte man darüber diskutieren, ob Deinem Hund mit einem zusäztlichen Kontrastmittel-Röntgen zur Kontrolle der Darmpassage (etwas, das man auf dem "Knochen-Röntgen" eben nicht sehen kann) hätte geholfen werden können - aber ich möchte da erhebliche Bedenken äußern, denn in dem Moment, in dem man einen Darmverschluss mit so gravierenden Folgen entdeckt, hat die Uhr, die darüber entscheidet, ob man noch rechtzeitig eingreifen kann, schon längst zu ticken begonnen...
Meine Meinung - aus über 20 Jahren Intensiv-Medizin - ist die, dass Deinem Ben vermutlich niemand mehr hätte helfen können. Auch bei einer OP hätten seine Chancen zu diesem Zeitpunkt mehr als schlecht gestanden. Einen so dramtischen, kompletten Ileus kann man nur besiegen, wenn man ihn quasi per Zufall entdeckt, noch bevor großartig Symptome da sind - das ist bei Tieren fast unmöglich.
Die Blutwerte lassen auf eine Sepsis, bzw. auf einer besondere Form der Sepsis schließen, auch das lange Nachbluten passt dazu...
Was Dir und Ben passiert ist, ist eine absolut tragische, aber häufig vorkommende Verlaufsform eines mechanischen Ileus, an der niemand "schuld" ist und an der niemand etwas hätte ändern können...
Ich hoffe, dass dieses Wissen Dir ein wenig dabei helfen kann, Ben´s Tod annehmen zu können.
LG, Chris