Moin,
ein Hund der gut hört und meine Kommandos sicher ausführt, hat einfach mehr Freiheiten - das hat gar nichts mir mehr oder weniger Hund zu tun.
Ich sehe allerdings für mich deutliche Unterschiede zwischen meinem Alterchen, der mal ein Vollgebrauchsjagdhund war und auch jagdlich geführt worden ist und meinen jetzigen Hunden. Malik hatte einfach sofort und ohne nachzudenken zu tun, was ich wollte - und doch, ich nenn das Jagdhundetypisch
, bevor er bei Pfiff kam, schaute er sich erst mal um - ich weiß nicht wie oft ich dann gesagt hab "weil ich es WILL!" Er kam immer.... aber das Umsehen hab ich ihm nicht abgewöhnen können. Bei Pfiff lag er allerdings mitten im Lauf wie im Fluge, das war was anderes.
Dafür konnte er solche Spielerein wie "zurück zum Weg" oder "Kurz" und weil er so gut gehorchte, durfte er auch in der Brut- und Setzzeit frei laufen, und sich in dem, von mir gesteckten Rahmen, frei bewegen.... aber eben auch nur, weil er so zuverlässig gehorcht hat und die Pächter der angrenzenden Reviere das wussten und mir vertrauten.
Ich find, es kommt auf den Hund an, mit dem man umgeht.... meine beiden Spanier haben mich da viel Geduld gelehrt, manches war bei ihnen einfach schlicht unmöglich. Ist unmöglich. Lucas etwa, ich komm ja so langsam dahinter, das er ein Pastor Garafiano Mix ist und setze mich grad mit der Rasse ansich auseinander. Seitdem ich das tue, wird mir vieles einfach klarer.... die haben keinen blinden Gehorsam bzw. sie entscheiden ganz selbstständig, ob sie tun, was man von ihnen verlangt oder wann sie tun, was man verlangt. Eine Herausforderung für mich und je mehr ich es schaffe, das mein Hund tut, was ich möchte, desto enger wird unsere Beziehung.
Beispiel Lucas in einer fremden Umgebung, wenn ich ihm ein "Platz" geb - dann passiert gar nichts..... der steht und schaut sich um und betrachtet die Gegend und die Menschen und wenn es ihm genehm ist - legt er sich hin. Er steht aber auch nur und beobachtet. MANN, was hat mich das aufgeregt - seitdem ich aber weiß, das könnte bei ihm einfach sein Wesen sein (und bei seiner ursprüngliche Arbeit macht es Sinn) kann ich anders damit umgehen. Er legt sich hin, wenn er ausreichend gesichert hat und dann entspannt er auch total, bis wir wieder aufbrechen. Ich könnt jetzt einen Machtkampf (Du hörst wenn ich was sage) mit ihm machen, aber das würde nur unser Vertrauen stören..... auch auf dem HuPla, drei mal hintereinander das Gleiche - geht mit ihm nicht..... hab ich grad beim Mantrailing erlebt. Einmal sitzen super, zweimal sitzen, gut, dreimal sitzen *öh, Chefin, okay....* viermal sitzen *ups* - mein Hund ist taub..... und dann weiß ich, ich hab`s übertrieben...... Jetzt wo ich weiß, das es in seiner Rasse liegen könnte, erklärt es ihn und sein Verhalten besser für mich. Ich überlege viel mehr, was ich von ihm will und warum.
Ich muss erkennen, das er begriffen hat, was ich von ihm will und darf es einfach nicht übertreiben..... also, warum sollte er sich mitten in eine nasse Wiese werfen? Malik musste das tun, gejagt wird auch bei Regen, warum muss Lucas? Einen logischen Grund find ich nicht.
Nicht das man denken könnte, Lucas darf tun, was er will, aber bevor ich ihn ins Platz schicke, lass ich ihn einen Moment stehen und dann gibt`s ein Sitz und siehe - SO klappt es und aus dem Sitz, lege ich ihn ab... zu Hause klappen diese Dinge übrigens immer.
Rückruf bei uns daheim in der gewohnten Umgebung? Vergiss es.... also geht Lucas an der Leine, in unbekanntem Gebiet..... erstklassig, er lässt mich nicht aus den Augen und wenn ich pfeife kommt er auf der Stelle, zuverlässig. Hmh, ich überlege noch, wie ich ihn dazu bewege, auch daheim so zuverlässig zu kommen.
Eine ganz andere Nummer als Malik je war, unvergleichlich..... sehr anspruchsvoll und mir gefällt das gut.... Lucas fällt überall positiv auf, benimmt sich erstklassig - findet Fremde total überflüssig und würdigt sie keines Blickes - sehr nett bei vielen Dingen, weniger nett für meine Familie, die muss sich Mühe geben. Aber Gehorsam, so wie Malik es war, ist er ganz sicher nicht.
Sundri