Beiträge von Estandia

    Keine Ahnung ob das jetzt auf meinen Beitrag bezogen ist - aber wenn, dann bin ich wohl missverstanden worden oder habe mich nicht deutlich genug ausgedrückt.

    Deshalb noch mal ganz deutlich: Es geht nicht darum, dass der Hund lernen soll oder gar muss, ein Anfassen von allen Menschen gut zu finden.

    Es geht darum, den Hund einerseits resilient zu machen gegen solche Übergriffe, und dazu gehört für mich zwingend die Erfahrung für den Hund, dass solche Übergriffe nicht böse gemeint sind.
    Unabdingbar ist für mich aber auch die Gewissheit des Hundes, solche Übergriffe nicht einfach erdulden zu müssen, sondern eine Lösung parat zu haben, wie er da rauskommt.
    Hier liegt der Fokus darauf, dem Hund

    1. die Gewissheit zu geben, dass er sich da auf die Unterstützung seines Menschen verlassen kann
    2. glaubhaft eine bessere Alternative anzubieten.

    Zugegebenermaßen hat sich bei mir der Gedanke festgesetzt, der Hund der TE hat die Fehlverknüpfung, zu jedem Menschen hingehen zu MÜSSEN.


    Die Lösung wäre doch das hier :???:

    Ich würde dem Hund beibringen sich von Fremden fernzuhalten.

    Mein Username war eine Spontanentscheidung. Ich hatte (vor mehr als 15 Jahren glaube) einen 3-jährigen Kurs "Kreatives Schreiben" belegt und musste im Rahmen der Belletristik viel eigenes Zeug schreiben. Estandia war nur ein Name der zig fiktiven Charaktere. Ich hatte auch noch nie einen anderen Namen in diesem Forum.

    Ich verstehe ehrlich gesagt überhaupt nicht, wie man darauf kommt, einen Griff ins Geschirr als Abbruch zu sehen?

    Wenn der Hund ein Beuteobjekt / Triebziel fixiert, verstärke ich den Trieb mit Griff ins Geschirr - das wird 1000fach im Schutzdienst bei Junghunden so praktiziert, weil es funktioniert. Und Du willst doch bestimmt nicht auf das Kind aus dem Beispiel "Trieb machen"?

    Ein angemessener Abbruch wäre da eher, dass der Hund sich vom Triebziel abwenden und ein Alternativverhalten anbieten soll. Um den Hund (der nicht will) im Notfall per Einwirkung abwenden zu können, sehe ich ein Halsband als bessere Wahl in Kombination mit z.B. Vorsitz, Schau, Bestätigung. Macht man das richtig, braucht man bald gar nicht mehr einzuwirken.

    Hier ist der "Geschirrgriff" anders gemeint.

    Wie meinst ud es ist ein anderer Funktionskreis als „mitdenkendes Handeln“? Sehr interessant!

    Ich mein das im Hinblick auf die Genetik. Das Jagdverhalten wird ja wie du schon selbst sagt instrinsisch belohnt, es ist selbstbelohnend. Der Hund reagiert auf einen Reiz, die Genetik "treibt" ihn dazu, er kann gar nicht gar nicht anders, selbst wenn er wollte. Es werden andere Bereiche im Hirn angesprochen. Im Gegensatz dazu dann etwas, was der Hund aktiv durch und mit dem Menschen über Zeit erlernt und so herausfindet, ah okay, wenn ich dies oder das mache gibt es einen tollen Keks. Apportieren z. B. - da muss der Hund stark mitdenken und darf z. B. eben genau nicht einfach dem Reiz nachgeben, dem fliegenden Etwas kopflos hinterherzuhechten.

    Ich seh den Geschirrgriff auch eher bei anderen Problemen. Etwa Fixieren - Aufplustern - Pöbeln. Sprich beim Thema Leinenaggression wäre der eher eine Hilfe mMn.

    Ich find das eher schwierig. Gerade Jagdverhalten ist ein anderer Funktionskreis als das "Mitdenkende Handeln, weil es gleich eine Belohnung gibt".
    Man könnte versuchen, auch hier den Fuß in die Tür zu kriegen, über Desensibilisierung und Gegenkonditionierung. Aber dann müsste die Belohnung immer VIEL besser ausfallen, als das Jagdverhalten und das ist mMn schwer herauszufinden, ob eine extrinsische Belohnung wirklich besser ist.

    Er (Jagdterrier Mix) hat Jagdverhalten, was draußen aber gut unter Kontrolle ist.
    nur bei dem Kind, was spielt, sich bewegt, wird es immer ausgelöst. Und mit Management und Umorientierung, alternativen Bestärken wird es nicht besser. Gar nicht. Ich habe teilweise das Gefühl, der (positive) Abbruch ist da ein positiver Affekt zu dem Spaß dazu.
    Deswegen meine Frage, ob es nicht Verhaltensketten auslöst oder als tertiärer Verstärker wirken kann.

    Wenn sich das Verhalten, das verändert werden soll, sich nicht ändert, muss man A am Zeitpunkt, B an der Belohnung, C an der Umwelt arbeiten. Es kann durchaus sein, dass so "ungünstig" belohnt wird, dass sich eine Verhaltenskette gebildet hat und sie sich selbst erhält. Bekommt der Hund die Chance in anderer (erlaubter) Weise seinem Jagdverhalten "nachzugeben"? Es soll ja MIT dem Verhalten nie DAGEGEN gearbeitet werden, um es in Bahnen zu lenken.

    Aber wie unterbindet man denn dann Verhalten erfolgreich, welches man nicht haben möchte ohne Verhaltensketten zu bekommen oder es zu verstärken, da positiv aufgebaute Signale ja immer auch verstärkenden Charakter haben?

    Aufpassen, Hund lesen, früher abbrechen, so dass das unerwüschte Verhalten nicht mehr ganz auftritt, also nur noch im Ansatz bestmöglich. Aber selbst bei einer Verhaltenskette veränderst du ja die Emotion, die dem unerwünschten Verhalten zugrundeliegt.