Beiträge von brush

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    Meiner Hundetrainerin habe ich dass auch erklaert und ihr antwort war: NEIN, sie hat kein Dominanzproblem- es waere normal, gerade nach der Schonkost, dass sie ihr Futter verteidigt und sie muesste erst lernen uns 100% zu vertrauen.Aber meiner Meinung nach spricht doch ihr Verhalten auf dem Sofa dagegen....

    gute Trainerin :smile:
    Was hat sie euch denn geraten?

    Hi :winken:

    bitte nehmt es mir nicht übel, aber nachdem sehr oft solche Themen kommen, möchte ich dazu ein paar einleitende Sätze schreiben.

    Zuerst bezüglich Pubertät:
    Ja, die Pubertät wird manchmal als Ausrede herangezogen, allerdings ist es sicherlich nicht so, dass das immer der Fall ist. Wenn Hunde in die Pubertät kommen, geraten sie völlig durcheinander, sind mit sich selbst "unzufrieden" und nicht mit sich im reinen. Sie wissen nicht was da vorgeht, sind verwirrt, können nicht deuten warum sie so viele unterschiedliche Dinge gleichzeitig wahrnehmen und und und...
    Das ist natürlich nicht bei jedem Hund gleich stark ausgeprägt. Bei manchen stellt man wenig Veränderungen fest, bei anderen mehr. Es ist ja auch nicht jeder teenager ein hormongesteuerter Volldepp, aber manche eben schon ;)

    Zweitens würde es mich persönlich freuen, wenn bei den Hunden mehr Augenmerk auf die Erziehung und Entwicklung gelegt werden würde und nicht großteils nur auf Ausbildung.
    Hunde sind Lebewesen, die sich entwickeln, verschiedene Phasen - sowohl geistig wie körperlich - durchmachen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Zuwendung und Erziehungsmaßnahmen benötigen und nicht einfach nur funktionieren sollen.
    Eben das macht ja sowohl die Erziehung als auch die Ausbildung eines Hundes so schwierig :smile:

    So, wie oben gesagt, machen Hunde bis zur ihrer sozialen Reife viele verschiedene Phasen durch. Ich versuche mal die wichtigsten hier aufzuzählen. (ich beginne ab der 8. Woche, nachdem die meisten Leute auf die Zeit davor sowieso keinen Einfluß haben)

    - Die Welpenzeit (oft fälschlicherweise Prägungsphase genannt)

    diese dauert grundsätzlich bis zur 18 Woche (über gewisse zeitliche Abweichungen kann man diskutieren). Alles was ein Hund bis zur 16ten Woche erlebt, ist unwiderruflich und unlöschbar in seinem Gehirn verankert. Egal ob positiv oder negativ. Jetzt ist es wichtig dazu zu wissen, dass die Stresstoleranz ab der 12ten Woche kontinuierlich sinkt und mit der 16Woche den Nullpunkt erreicht hat, der für ca. 2 Wochen anhält. Das heißt, in dieser Zeit (16-18. Woche) wäre es wichtig, die Ausbildung mal entwas außen vor zu lassen, den Hund vor negativen Einflüssen zu schützen und gut im Auge zu behalten. Leider beginnen die meisten genau zu diesem Zeitpunkt eine HuSchu zu besuchen.
    Das ganze ist dann aber nicht so einfach, weil sich um die 14-16 Woche der Jagdtrieb zu entwickeln beginnt. Deshalb würde ich den Hund ab der 16ten Woche einfach an der Leine lassen.

    - Die Junghundezeit

    schließt an die Welpenzeit an und dauert je nach Rasse bis zum 12. - 18. Monat. Wichtige Phasen wären hier eine erneute Null-Stresstoleranz im Alter von 6 Monaten (diese Zeit wird öfter in der Literatur erwähnt und als Angstphase bezeichnet) für erneut ca. 2 Wochen. Hier wäre selbes Verhalten w.o. angebracht.
    Dann natürlich die Pubertät. Hier ist viel Einfühlungsvermögen gefragt, bei gleichzeitigem aufzeigen der Grenzen. Der Hund wird viel ausprobieren, testen ob Kommandos und Grenzen auch wirklich gültig sind, wird versuchen sich gegen erwachsene Hunde zu stellen, wird abgelenkt sein, sich für Hinterlassenschaften anderer Hunde zu interessieren usw.
    Mit dem (je nach Rasse) 12-15. Monat kommt nochmals eine kurze Phase, in der der Hund sehr viel Input seiner Umwelt aufnimmt und die ersten schlechten Erfahrungen der vorigen Phasen beginnen sich bemerkbar zu machen.

    - Das erwachsen werden

    Die Hunde werden (rasseabhängig) zw. 18 Monaten und 2 Jahren erwachsen. Das heißt, man freut sich, dass Erziehung und Ausbildung gut geklappt haben, der Hund zeigt tolle Eigenschaften und sollte den Umgang mit anderen Hunden, Menschen und der Umwelt gut verkraften. Abgesehen von eventuell auftretendem Territorialverhalten gibt es da nicht viel zu beachten.

    - Die soziale Reife

    Wieder rassabhängig tritt diese zw. 2,5 und 4 Jahren ein. Der Hund ist geistig "fertig", und hat zu dieser Zeit nochmals ein Input-Output-Fenster mit Null-Stresstoleranz. Das heißt, die schlechten Erfahrungen von früher brechen jetzt aus und es ist nochmals darauf zu achten, dass der Hund nicht überfordert wird.
    Das ist im übrigen der Grund, warum die meisten Hundehalter "plötzliche" Verhaltensäderungen beim Hund bemerken und auch die meisten "Problemhunde" in diesem Alter sind.
    Ist auch diese Phase gut überstanden, kann man sich über einen angenehmen, problemlosen Begleiter freuen.


    Ok, ich gebe zu, das ist recht lang geworden, aber ich halte es gerade für wichtig, darüber aufzuklären. Wer diese meinung nicht teilt, kann diesen Beitrag gerne überlesen :smile:

    Als Tip zum eigentlichen Eingangsbeitrag:
    In dem Alter, in dem dein Hund jetzt ist, kann auch positiver Sress (also erwartungshaltung, Aufregeung durch training und solche Dinge) den Hund schnell überfordern, und der Hund gleitet dann in teilnahmslosigkeit ab.
    Mach langsamer, gib dem Hund Zeit und Ruhe und du wirst sehen, in ein bis zwei Wochen geht alles seinen gewohnten Gang mit Ausbildung und Gehorsam. Übe jetzt wenige Minuten pro Tag mit ihm, erwarte nichts und lobe auch bei Kleinigkeiten (die er ja "eigentlich" kann und die schon vorausgesetzt werden) viel.

    Der Hund wird es dir später danken :smile:

    Generell zum Eingangspost:
    Nein, mir geht es nicht so. Ich liebe meine Hunde und Katzen, sicher, aber ich würde sie nie auf eine Stufe mit meiner Beziehung stellen.
    Für mich persönlich ist das eine ganz eigenartige Vorstellung.

    Womit ich was anfangen kann, ist dass ich den Tieren schneller verzeihe, ist ja klar, das wurde hier ja auch schon erläutert. Da steckt keine Absicht dahinter.

    Bezüglich der bedingungslosen Liebe, sehe ich das auch so, dass es die nicht gibt. Und, aus meiner Sicht, für einen psychisch gesunden Menschen auch nicht möglich ist. Bedingungslos würde für mich bedeuten, dass man jedesmal das Wohl und die Wünsche des Partners über seine eigenen stellt, und das gerne. Ich denke nicht dass das möglich ist, ohne auf Dauer unglücklich zu werden.

    Und weil du geschrieben hast, dass DU in Beziehungen den Fehler immer bei DIR gesucht hast: Im Gegensatz zur Mensch-Hund -Beziehung kann man in zwischenmenschlichen Beziehungen miteinander reden, analysieren und gemeinsam Kompromisse erarbeiten. Da braucht nicht jeder nur für sich selbst Fehler suchen. Das geht viel besser und leichter gemeinsam. Zumindest wenn die beteiligten eine gewisse Reife besitzen und sich nicht nur "das passt mir so nicht" an den Kopf werfen.

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    Ich verstehe immer noch nicht, wo das Problem beim knurren ist, warum sich einige so vehement dagegen aussprechen. Ist es der Punkt, dass die Gegner meinen, man versucht krampfhaft Hund zu sein, was man eh nie wirklich erreichen kann?

    Nein, wenn es funktioniert ist es ja toll. Kann ja jeder handhaben wie er will.
    Der Hinweis ist nur, dass es nicht jeder Hund "automatisch" versteht wenn es vom Menschen kommt. (noch dazu unerwartet)

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    Was auch geschrieben wurde: zum knurren, damit Hund es als Warnung versteht, gehört mehr. Z.B. "einfrieren" des Körpers, fixieren mit Blicken. Das ist letztlich auch "Hund nachmachen".

    Einfrieren und starren (vor allem mit weit aufgerissenen Augen) sind auch menschliche Warnsignale, im Gegensatz zum knurren.

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    Aber irgendwann lernt Hundi vielleicht auch diese Kommunikation zu deuten...

    Natürlich lernt der Hund das. Und zwar viel viel schneller als wir in der Lage sind seine Körpersprache zu deuten. Da sind uns die Hunde einfach überlegen :smile:

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    Kommandos wie sitz und platz oder hier befolgt sie ohne Ablenkung ohne Probleme. Sind wir allerdings draussen oder gibt es ein Geräusch im Haus ist es auf einmal vorbei mit ihr. Auch beim Schleppleinentraining lässt sie sich ständig ablenken. (Um das genau zu beschreiben) ich ruf sie -sie schaut-läuft freudestrahlend zu mir- ein ast, ein grashalm und schwubs hat se vergessen was sie wollte ruf ich dann nochmal läuft sie wieder los bis der nächste grashalm kommt der interessanter ist.

    Sie ist nicht unkonzentriert, der Gehorsam unter Ablenkung wurde einfach noch nicht gut genug trainiert (was bei 8 Monaten nicht tragisch ist, wie ich finde), oder die Schritte waren zu schnell.

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    soll ich sie dann loben wenn sie endlich bei mir ist? eigentlich ja nicht sie kommt ja nicht sofort zu mir.

    Doch auf jeden Fall. Sonst wird sie noch weniger gern kommen.

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    ich beobachte das auch wenn sie ohne trainieren irgendwo schnüffelt (im garten zb) sie springt wirklich von einer sache zur anderen da kann ich sie noch nichtmal mit spielen oder so ablenken.

    Die Sachen die sie dort sieht/riecht sind einfach interessanter. Nicht für jeden Hund steht der Mensch im Mittelpunkt, das vergessen viele.

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    würde gerne das "schau" mit ihr trainieren aber wie soll ich das nur anfangen wenn sie sich immer ablenken lässt? Ich könnt mir da sogar ne ganze Fleischwurst umhängen.

    Erstmal ohne Ablenkung trainieren und langsam steigern. Das heißt: nicht wenn es drinnen klappt, denken der nächste Schritt ist draussen. Der nächste Schritt wäre zB drinnen in einem anderen Raum. Dann zB vor der Wohnungstür bzw. im Garten oder auf der Terrasse. Dann käme draussen, aber allein. Dann draussen auf einem wenig benutzten Weg.... usw.

    Das ist anstrengend und kann viel Zeit in Anspruch nehmen.

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    Hallo,
    OK... das höre ich das erste Mal... und ich lese doch schon so viel... Was heisst das also nun umgesetzt, wenn dies schon der Grund sein könnte... meide ich jetzt erstmal die Gänge durch die Stadt und die Orte, wo ich viele Hunde treffe an der Leine... oder eher nicht...?

    Ja, zumindest würde ich das so handhaben,

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    Auf dem Hundeplatz (ist ja nur einmal die Woche), ist sie lieb und spielt mit den anderen Hunden... aber wenn wir dort dann an der Leine üben, möchte sie dann zu bestimmten Hunden hin und bellt auch ab und an, das ist aber nicht agressiv, sondern eher die Spielaufforderung...

    Gehe ich aber durch die Stadt oder das Feld, steigt sie schon eher agressiv in die Leine und das Bellen hört sich auch ganz anders an...

    Wie sich der Stress äußert ist unterschiedlich und situationsabhängig. Das kann überdrehen, Angst oder Aggression sein.

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    Wie es ohne Leine ist, kann ich nicht beurteilen, da ich sie in solchen Situationen ja schlecht ohne Leine laufen lassen kann, weil ich sie dann ja nicht mehr unter Kontrolle habe und nicht weiss, wie der andere Hund (und sie) reagiert...

    Wär aus meiner Sicht in dem Alter auch unverantwortlich. Schließlich kannst dann auch du die Situation nicht mehr kontrollieren und das Baby schlittert da auch noch alleine rein. :smile:

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    und es spielt da auch bislang keine Rolle, wie groß oder klein der Hund ist, sobald sie nur das Klimpern einer Leine/Halsband hört, bellt sie... neuerdings auch im Garten, ohne dass sie den Hund bereits gesehen hat - es reicht, dass sie das Geräusch hört...

    Das klingt jetzt schon so, als hätte sie dieses Verhalten schon ziemlich stark verknüpft und ist gerade dabei es zu etablieren. Ich würde dann in 1-2 Wochen langsam mit dem Training weitermachen.

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    wie geht ihr mit solchen sprüchen um? leider kommen die ja auch immer wieder von leuten, mit denen man öfter zu tun hat.

    Früher habe ich das einfach ignoriert. Das hat mir zwar den Ruf als "Unbelehrbaren" eingebracht, allerdings sprechen mich heute die selben Leute an und sind ganz verwundert, dass "so etwas mit einem Chow möglich ist".

    Also: Die Genugtuung kommt nach dem Erfolg :D
    Lass dich nicht unterkriegen! :smile:

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    ich habe eine weiße Schäferhündin, Amy, 17 Wochen alt.
    Sie ist seit sie 9 Wochen alt ist bei uns und sie ist insgesamt ein Traumhund, sie liebt alle Menschen und Kinder, sie hört für ihr Alter sehr gut, ist (fast) stubenrein....
    Sie geht seit sie 9 Wochen alt in die Welpenschule (mit Spielgruppe) und ich gehe jeden Tag mir ihr raus, mal in die Stadt, mal fahren wir Bus und Bahn, mal ins Feld, mal auf den Reitplatz, ich tue also m. M n. alles für eine gute Sozialisierung... bislang war sie auch total ruhig dabei...
    Seit wenigen Tagen nun ist sie auf Spaziergängen - besonders in der Stadt - extrem nervös... jedes Kind versucht sie freudig anzuspringen, fremde Hunde werden schon von weitem angeknurrt oder angebellt, wenn wir im Bogen vorbeigehen stellt sie sich agressiv bellend in die Leine...

    Bei Welpen beginnt das Absinken der Stresstoleranz in der 12ten Lebenswoche und hat in der 16ten ihren Nullpunkt erreicht. Dieser Zustand hält sich ca. 2 Wochen.
    Da sollte man den Hunden in keine stressigen Situationen bringen, da sie überreagieren. (und sich dieses Verhalten dann auch verankern kann).
    Ich würde jetzt an deiner Stelle dafür sorgen, dass sie so viel Routine und Kontinuität wie möglich bekommt.
    Nachher wirst du dann sehen, ob sich da etwas bleibendes entwickelt hat oder nicht. Dann kannst du auch daran arbeiten. Da JETZT dran zu gehen würde ich für kontraproduktiv halten.

    Nachdem ich heute Mittag beinahe Ödön von Horváth´s Schicksal erlitten habe, nur dass ich nicht auf den Champs-Élysées sondern mit den Hunden in Wien spazieren war (die Hunde hatten sich zum Glück ein paar Meter von mir entfernt), sagte im vorbeigehen ein älterer Herr zu mir:

    "Na das war aber Pech."

    Was war Pech? Das der Ast mich verfehlt hat? :lol: :???: