Unsere ersten Hündin wurde schon vor der ersten Läufigkeit kastriert, weil uns das vom Tierheim so empfohlen wurde und wir einfach darauf und der Aussage vom Tierarzt vertraut haben.
Sie wurde 14,5 Jahre ohne irgendwelche größeren Krankheiten. Eventuell ist sie letztendlich an inneren Tumoren/Krebs gestorben, aber wenn, dann haben sich die wirklich erst im hohen Alter entwickelt.
Unsere zweite Hündin kam mit 9 Monaten kastriert aus Rumänien. Naja, Tierschutzhund aus einem großen Shelter, da wird eben lieber zu früh als zu spät kastriert und ich möchte da nichts verurteilen. Sie ist auch jetzt mit 8,5 Jahren (so weit wir wissen) gesund, ob sie sich charakterlich andres entwickelt hätte, wenn sie später oder gar nicht kastriert worden wäre, können wir nicht mehr beurteilen.
Coco kam dann unkastriert mit 1,5 Jahren zu mir und ich war mittlerweile ein ziemlicher Kastrationsgegner (hauptsächlich wegen dem Dogforum). Coco sollte also nicht kastriert werden, außer es wäre medizinisch notwendig.
Die erste Tierärztin sprach mich gleich auf eine Kastration an, mit der Begründung, die meisten Hündinnen würden irgendwann eine Gebärmutterentzündung bekommen und man sollte sie lieber kastrieren, wenn sie noch jung und gesund sind, als dann in einer Not-OP. Ich wollte das natürlich nicht glauben und habe das Thema Kastration danach bei Tierärzten vermieden.
Cocos Läufigkeiten waren eigentlich nie wirklich problematisch. Sie war nur immer eher ausgeprägt scheinträchtig, hat dann noch schlechter als sonst gefressen, stark abgenommen (auch durch die Milchproduktion) und ihr ganzes Fell verloren. Wir hatten also immer 2-3 Monate die von der Läufigkeit (inklusiv Vor- und Nachspiel) geprägt waren und dann 5-6 Monate Ruhe. Viele Leute (abseits des Dogforums) wollten mir immer einreden, ich solle Coco kastrieren lassen und ihr (und mir) den "Stress" nicht antun.
Regelmäßig hatte ich nach den Läufigkeiten Angst vor einer Gebärmutterentzündung und war oft beim Tierarzt.
Letztendlich war es dann letztes Jahr so weit. Mit 6 Jahren bekam Coco eine Gebärmutterentzündung, es gab kaum typische Anzeichen und ohne mein penibles Beobachten wäre Coco vielleicht nicht mehr bei mir. Es gab eine Not-OP, fast 1kg Eiter und 2 Wochen war Coco stark angeschlagen. Hatte anfangs starke Schmerzen und hat dann lange noch gegen Entzündungen ankämpfen müssen.
Seitdem sind wir beide einfach entspannter, der Stress mit den Läufigkeiten fällt weg, ich muss nicht mehr meine Urlaubs-, Turnier- usw-Planung an Cocos Zyklus anpassen. Sie frisst insgesamt besser und gesundheitliche Auswirkungen gab es noch nicht.
Mittlerweile bin ich der Meinung, dass ich einen Hund auf jeden Fall erwachsen werden lassen würde. Aber würde wahrscheinlich mit 2-3 Jahren kastrieren lassen bzw. ziehen vielleicht sowieso nur noch bereits kastrierte Tierschutzhunde ein...
Ich finde, jeder muss das für sich und seinen Hund selbst entscheiden und dann eben mit der Entscheidung leben. Da ich aber von so vielen Hündinnen gehört habe, die irgendwann eine Gebärmutterentzündung entwickeln, bin ich wirklich vorsichtiger geworden.
Frühkastration nur weil man es eben so macht oder damit der Hund ruhiger wird oder weil man kein Blut im Haus haben möchte oder weil der junge Rüde in der Pubertät Interesse an Hündinnen entwickelt, da bin ich immer noch dagegen.
Aber bei einem von Kopf und Körper ausgewachsenen Hund habe ich meine Meinung geändert.