Beiträge von Sleipnir

    Einen jagdmotivierten Hund angesichts flüchtenden Wilds oder einer frischen Fährte abzurufen ist mit Sicherheit die Königsklasse der Hundeerziehung und in keinster Weise damit vergleichbar den Hund aus dem Spiel abzurufen, ihn bei entgegenkommenden Hunden abzurufen etc. Der Triebbereich, indem sich der Hund kurz vor der Jagd befindet ist ein ganz anderer und der Erregungszustand ungemein höher.
    AJT, Dummytraining etc. ist mit Sicherheit ein Baustein um den Jagdtrieb des Hundes in entsprechende Bahnen zu lenken, aber angesichts einer sich bietenden realen Jagdmöglichkeit wird man ohne perfekt sitzenden Grundgehorsam nicht weiterkommen.

    Zitat

    Das mit der verstärkten Impulskontrolle werde ich mal versuchen. Dazu muss ich das Bleib aber weiter trainieren. Momentan kann ich mich noch nicht so sehr weit (vielleicht 20m) von ihm enfernen und bisher bin ich auch nur langsam von ihm weggelaufen.

    Und genau das könnte (!!!) der Weg für euch sein. Die meisten Hunde tun sich ungemein schwer damit im Jagdmodus auf ein Rückrufkommando zu reagieren, denn das würde ja bedeuten sich vom Wild abzuwenden, sich umzudrehen und in die entgegengesetzte Richtung zu laufen! Viel einfacher gestaltet es sich daher den Hunden ein "Bleib"-Kommando beizubringen, bei dem sie sich einfach nur an Ort und Stelle aufhalten sollen und dem Wild sogar noch hinterher schauen können.
    Für mich ist das "Bleib"-Kommando eines der wichtigsten Kommandos überhaupt. Ich hab das bei all meinen HUnden vom ersten Tag an, in klitzekleinen Schritten etabliert und in allen möglichen (und unmöglichen) Situationen trainiert. Heute kann ich die Hunde auf dem Feldweg ablegen und mich mehrere Hundert Meter entfernen, ich kann sie unangeleint vor Geschäften liegenlassen, sie im vollen Lauf hinter einem fliegenden Dummy abrufen und sie (meistens) auch bei sichtig flüchtendem Wild ins "Bleib" rufen. Erst gestern hatten wir wieder so eine Situation:
    Wir waren im Wald unterwegs, die Hunde etwa 20 Meter vor mir. Zwei Rehe wechselten etwa 30 Meter vor den Hunden über den Weg und sie waren schon kurz vorm Durchstarten...glücklicherweise hab ich schnell genug reagiert, die Hunde ins "Bleib" gerufen und sie sind wie angewurzelt stehengeblieben! Ja...da war ich schon ein bisschen stolz... ;)
    Bis dahin war es natürlich ein langer Weg, aber es ist durchaus machbar!
    Ich hab nie eine Schleppleine benutzt und kann mich heute auch in wildreichen Gebieten ziemlich gut auf meine Hunde verlassen. Das bedeutet natürlich die Hunde keine Sekunde aus den Augen zu lassen, um zu reagieren bevor sie losrennen(!!!) und das "Bleib" wirklich gut durchzuarbeiten!

    Ich bin niemand, der Stachelhalsbänder in jeder Situation verdammt...bisher hab ich selber zwar noch nie eines eingesetzt, kann mir aber durchaus Situationen vorstellen, bei denen ich über den Einsatz nachdenken würde, ABER eure Situation ist nicht so eine! Ein Stachelhalsband sollte, wenn überhaupt (!!!) punktuell eingesetzt werden um einen Hund auch in hoher Erregungslage durch Schmerzreize zu erreichen. Ein Stachelhalsband ist nicht dazu gedacht um ein unausgeglichenes Kräfteverhältnis wiederherzustellen und ich will dir ja nicht den Mut nehmen, aber wenn dein Hund sich das nächste Mal auf einen Artgenossen stürzen will, dann wird ihn auch kein Stachelhalsband abhalten, da bin ich mir recht sicher... :/

    @ Tucker:
    Ich seh das etwas anders!
    Ich hab manchmal das Gefühl, dass viele Hundehalter (und damit meine ich nicht dich persönlich, das ist eher eine allgemeine Aussage) heute kaum noch in der Lage sind ihren Hunden Grenzen aufzuzeigen und versuchen jedes Problem mit Ignoranz und/oder Clicker zu lösen. Positiv verstärkende Hundeerziehung ist ja gut und schön, aber manche Dinge sollten (meiner Meinung nach) auch durchaus negative Konsequenzen für den Hund haben. Und dazu gehört meiner Meinung nach auch ein aufmerksamkeitsheischendes Schnappen. Ich bin nicht der Kauknochen meines Hundes und auch ein 13 Wochen alter Welpe ist sehr wohl in der Lage seine Zähne vorsichtig einzusetzen...würde er nämlich mit anderen Hunden zusammenleben dürfte er sich solche Aktionen auch nicht erlauben!
    Und ja...natürlich würde er in dieser Situation Aufmerksamkeit bekommen...aber meine Hunde wollten diese Art der Aufmerksamkeit meist nicht sehr oft haben... ;)

    Geht es einem Hund, der nur an der Leine unterwegs ist wirklich schlecht...NEIN...es gibt bestimmt schlimmere Dinge, die man seinem Hund antun kann und natürlich kann man auch dem angeleinten Hund ein abwechslungsreiches, ausgefülltes Leben ermöglichen, aber sind wir doch mal ehrlich: Das Gelbe vom Ei isses nicht!
    Ich hab ja im Moment den direkten Vergleich: Zwei eigene Hunde, die fast immer ohne Leine unterwegs sind und zwei Gassihunde, von denen der eine zumindest zeitweise abgeleint werden kann, der zweite aber IMMER an der Schlepp- oder Flexileine läuft! Ich bin mir 100% sicher, dass dieser Hund von allen vier Hunden die Spaziergänge am frustrierensten erlebt. Die anderen drei Hunde tollen in 20, 30 Meter übers Feld und bei ihr ist spätestens nach 15 Metern Schluß und sie kracht in die Schleppleine. Ein Geruch auf dem Feld...alle Hunde laiufen hin...nur die Hündin kann nicht, da der Geruch drei Meter außerhalb des Schleppleinenradius liegt. Durch den Wald toben...unmöglich...die Leine verheddert sich am nächsten Baum...
    Ich denke halt, dass ständig angeleinte Hunde (egal wie lang die Leine ist!!!) vor allem deswegen "gehandicapt" sind, weil sie nichtmal in einem kleinen Radius selbstbestimmt den Reizen nachgehen können, den sie gerne nachgehen wollen...immer wieder werden sie von der Leine begrenzt. Feddersen-Petersen hat das in ihrem Buch "Hundepsychologie" sehr gut beschrieben...leider bekomme ich ihre verschachtelte Wissenschaftssprache nicht so ganz hin... ;)

    Untypisch ist dieses Verhalten für einen Sennehund nicht. Auf territoriale Aggressivität wurden sie über viele, viele Generationen selektiert - dieses Verhalten war gewollt!
    Um mal mit der schlechten Nachricht zu beginnen: Ihr werdet es nicht schaffen seinen Schutztrieb "wegzuerziehen", das ist unmöglich! Die gute Nachricht: Durch einen guten Grundgehorsam und ein vorausschauendes "Management" eurerseits dürfte es durchaus möglich sein den Schutztrieb in "erträgliche" Bahnen zu lenken... ;)