Beiträge von Nocte

    Natürlich ist es ein schwieriges Thema, das steht außer Frage. Betrachte ich das ganze mal nüchtern, stellt sich für mich folgende Situation dar:

    - ein großkalibriger Hund, der beschädigt
    - eine schwierige Rasse
    - ein schlechter Start ins Leben ohne eine als normal empfundene Sozialisation
    - Hundetrainer, die die Sache nicht eben besser gemacht haben

    Der Hund muss dauerhaft zuverlässig gesichert werden - Versehen darf es da nicht geben. Es gibt in ganz Deutschland kaum mehr als 20 Resozialisierungsplätze, die anerkannt sind und deren Trainer auch verhaltenstherapeutisch arbeiten. Diese Plätze sind auf Jahre ausgebucht und um dort aufgenommen zu werden, muss der Hund bereits einer Orga des Deutschen Tierschutzbundes gehören. Die Rasse-Orgas tun dies i.d.R. nicht. Private Plätze sind ebenfalls vorhanden, aber ebenso rar und meist ausgebucht. Zudem braucht man in so einem Fall schon einen Platz, der auch rassespezifisch "beleckt" ist.

    Fallen diese Möglichkeiten weg, weil einfach kein Platz frei ist, dann ginge der Hund letztlich an dein Tierheim und selbst die dürfen ablehnen. Das habe ich mehrfach erlebt. Hat man letztlich ein Tierheim gefunden, sitzt der Hund dort in besonderer Verwahrung. Vielleicht muss er sogar rund um die Uhr einen Maulkorb tragen, damit das Pflegepersonal nicht gefährdet wird. Vermittelt wird dieser Hund vermutlich nie, zumal hier ja auch noch das Augenproblem dazu kommt. Es stellt sich also die Frage, was hat der Hund von einem lebenslangen Tierheimknast?

    Selbst wenn man einen Platz findet, der den Hund aufnimmt, gibt man ein Arbeitspaket ab, dass eine enorme Verantwortung bedeutet. Ich persönlich bin der Ansicht, dass man die Verantwortung für so einen Hund nie ganz abgeben kann. Sollte doch etwas passieren, wird man sich immer fragen, ob man daran nicht auch Schuld hat.

    Fiffi ist 6 Jahre lang geliebt worden und hatte eigentlich keine Chance auf Leben, wenn sie nicht zufällig im Wald gefunden worden wäre. Ich denke, dass 6 vergangene schöne Jahre mehr Qualität für den Hund haben, als vielleicht noch 6 mit Maulkorb im Tierheim ohne ein liebendes Umfeld und ohne eine Chance auf Veränderung. Der Hund denkt sich nicht, dass es ja in 3 Jahren mal besser sein könnte. Das Konzept von Hoffnung hat er nicht. Da ich Kepse und seiner Familie unterstelle, den Hund so geliebt zu haben, dass sie ihn nicht einfach haben einschläfern lassen, um ihn los zu sein, mag ich sie hier nicht aburteilen. Ein Hund wie Fiffi ist nunmal eine ernst zu nehmende Gefahr.

    @geisi2: meine Frage, ob Du je in solch einer Situation warst, hast Du zum zweiten Mal nicht beantwortet. Kann ich davon ausgehen, dass Du bislang nur in der Theorie mit gefährlichen Hunden zu tun hattest?

    Zitat

    :gut:
    Ich würde den "Entspannungsseufzer" bestätigen :)

    Ich schreib es nochmal: wir haben nicht die richtige Position geklickert - dort haben wir nur belohnt. Den Entspannungsseufzer habe ich nicht geklickt, denn das Klick holt ihn wieder aus der Entspannung. An diesem Punkt gab es "nur" noch verbale Bestätigung und Lob.

    Zitat

    Nocte: Und entspannt er dann tatsächlich, oder liegt er einfach nur und steht trotzdem voll unter Strom?

    (...)

    Nein, er entspannt. Er schläft sogar ein. Das tut er nicht, wenn ich ihn mit Kommando ablege. Das beherrscht er ja auch, aber er steht dann in der Erwartungshaltung, dass etwas kommt und entspannt eben nicht.

    Ein solches Urteil zu fällen, wenn man nicht dabei ist, finde ich hochnäsig und unangemessen. Weißt Du eigentlich wovon Du da schreibst? Warst Du mal in einer ähnlichen Situation?

    Zitat

    Anstatt die richtige Liegeposition zu klicken würde ich eher den Zustand Entspannung konditionieren. Einfach über ganz normale, klassische Konditionierung. Hilft bei Brix bei Anspannung (z.B. auf dem HuPla zu Beginn) wunder

    Ich kann doch beides gleichzeitig. Hat ja bei uns auch bestens funktioniert. Geklickt habe ich ja auch nicht die richtige Position - dort hab ich ihn lediglich belohnt.

    Edit: ich will nicht, dass er sich entspannt, weil ich das konditioniert habe, sondern weil er das sinnvoll findet.

    Zitat

    Aha. Wie muss ich mir das denn vorstellen? Ich kann Entspannung klickern? Wird er dann nicht noch aufgeregter weil er auf den Klick wartet? Und was sollte ich klickern? Stu macht ja nicht mal Anstalten sich zu entspannen...


    Am Anfang hab ich schon das Sitzen geklickert. Wäre er sehr aufgeregt gewesen, auch schon das Stehen. Das Leckerchen gab es dann an meiner Seite. Später hab ich nicht mehr das Sitzen, sondern nur noch das Ablegen geklickert. Natürlich stand er immer mal wieder auf, also gab es beim erneuten Ablegen wieder das Klick und das Leckerchen an meiner Seite. Dann hab ich bei längeren Phasen (so 30Sek) das geklickert. Sobald er aber entspannt war, habe ich nicht mehr geklickt, sondern nur verbal gelobt und ein Leckerchen gegeben. Nachdem ihm klar war, dass liegen gut, aber rumkaspern doof ist, hat er cm für cm ausgetestet, wo genau er denn nun liegen soll.

    Meiner bleibt bei einem einfachen Liege-Kommando auch in Hab-Acht-Stellung. Wir haben vor etwa 3 Wochen angefangen das zu klickern. Er hat selbst Angebote gemacht und bei dem erwünschten Verhalten haben wir geklickt, ihm also nicht gesagt, was er machen soll. Bereits nach dem 2. bewussten "Training" saß das so bombenfest, dass er nun von sich aus viel schneller runter kommt und sich einfach hinlegt. Das ist auch in stressigeren Situationen schon recht zuverlässig gefestigt.