Anila, es geht in gewisser Weise auch darum, dass man viel früher agieren muss. Das meine ich jetzt nicht aufs Feld bezogen, sondern in der gesamten Erziehung.
Das fängt schon da an, wo man z.B. ein Apportel/Ball o.ä. wirft und der Hund nicht sofort hinterhersprintet sondern wartet bis er geschickt wird, dann gehts weiter mit dem Abruf bei anderen Hund, dem Abruf aus dem spiel und dann irgendwann kommen die Hasen.
Das alles will gut aufgebaut sein, heißt beim Rückruf von andren Hunden zu reagieren bevor er die Hunde sieht, beim Rückruf aus dem spiel rufen wenn er eh schon kommt und die Anforderungen dieser Übungen langsam steigern. Niemals rufen, wenn der Hund eh nicht kommen würde.
Und solange übe ich am Feld eben Gehorsam an der Leine und Freilauf findet in gesichertem bzw. wildarmen Bereichen statt.
Und das ist der Punkt, bei vielen kommt das "Oha" erst wenn der Hund den Hasen hinterherrennt, dabei wäre der eigentliche Aktionspunkt schon viel früher in der Erziehung gewesen.
Es geht nicht um blindes Vertrauen, sondern um sorgfältig aufgebautes Vertrauen, kombiniert mit guter Konditionierung
Es geht darum, auch den GEMEINSAMEN Erfolg von Hund und Halter zu forcieren, der Hund soll keine Erfolgserlebnisse mit Hasen haben, sondern mit dem Führer. Dafür muss es bei dir einfach toll sein und mit und bei dir auch immer ein Erfolg greifbar.
Es gibt für mich kaum etwas wichtigeres in der guten Grundausbildung, als gemeinsam Erfolg mit meinem Hund zu haben, dafür mache ich mich auch zum Kasper, löse Kopfschütteln aus usw.
. Und zwar aus mehreren Gründen:
- gemeinsamer Erfolg motiviert beide Parteien gleichermaßen, das ist wichtig, ist einer von beiden unmotiviert schlägt das auf den jeweils anderen zurück, die Laune sinkt, der Erfolg scheint nicht greifbar, Unmut macht sich breit, nichts geht mehr- ein Teufelskreis der nur schwer zu durchbrechen ist, wenn die Verhaltensmuster sich festigen.
- der Erfolg schafft Vertrauen und vertieft die Bindung
- er motiviert mehr zu arbeiten- was gut funktioniert tut man gerne und oft und traut sich auch eher wieder an Neues heran
aber um diesen Erfolg zu erreichen, ist es ebenso wichtig, sich auch erreichbare Ziele zu setzen, kleine Schritte zu machen und die Erwartung zurückzuschrauben, der Hund müsse das ja alles können. Das ist ein nur zu menschlicher Fehler, mit unerfüllbaren Erwartungen heranzutreten, dann enttäuscht zu sein und in oben beschriebenen Kreislauf zu landen.
Und ja, ich wäre an deiner Stelle geflitzt und zwar allerschleunigst. Wenn der Hund dann kommt (auch wenn einige Minuten vergehen und ich ihn tatsächlich an die Wand klatschen könnte), freu ich mich wahnsinnig und beginne ein tolles Spiel, lasse ein Superleckerchen springen oder sonstwas, was ein gemeinsames Erfolgserlebnis herbeiführt. Ich führe das ganz bewußt herbei- setzt natürlich auch eine große Selbstbeherrschung voraus.
Allerdings würde ich dann natürlich wieder kleiner starten und den Freilauf am Hasenfeld einstweilen streichen, dort aber an der Leine Unterordnung trainieren.
Wie ich vorhin schon Jana schrieb, ist es zwar auch Erfahrung aber ein großer Teil dessen ist auch eine ganz persönliche Entwicklung, z.B. die bewußte Arbeit an der Selbstbeherrschung, mich selber besser kontrollieren zu können. Nur wer sich selber unter Kontrolle hat (weitestgehen, 100% sind rein mathematisch, praktisch gibt es keine 100%) kann auch einen anderen kontrollieren.
Man muss also nicht nur am Hund arbeiten, sondern in erster Linie an sich selber, daran eine gute, souveräne Führungsqualität zu entwickeln. Denn das ist es, was man schließlich ist: der Manager von seinem Hund, entsprechende Qualitäten sollte man sich aneignen.
Sorry, dass es jetzt etwas von der Schleppe in die gesamte ausbildung und mehr abschweift...
lg Susanne