Zitat
Ist eine nette Abwechslung, macht glücklich, hat aber REIN GAR NICHTS mit unserem Alltag und der Qualtät unserer Beziehungen zu tun.
Das ist der Punkt.
Leider widerspricht das restliche Posting diesem Satz
.
Egal ob ich füttere oder nicht, das beeinflußt die Qualität der Beziehung tatsächlich gar nicht.
Weder dahin, dass es eine schlechtere Beziehung ist weil der Hund "es ja für Futter tut und nicht für mich" noch das es eine bessere Beziehung wird weil der Hund ja ´"was natürliches tut" oder was "positives erlebt" also für sein Futter arbeitet (dafür muss der Hund erstmal Futter in dem Moment als angenehm ansehen, was nicht unbedingt gegeben sein muss).
Ich finde die Sichtweise, dass der Hund das bei einer guten Beziehung "für mich tut" an sich völlig verquer. Warum sollte er das tun? Weil ich so ein toller Sozialpartner bin? Bin ich das überhaupt- aus Hundesicht? Oder beurteile ich als Mensch nicht vielmehr was gut für meinen Hund ist und behaupte schlichtweg mal, dass ich ein guter Sozialpartner wäre?
Hier gibt es über 40 000 Mitglieder und so gut wie jeder ist überzeugt, dass er ein supergenialer Sozialpartner für seinen Hund ist. Und zwar ganz egal wie die Hunde gehändelt werden.
Und wieviele davon sind tatsächlich gute Partner...und von denen wo es einfach läuft, wieviele sagen hinter deren Rücken "tja, nen einfachen Hund erwischt"?
Die Qualität einer Beziehung lässt sich nicht zwangsläufig in einer Extremsituation bestimmen.
Ein anderes Beispiel mal:
Ich habe tierisch Angst vor Spinnen. Manchmal schaffe ich es mich zusammenzureißen, von mir aus, aber selten udn es ist sehr schwer. Wenn mein Partner, dem ich vertraue und zu dem ich sicher eine eine gute Beziehung habe, mir die Hand hält, habe ich immer noch genauso Angst. Ich bin genauso gestresst und kriege alle Zustände. Partner hin oder her.
Habe ich jetzt wider erwarten ein Beziehungsproblem? Sollte ich mich trennen? Partnertherapie?
Und bei meinem Hund ist es halt so, dass er im ersten Jahr, bevor er bei mir, viel zuwenig kennengelernt hat und deshalb unsicher ist. Das war lange kein Problem, bis zu dem Tag, als ich versagt habe- total. Er wurde angegriffen (offline) und ich konnte ihn zwar rausretten aber er war verletzt (ich auch) und hat das sofort verinnerlicht.
Ich soll ihm jetzt einfach so Sicherheit geben, weil ich so ne super Persönlichkeit bin und er sich auf mich verlassen kann? Theoretisch kann er das, aber praktisch konnte ich es da eben nicht und er weiß das! Ich habe meine Unfähigkeit diesbezüglich unter Beweis gestellt und das kann jedem so gehen. (er lief frei zwei Meter vor mir und aus der Hecke kamen ein Schäfi und ein Mix ohne Halter raus und haben sich kurzerhand auf ihn gestürzt- weder er noch ich hatten ne Möglichkeit zu reagieren, er warf sich auf den Rücken und schrie und ich hab mich dazwischengestürzt um zu retten was zu retten war... Ergebnis: fettes Loch in Tuckers Hinterschenkel, Loch im Ohr, mehrere Kratzer und zwei schöne Lochis in meinem Oberschenkel von Fremdhund).
Unsere sonstige Beziehung bleibt davon aber unberührt oder um mit Staffys Beispiel zu arbeiten:
Wenn Tucker nen Dorn im Fuß hat oder sonstwie Schmerzen dann knurrt der mich nichtmal an, der lässt mich gucken und machen, da brauch ich kein Lecker (obwohl ers trotzdem kriegt!) und nix.
Aber wenn er Angst hat bzw. seine Emotionen überhand nehmen, dann muss ich ihm helfen und zwar glaubwürdig...durch oben Beschriebenes bin ich aber nun nicht gerade glaubwürdig wenn ich versuche zu vermitteln, dass ich ihn immer schützen kann denn das Gegenteil ist bereits bewiesen.
Ich arbeite nicht soviel nach dieser Strategie wie Shoppy, für mich ist es ein Mittel von vielen anderen mit denen man angenehm und gewaltfrei arbeiten kann. Je nach Hund, Mensch, Problemstellung und Ursache.
Habe ich einen 1,5 jährigen Proll an der Leine der wie ein pubertierender Teenie "ehyyyy Alda...problem?" rumstänkert ohne jeden Grund, dann würde ich dieser Respektlosigkeit einfach ein Ende bereiten indem ich mich ins Blickfeld schiebe und Raum einnehme. So ein Verhalten ist unter Hunden ebenso respektlos wie unter Menschen und ich gegenkonditionier nix sondern setze nen klaren Punkt indem ich mir durch große Präsenz Respekt verschaffe.
Aber dafür muss ich sicher analysieren mit was ich es zu tun habe.
Da hat Shoppy nämlich verdammt Recht: Im Zweifel besser (gegen)konditionieren als im falschen Moment die falschen Schlüsse ziehen und das Problem dadurch möglicherweise verschärfen.
@ fanta
Nochmal kurz Handfütterung:
Das hängt wirklich stark vom Hund/Mensch Gspann ab. Ich glaube bei Mr. Big würde das sowenig funktionieren wie bei meinem Tucker. Klingt gut, klappt bei einem bestimmten Typus Hund aber eher schlecht. Was passiert ist dann nämlich, dass der Hund sich mit nix mehr außer dir befasst und dir ständig in den Hacken klebt und 1001 anbietet...nix schnüffeln, nix gucken, nix wahrnehmen...nix lernen.
Besagter Münsterländer guckt sich trotzdem noch die Welt an, ist unabhängiger als besagter Typus Hund und das Futter gibt einem wirklich erstmal Gelegenheit "reinzukommen". Und es war einfach dringend, die Leute waren fix und foxi, da muss auch erstmal ein schneller Erfolg rein um eine gute Beziehung aufrecht zu erhalten.
Hier wird es dann nämlich ein Beziehungsproblem, wenn man nur noch denkt "boh, jetzt raus, der zieht nur wieder, haut wieder ab, killt ne Leinen, er lernts nicht..usw.". Frust im Übermaß ist der Beziehungskiller.
Und wie gesagt, mittlerweile klappts auch ohne, er hat gerafft, dass es Spaß macht MIT seinen Menschen zu gehen und sie nicht als Leinenhalter zu sehen.